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Ein neues Buch von mir wird in Kürze erscheinen. Es heißt „Galii“ (Nutte) und trägt den Untertitel „Das Leben einer thailändischen Prostituierten“.

Mit diesem Buch möchte ich aufzei- gen, wie eine eigentlich schüch- terne junge Frau dazu kommt, einem Beruf nachzugehen, der auch in Thailand als äußerst negativ angesehen wird.

Es handelt von einer jungen Frau (fast noch ein Kind), die in ihrer frühesten Ju- gend die schlimm- sten Erfahrungen machen musste. Sie verlor den Glauben an sich selbst und verlor das Verständ- nis für „Moral“. Nach ihren schlimmen Erlebnissen in ihrer Jugend wurde ihr eigentlich alles egal.

 
 

Widmung

Vor einigen Jahren ereignete sich auf der thailändischen Ferieninsel Phuket ein schrecklicher Unfall. Ein Haus, ein Bordell, fing Feuer und brannte völlig ab. In den Trümmern fand man die verkohlten Leichen der sehr jungen Frauen, fast noch Kinder, die dort tätig gewesen waren. Sie waren bei lebendigem Leib verbrannt. Man hatte sie an ihren Betten festgekettet und sie konnten sich vor den Flammen nicht retten. Dieses Buch widme ich jenen Frauen und hoffe, dass es mit dazu beitragen kann, Verantwortliche aufzurütteln.

Mang-gon-Jai

Joo

Ein weiterer Schmerz kroch durch ihre Eingeweide. Joo krümmte sich vor Qualen. Es dauert nicht mehr lange, dachte sie. Bald ist es vorbei, bald ist das Kind da. Sie lag auf einer einfachen, roh zusammen gezimmerten Liege auf einer dreckigen Matte. Die Luft war stickig. Fliegen schwirrten in der Mittagshitze herum. Nur wenig Licht drang durch die kleine Fensteröffnung und sorgte in der alten Hütte für düstere Stimmung - selbst zur Mitte des Tages. Ein neuer Schmerz schnitt in ihre Einge-weide, eine neue Wehe. Sie kamen jetzt recht häufig. Bald ist es vorbei, dachte Joo.

„Hol die Hexe“, sagte sie zu Top, ihrem etwa vierjährigen Sohn.
Der Junge lief los und Joo war allein. Bald habe ich ein weiteres Kind, dachte Joo. Das ist nicht gut. Obwohl sie erst 18 oder 19 Jahre alt war, ihr genaues Alter kannte Joo nicht, bekam sie heute bereits ihr drittes Kind. Dieses Kind war anders als die beiden ersten. Bei diesem Kind war sich Joo nicht sicher, wer der Vater war. Sie hatte ihren Ehemann betrogen. Joo wollte dieses Kind nicht. Eine neue Wehe überflutete sie. Joo krümmte sich unter diesem Krampf. Hoffentlich kommt die alte Hexe, ehe das Kind da ist, dachte sie. Sie blickte zur Ruß geschwärzten Decke. Ein paar Mäuse turnten dort oben und einige Geckos versuchten, Moskitos zu fangen. Ob Wai, ihr Ehemann wohl ahnte, dass das Kind vielleicht nicht von ihm war? Er hatte nie etwas in dieser Art zu ihr gesagt, aber er hatte sie so merkwürdig angesehen.

