„Gehört? Was hast
du gehört.“ „Ihr Stöhnen! Sie leiden schreckliche
Qualen weil sie in ihrem Leben Schlimmes getan haben.“
„Sie stöhnen?“ „Ja, Sie ächzen und
stöhnen schrecklich. Es gibt Nächte, da hört
man sie bis hier hin, bis zu unserer Hütte“, beeilte
sich Jindis Vater zu versichern.
„Wir kennen die Geister einzeln, sie haben unterschiedliche
Stimmen. Jeder hier im Dorf kennt sie und wir haben ihnen Namen
gegeben.“ „Ich möchte eure Geister einmal hören“
„Tirak, wünsch dir das nicht! Es ist schrecklich
und sicher auch gefährlich. Wünsche dir, dass sie
nicht stöhnen, wenn du hier bist.“ „Ich möchte
es trotzdem einmal hören!“ „Du darfst abends
nicht in die Nähe des Dickichts gehen. Wenn man das Stöhnen
der Verstorbenen aus der Nähe hört, wird man ebenfalls
sterben!“
„Ich höre nichts. Warum stöhnen sie jetzt nicht?“
Jindi sah mich an als ob sie an meinem Verstand zweifele. „Tirak“,
sagte sie in einem Tonfall in dem man einem Kind etwas erklärt,
„tagsüber stöhnen sie nur sehr selten. Wenn
die Sonne untergegangen ist, manchmal auch schon kurz vorher,
beginnen sie zu ächzen und stöhnen. Meist hören
sie vor Mitternacht wieder auf. Manchmal hört man ihr Klagen
jedoch die ganze Nacht.“ „Bei Sonnenuntergang beginnen
sie also zu klagen?“ „Ja!“ „Heute auch?“
„Ich weiß es nicht sicher, aber ich denke schon.
Oft hört man ihre schaurigen Töne jeden Abend.“
„Es sind Tiere“, behauptete ich. „Nein, es
sind keine Tiere! Es sind die Geister von Verstorbenen. Es sind
Geister von Menschen, die in ihrem Leben Schlimmes getan haben.
Sie müssen dort im Dickicht leiden.“ Im Dickicht
leiden? Es war also eine Art Hölle. Für die Vergehen
zu Lebzeiten wurde man dort nach dem Tode bestraft. Das klang
eigentlich gar nicht so recht nach Buddhismus. Aber schließlich
gibt es ja auch ein thailändisches Wort für Hölle,
Narok. „Heute Abend werde ich es mir ansehen und anhören“,
beschloss ich. „Tu das nicht!“ Jindi war ehrlich
besorgt um mich. „Doch! Ich will es selbst hören!“
„Du wirst sterben, Tirak! Geh nicht dort hin. Schon viele
Menschen, die zu neugierig waren, sind nicht zurückgekommen.
Bleib hier!“
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