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Lin´s Schwangerschaft hingegen verlief voller Komplikationen. Oft mußte sie den Dorfarzt aufsuchen. „Entbinden kannst Du hier im Dorf nicht“, erklärte der Arzt ihr, „Du mußt zur Entbindung in das große Krankenhaus in die Provinzhauptstadt Roi et.“ „Das kann ich nicht, soviel Geld habe ich nicht.“ „Wenn Du hier entbindest, könntest Du sterben.“ Der Arzt zuckte die Schultern. „Ich habe kein Geld.“ Die Entbindung war schrecklich. Lin glaubte zu sterben. Sie wand sich vor Schmerzen. Sie schrie, verlor das Bewußtsein, erwachte erneut und krümmte sich vor Qualen. Doch Lin überlebte. Auch das Kind, ein Mädchen, war gesund. Buddha hatte geholfen.

Zum Dank verehrte Lin Buddha Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen. Immer noch war ihr Leben halbwegs in Ordnung. Schon lange klagte Lin´s Vater über Schmerzen im Bauch. Täglich wurden sie schlimmer. An manchen Tagen konnte er nicht arbeiten. Vor Schmerzen gekrümmt lag er dann auf einem breiten Tisch vor der Hütte. Sie brachten ihn zum Arzt. Der Arzt untersuchte ihn. „Es ist sehr ernst“, sagte der Arzt. „Er muß operiert werden, sofort! Wenn er nicht sofort operiert wird, ist er in einer Woche tot. Er muß nach Roi et ins Krankenhaus!“ „Das Geld dafür haben wir nicht!“ „Dann wird er sterben!“

Jetzt war das Leben von Lin nicht mehr in Ordnung. Sie und ihre Mutter waren verzweifelt. Sie baten Nachbarn und Freunde um Geld. Sie erhielten auch etwas, aber viel zu wenig. In der folgenden Nacht konnte Lin nicht schlafen. Ihr geliebter Vater würde sterben. Ihre kleine Tochter hatte sie an ihre Brust gedrückt. Das Kind schlief friedlich. Was würde werden, wenn ihr Vater tot war. Wer sollte die Fische fangen. Ohne Fische kein Geld und ohne Geld?

Durch das kleine Fenster betrachtete Lin die Sterne am Himmel. Buddha sprach zu ihr. Lin wußte jetzt, was sie zu tun hatte. Früh stand sie auf. Sie hatte von einer Frau gehört, die Mädchen und junge Frauen an Bars in die Touristengebiete vermittelte. Lin ging zu dieser Frau. Die Frau war sehr freundlich zu ihr. Sie tröstete Lin, die weinend von ihrem Schicksal berichtete. „Ja“, sagte die Frau, „ich kann Dir helfen. Zufällig habe ich eine sehr schöne Stelle zu besetzen. In Hua-Hin. Leichte Arbeit und viel Geld.“ „Was muß ich tun?“ „Bier verkaufen. Du arbeitest an einer Bierbar in Hua-Hin. Du verkaufst Bier und andere Getränke. Du bekommst nur ein kleines Gehalt. Das große Geld erhältst Du von den Touristen. Die geben Trinkgeld ohne Ende. Du erhältst an einem Tag soviel Trinkgeld, wie Du hier in einem Monat nicht verdienst. Die Fremden an den Bars sind sehr reich!“ Lin hatte schon von dieser Art Arbeit gehört. Einige ihrer Freundinnen waren bereits in die Orte mit den vielen Touristen gegangen. Sie hatte nicht viel Gutes von dieser Tätigkeit gehört. „Ich schlafe nicht mit den Touristen!“ „Natürlich nicht. Es gibt einige Mädchen, die das machen, um sich weiteres Geld hinzuzuverdienen. Aber Du bist ein anständiges Mädchen, Du machst so etwas nicht. Es ist auch besser so.“ „Ich muß wirklich nicht mit ihnen schlafen?“ „Nein, ganz bestimmt nicht!“ „Das hört sich gut an, aber ich brauche das Geld jetzt, jetzt sofort. Wenn ich erst in Hua-Hin bin, ist es zu spät, dann ist mein Vater bereits tot!“ „Wieviel brauchst Du?“ Lin nannte ihr die Summe. „Ich gebe Dir das Geld.“ „Wann?“ „Jetzt, sofort. Ich bezahle Dir auch die Busfahrt nach Hua-Hin und gebe Dir noch etwas Geld extra. Du brauchst neue Kleider. Wenn Du erst in Hua-Hin bist, wenn Du reich bist, gibst Du es mir wieder.“ „Ja, ich gehe nach Hua-Hin!“