Wie lange war sie wohl schon mit Wai verheiratet? Joo wusste es nicht, einen Kalender besaß sie nicht. Sie war noch sehr jung gewesen, dass wusste sie, als Wai sie zur Frau nahm. „Wir sollten dich bald verhei-raten“, hatte ihre Mutter gesagt, als Joo ihre erste Blutung bekam. Es war die Zeit der Reisernte gewesen. Etliche junge Männer aus den Nachbardörfern hatten sich zur Ernte als Tagelöhner verdingt. Der große Herr, der die vielen Felder besaß, zahlte sehr gut. Damals war sie auch als Tagelöhnerin beim großen Herrn angestellt gewesen. Von Sonnenauf-gang bis zum Einbruch der Dunkelheit musste sie auf den Reisfeldern arbeiten. In gebückter Haltung schnitt sie mit einer kleinen Sichel die Reispflanzen kurz über dem Boden ab. Andere Frauen nahmen ihr die Pflanzen ab und breiteten sie zum Trocknen in der Sonne aus – Stunde um Stunde, Tag um Tag. Sehr früh morgens, es war noch dunkel, musste sie aufstehen, die Feuerstelle anheizen und das Essen für die Eltern und älteren Geschwister bereiten. Dann, es war immer noch dunkel, ging sie durch den kleinen Wald zu den Feldern, wo die anderen Arbeiter schon warteten. Sobald dann die Sonne aufging und man etwas erkennen konnte, wurde mit der Arbeit begonnen. Schnell begann der Rücken zu schmerzen. Bald stand die glühende Sonne hoch am Himmel und brannte auf ihren Körper. Es war eine harte Arbeit. Sie sehnte sich dem Sonnenuntergang entgegen. Abends wurde es etwas kühler. „Ton-Jen - der kühle Tagesabschnitt“, nannte man in ihrer Sprache den Abend. Einen Monat lang leistete sie, wie auch die anderen, diese schwere Arbeit. So verdiente sie etwas Geld. 50 Baht (etwa 1 Euro) erhielt sie für jeden Tag, den sie auf den Feldern schuftete. Das war viel weniger als die Männer für die gleiche Arbeit erhielten, aber Joo war zufrieden. Sie wusste, dass sie nie den gleichen Lohn wie ein Mann erhalten würde.

Damals, bei der Erntearbeit, hatte sie ihn zum ersten Mal gesehen - Wai, der sie später geheiratet hatte. Sie mochte ihn nicht und außer-dem kam er aus einem fremden Dorf, das tat ein Übriges. Fast jeden Tag sah sie damals diesen Mann. Oft blickte er zu ihr herüber. Sofort drehte Joo sich so, dass sie ihn nicht ansehen musste. Als dann der Ernte-monat vorüber war, stand dieser Mann eines Abends vor ihrer Hütte und verlangte, ihrem Vater zu sprechen. Joo wusste, was das bedeutete, man verhandelte über ihre Heirat, über ihren Verkauf. Dann bestätigte ihr ihre Mutter, dass sie diesen fremden Mann aus dem Nachbardorf heiraten werde. Seinen ganzen Verdienst aus diesem Erntemonat hatte er für Joo bezahlt und den Verdienst der Erntemonate der folgenden zwei Jahre auch. Wenige Tage später fand die Hochzeit statt. Neun Mönche segneten ihr Zusammensein. Dann begann die Feier. Das ganze Dorf war zu Gast. Es wurde gelacht und gesungen, getrunken und gegessen. Es war damals ein großes Fest gewesen. Am nächsten Morgen verließ Joo das Dorf, in dem sie bislang gelebt hatte.

Stets drei Schritte hinter ihrem Ehemann gehend, wanderten sie in Richtung des Dorfes ihres Mannes. Während ihr Mann lediglich einen leichten Wanderstab bei sich trug, hatte Joo eine schwere Kiepe auf den Rücken geschnallt. Hierin und in einem Sack, den sie in den Händen hielt, befanden sich ihre wenigen Habseligkeiten. Der Sack war schwer gewesen und oft musste sie ihn von einer Hand in die andere wechseln, während die Sonne vom Himmel brannte. Am späten Abend erreichten sie das Dorf von Wai, ihres Ehemannes, wo sie von den dortigen Dorf-bewohnern neugierig beäugt wurde. Die Eltern und Geschwister von Wai saßen vor ihrer Hütte.

„Das ist meine Frau“, sagte Wai. „Ich habe mir eine Frau mitgebracht von dem Geld, welches ich für meine Arbeit erhalten habe. Sie heißt Joo.“ Der Vater von Wai nickte uninteressiert. Joo hatte sich damals in den Staub vor die Füße der Eltern von Wai geworfen. „Ich bin eure neue Tochter“, hatte sie gesagt „und ich bitte euch, mich zu lieben.“ Dann hatte sie die Füße der neuen Eltern geküsst. „Kümmere dich um das Essen“, hatte die Mutter von Wai gesagt und zur Feuerstelle gezeigt. Joo erinnerte sich noch gut daran.

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