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Hua-Hin ist ein Badeort an der Westküste Thailands. Hier spielt diese Geschichte. Zum Verständnis dieser Geschichte muß gesagt werden, daß die meisten der Bargirls durchaus freiwillig ihrer Tätigkeit nachgehen. Es ist das leicht verdiente Geld, was sie dazu treibt. Gezwungen werden sie in der Regel nicht. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, wie diese Geschichte zeigt.


 

Der hässliche Mann
von Mang Gon Jai

Sie hieß Lin. Sie lebte in einem kleinem abgelegenen Dorf im Issaan. Die nächste größere Stadt hieß Roi Et, doch es war weit dorthin. Lin war verheiratet mit einem wesentlich älteren Mann. Sie liebte ihn nicht, aber sie mochte ihn. Sie hatte ihn sich nicht ausgesucht. Ihre Eltern hatten sie mit diesem Mann verheiratet. Lin lebte mit ihrem Mann in einer kleinen Hütte. Es war eine schöne Hütte, über und über war sie mit Blumen bewachsen. Eine so schöne Hütte hatten die wenigsten. Durch eine kleine Straße getrennt lag die Hütte ihrer Eltern. Ihre Eltern lebten allein. Alle ihre Kinder waren erwachsen und lebten mit ihren jeweiligen Ehepartnern in anderen Dörfern. Lin´s Eltern sahen ihre Kinder und Enkelkinder daher nur selten. Lediglich Lin, die ja im gleichen Dorf wohnte, trafen sie täglich. Lin hatte ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Oft ging sie hinüber zu ihrer Mutter. Sie half der alten Frau ein wenig im Haushalt und sie schwatzten. Das machte viel Spaß. Das Leben von Lin war geregelt. Lin war zufrieden.

Lin´s Mann ging regelmäßig arbeiten. Er brachte Geld nach Haus. Lin führte den Haushalt, kaufte auf dem nahen Markt ein, bereitete das Essen zu. Lin verdiente zusätzlich etwas Geld, indem sie für andere Leute die Wäsche wusch und bügelte. Sie verdiente nicht gerade viel, aber das Einkommen beider ermöglichte ein sorgenfreies Leben. Lin führte das Leben einer guten Hausfrau. Kinder wollten sie nicht, noch nicht. Lin nahm die Pille. Doch eines Tages vergaß sie die Pille. Ihre Regel blieb aus. Sie ahnte es.

Der Dorfarzt bestätigte es ihr. Lin war schwanger.Als der Arzt es ihr sagte, war Lin glücklich. Im Tempel entzündete sie Räucherstäbchen und dankte Buddha. Dann lief sie zu ihrer Mutter.„Ich bin schwanger“, verkündete sie stolz und glücklich. Ihre Mutter nahm sie in ihre Arme und drückte sie an sich. Lin sah Freudentränen in den Augen ihrer Mutter. Lin war glücklich. Lin wartete auf ihren Mann. Sie kochte sein Lieblingsessen: ‚Tom jang gung’ - Garnelensuppe - mit ganz vielen Garnelen. Dazu Muscheln, die aß er so gerne. Sehr teuer, aber es war ja auch ein ganz besonderer Tag. Zusätzlich kaufte sie ihm Bier. Er trank es doch so gern. Lin zog ihren schönsten Rock an. Gleich würde ihr Mann nach Hause kommen. Sie überlegte: „Ja, ich glaube, ich liebe ihn.“

Ihr Mann kam nach Hause. Er lachte sie an. „Was gibt es heute zu essen?“ Lin deutete auf den Fußboden. Auf einer Binsenmatte hatte sie das Essen drapiert. Lin öffnete einen Topf. „Sieh, es gibt Tom jang gung“ „Mein Lieblingsessen.“ „Ich weiß, ich habe es extra für Dich gekocht.“ „Das ist gut. Eine Frau sollte stets alles für ihren Mann tun.“ Sie hockten auf der Matte am Fußboden, vor sich die Speisen. „Was möchtest Du trinken?“ „Wasser, was sonst?“ „Möchtest Du nicht lieber ein Bier?“ „Haben wir Bier?“ „In Kühlschrank, ich hole es Dir.“ Er schenkte sich ein Glas ein. Ein zweites, halb voll, reichte er Lin. „Tschok dii. - Zum Wohl.“ „Nein, ich trinke kein Bier.“ „Warum?“ „Ich sage es Dir später, iß erst.“ Er erzählte ihr von seinen Plänen. „Einen kleinen Laden sollten wir eröffnen.“ „Ja, das wäre schön. Dann wärest Du den ganzen Tag zu Hause.“ Sie rückte ganz nahe an ihn heran. Sie flüsterte: „Ich bin schwanger!“

Er sagte nichts. Sein Gesicht wurde bleich. Dann schlug er ihr die geballte Faust ins Gesicht. Sie fiel nach hinten und schlug mit dem Kopf auf den Boden. Sie richtete sich auf, sie verstand nicht. Blut floß aus ihrer Nase. „Warum hast Du das getan?“, schrie er sie an, „Du nimmst doch die Pille!“ „Ich hatte sie vergessen.“ „Du bist zu dumm für alles, ich hasse Dich! Sicher ist das Kind nicht einmal von mir. Du hast mit anderen Männern geschlafen!“ „Nein!“ Lin weinte bitterlich. „Du weißt, so etwas würde ich nie tun!“ „Morgen läßt Du das Kind abtreiben!“, brüllte er sie an. Erneut schlug er sie ins Gesicht. „Nein, bitte nicht! Ich möchte das Kind behalten! Bitte nicht!“ Er antwortete nicht. Er verließ das Haus. Nach kurzer Zeit kam er mit einer Flasche „Mekong-Whisky“ zurück. Er sprach kein Wort mit Lin. Er setzte sich auf einen kleinen Tisch in der Ecke und begann zu trinken - direkt aus der Flasche. Er betrank sich sinnlos, kippte um und schlief ein.