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Bald, nach der Begegnung mit dem Dorfvorsteher, hatte Joo fest-gestellt, dass sie schwanger war. Hatte sie ein Kind vom Phuu-Jai-Baan empfangen, oder war es vielleicht doch von Wai, ihrem Ehemann? Joo wusste es nicht. Eines Tages dann ging sie zur alten Hexe. „Ich be-komme ein Kind“, sagte Joo. „Ich möchte es nicht.“ Die Hexe nickte. „Komme in der Neumondnacht zu mir. Ich braue dir einen Sud aus bösen Pflanzen. Er wird dich von dem Kind befreien. An dem Tag vor der Nacht, in der du zu mir kommst, solltest du nichts essen und trinken und du darfst an diesem Tag nicht den Tempel besucht haben!“ „So werde ich es machen“, antwortete Joo. Es war noch lange bis zur Neumond-nacht. Immer dachte sie an das heimliche Treffen mit dem Dorfvor-steher.

Was wäre, wenn Wai davon erführe? Aber der Phuu-Jai-Baan würde es Wai bestimmt nicht sagen, da war Joo sich sicher. Dann war es soweit, die Vollmondnacht nahte. Den ganzen Tag hatte Joo nichts gegessen. Obwohl sie schrecklichen Durst verspürte, hatte sie nichts getrunken und im Tempel war sie natürlich auch nicht gewesen. Nachdem Wai eingeschlafen war, erhob sie sich wieder von ihrem Lager und ging zur alten Hexe. Diese wartete schon auf sie.

„Du kommst spät“, sagte die Hexe. „Wir müssen uns eilen.“ Noch nie war Joo in der Hütte der alten Hexe gewesen. Es war finster, nur eine kleine Fettlampe erhellte den hinteren Bereich der Hütte ein wenig. Einige ge-trocknete Tiere lagen dort auf einer Art Altar - Schlangen. Es gab viele magische Dinge zu sehen. Joo schauderte.

Dann stellte die Hexe einen großen Topf mit einem schwarzgrünen Sud auf den Tisch. „Davon muss ich trinken?“, hatte Jo damals gefragt.
„Du musst alles trinken“, hatte die alte Hexe geantwortet. „Und du darfst zu niemandem darüber sprechen!“ Das Gebräu schmeckte widerlich, aber Joo würgte die eklige Masse herunter. Es schmeckte bitter, scharf und salzig. Fast hätte sie sich übergeben müssen.
„Geh jetzt“, hatte die Hexe gesagt. „Leg dich irgendwo hin. Du wirst Schmerzen bekommen und dann wird das Kind abgehen. Geh jetzt.“
Joo verließ die Hexe. Wohin sollte sie in der Nacht gehen? Niemand durfte etwas wissen. Langsam streifte sie durch das menschenleere Dorf. Hin und wieder wurde sie von einem Hund angebellt, aber sobald der Hund sie erkannte, stellte er sein Bellen ein. Manche Hunde folgten ihr ein Stück, blieben dann aber doch zurück.

Unwillkürlich hatte Joo den Weg zum Fluss eingeschlagen. Dann wusste sie plötzlich, wohin sie gehen würde. Sie ging zur Salaa, der alten Hütte bei den Riedfeldern. Es war sehr dunkel in dieser Nacht. Kein Mond stand am Himmel. Lediglich die Sterne beleuchteten die Salaa ein wenig. Sicher trieben in dieser Nacht viele Geister ihr Unwesen. Joo hatte große Angst vor Geistern. In der Salaa legte sich Joo auf die breite Bank. Die Schmerzen in ihrem Leib hatten begonnen. Diese Schmerzen wurden stark, sie wurden zu Krämpfen. Joo wand sich auf der Bank. Sie krümmte sich und musste sich übergeben und erbrach die schwarze Brühe. Ich werde sterben, dachte sie.

Lange hielten die Schmerzen an. Joo stöhnte laut. Es war gut, dass sie hier draußen war, wo sie niemand hören konnte. Dann spürte Joo wie die Schmerzen langsam abklangen und nach etlichen Stunden konnte sie sich wieder erheben. Aber das Kind hatte sie immer noch. Langsam ging sie durch die dunkle Nacht zurück zu ihrem Dorf. Ein paar Fledermäuse flatterten unhörbar vorbei.

