| Lin
ließ das Kind nicht abtreiben, sie blieb standhaft, so sehr
er sie auch quälte. Ihr Mann wurde ihr gegenüber abweisend.
Er sprach nicht mehr mit ihr, er schlief nicht mehr mit ihr. Bald
hörte er auf zu arbeiten. Er trieb sich mit seinen Freunden
herum. Immer häufiger war er betrunken. Manche Nacht kam er
nicht nach Hause. Lin wußte, er hatte andere Frauen. Das Ende
ihrer Ehe kam schnell und plötzlich: Eines Tages, Lin hatte
inzwischen einen dicken Bauch, kam er angetrunken nach Hause. Mit
ihm kam eine andere Frau. Sie war hübsch und jung, höchstens
siebzehn Jahre alt. „Mach Essen und hol Bier!“, befahl
er Lin. Lin gehorchte. Dann saßen ihr Ehemann und seine Freundin
in ihrem Haus. Sie aßen und tranken. Lin sah schweigend zu.
„Geh nach draußen!“, sagte ihr Mann. Lin gehorchte
erneut. Draußen saß sie auf einer Bank vor ihrer Hütte.
Sie hörte, wie ihr Mann die andere Frau liebte. Lin ging langsam
über die Straße zur Hütte ihrer Eltern. Dort schlief
sie in dieser Nacht. Als sie am nächsten Morgen in ihre Hütte
zurückkehrte, waren ihr Mann und seine Geliebte nicht mehr
da. Das Haus war leer. Ihren Mann hat Lin niemals wieder gesehen.
Für Lin begann ein neues Leben. Sie verließ ihr früheres
Haus und zog wieder in das Haus ihrer Eltern. Es gab keinen Grund
mehr, für ein eigenes Haus Miete zu bezahlen. Sie hätte
es auch nicht bezahlen können. Lin´s Vater war Fischer.
Er war ein fleißiger Mann. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
arbeitete er am nahe gelegenen Fluß. Er fing so viele Fische,
Garnelen, Schnecken und Krebse, daß sie einiges verkaufen
konnten. Von diesem Geld konnte Lin Gemüse, Reis und was
man so brauchte, kaufen. Hinzu kam das Geld, das Lin für
das Waschen von Wäsche und für Bügeln verdiente.
Nein, richtig schlecht ging es Lin und ihrer Familie noch nicht.
Lin´s Eltern besaßen sogar einen Fernsehapparat und
einen Kühlschrank. Lin war eine sehr gute Köchin. Sie
fing Frösche, Kröten und auch kleine Schlangen. An manchen
Tagen sammelte sie Tausende von ‚Maeng-Mau’, eine
Art geflügelte Ameisen. Aus allem konnte sie schmackhafte
Gerichte zubereiten. Noch war das Leben von Lin nicht sehr schwer.
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