Joo klopfte an die Hütte der alten Hexe. „Komm herein“, sagte die Hexe. „Was ist passiert?“ „Ich habe das Kind immer noch“, weinte Joo. „Das ist sehr schlimm“, sagte die Hexe. „Wenn das Kind von dem Kräutertrank nicht abgeht, ist es ein schlimmes Kind, ein gefährliches Kind. Sicher hat es ein böser Geist beschützt. Meine Tränke sind gut, sehr gut. Aber wenn böse Geister im Spiel sind, kann ich nicht helfen. Du wirst dieses Kind also austragen müssen. Wenn du Glück hast, werde ich es in ein paar Monaten tot aus dir herausziehen. Das wäre besser so. Wenn das Kind lebt, wird es dir nur Sorge und Kummer bereiten und wer weiß, vielleicht wird es dich eines Tages, wenn es erst groß ist, töten. Vielleicht hat dich „Phii-Saat – der Teufel“ geschwängert. Man kann es nie wissen!“

Joo weinte leise. Dann ging sie zurück zu ihrer Hütte. Dort entfachte sie die Feuerstelle und begann, ihrem Mann den Reis zu dämpfen. Die Nacht war vorbei. Wai würde bald aufstehen und zum Fischen an den Fluss gehen.

Lange konnte Joo ihren Zustand vor Wai nicht verheimlichen. „Wir bekommen ein weiteres Kind“, sagte sie daher eines Tages zu ihm. Wai zuckte die Schultern. „Ein weiterer unnützer Esser“, sagte er. „Wir können uns Kinder nicht leisten. Reiche Leute können Kinder gebrau-chen, aber wir Armen haben ja selbst nur wenig zu essen.“ „Das Kind ist von dir“, versicherte Joo. „Natürlich ist es von mir“, antwortete Wai. „Von wem sollte es denn sonst sein?“

Kurze Zeit später traf sie den Phuu-Jai-Baan, den Dorfvorsteher. „Du bekommst ein Kind?“, fragte der Mann. „Ja“, antwortete Joo, wobei sie sich tief verbeugte. „Lass es wegmachen!“ Joo nickte, aber sie behielt das Kind.

Erneut griffen Wehen nach ihrem Leib. Joo krümmte sich. Vielleicht hat dich „Phii-Saat – der Teufel“ geschwängert, hatte die alte Hexe damals gesagt. Dieses Kind, das Kind des Teufels, würde sie heute zur Welt bringen.

Endlich kam die alte Hexe. „Wie oft kommen die Wehen?“, fragte sie fachkundig. „Oft.“ Die Hexe untersuchte Joos Körper. „Es wird nicht lange dauern.“

Es dauerte wirklich nicht mehr lange, bis sie sich in Schmerzen aufbäumte und spürte, wie das Kind aus ihr heraus glitt. Sie sah, wie die Hexe das Kind mit nur einer Hand an den Füßen hielt. Der Kopf des Neugeborenen pendelte nach unten. „Es ist ein Mädchen“, sagte sie und legte es achtlos zur Seite. „Soll ich es in den Fluss werfen?“, fragte die alte Hexe „oder soll ich es verbrennen?“ Joo zuckte die Schultern.

„Du brauchst keine Angst zu haben“, sagte die Hexe. „Der Phuu-Jai-Baan hat mir gesagt, es sei besser, wenn es tot zur Welt kommt. Der Dorfvorsteher wird also keine Schwierigkeiten machen.“ „Wirf es in den Fluss“, sagte Joo schließlich. „Die Krokodile werden es fressen.“ „Es muss erst aufhören zu atmen“, erklärte die Hexe. Dann nahm sie den Sarong, den Wickelrock von Joo, der auf dem Boden lag. Sie faltete ihn mehrfach, nahm das Kind auf den Arm und drückte dem Kind den Stoff auf das Gesicht. Die Beine des Neugeborenen zappelten. Wie ein Fisch, dachte Joo. Dann drehte sie sich zur Seite. Sie wollte nicht sehen, wie die kleinen Beine aufhörten, sich zu bewegen.

„Wo ist denn dein Kind?“ Eine Nachbarin stand in der Türöffnung. „Ist es ein Junge oder ein Mädchen?“ „Ein Mädchen“, antwortete die Hexe. Dann drückte sie es der Nachbarin in die Arme und verließ ohne ein weiteres Wort die Hütte. Die Beine des Neugeborenen bewegten sich.
„Es ist ein hübsches Kind“, sagte die Nachbarin. „Wie soll es heißen?“
Joo blickte nach oben, wo unter dem Dach die Mäuse turnten.
„Nuu“, sagte sie.

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