Phuu und Jing gingen nie wieder auf den Markt.
Sie trafen sich mit der Schwester des Barbesitzers, sie hieß
Jai. Gemeinsam gingen sie einkaufen. Es gab schicke Jeans, wunderschöne
T-Shirts und neue Schuhe, hohe Schuhe. Dann kaufte Jai ihnen
neue Unterwäsche. So etwas hatten beide noch nie angehabt.
Ganz kleine Slips und BHs, die durchsichtig waren. Sie
schämten sich, so etwas anzuziehen. Das tragen alle
Frauen in Phuket, sagte Jai. Jai bezahlte alles. Jing
und Phuu brauchten nur zu unterschreiben. Später dann fuhr
Phuu zur Bank und überwies ihre 5.000 Baht an ihre Schwester.
Die würde sich freuen und das Kind auch. Phuu selbst würde
ja bald sehr viel Geld verdienen.
Sie fuhren nach Phuket. Jai, Phuu und Jing
waren zwei Tage unterwegs. Müde und erschöpft kamen
sie an. Sie fuhren mit dem Taxi zum Ort Karon. Hin und wieder
konnten sie das Meer sehen, schön war es auf Phuket. Laßt
uns als erstes zur Bar fahren, sagte Jai, danach
zeige ich Euch Eure Unterkunft. Hatte Jai eben Bar gesagt,
dachte Phuu. Sie arbeiteten doch in einem Restaurant, oder?
Das Taxi hielt an einer kleinen Straße. Viele kleine Bierbars
reihten sich hier aneinander. Es waren bestimmt dreißig
dieser kleinen Buden. In allen dieser kleinen Bars standen junge
Frauen und bedienten die ausländischen Gäste. Es herrschte
ein ohrenbetäubender Lärm. Die Musikanlagen in den
Bars liefen auf Hochtouren. Jai führte sie zu einer kleinen
Bar. Das sind die beiden Neuen. Sie heißen Phuu
und Jing. Hier sollen wir arbeiten? Phuu war
entsetzt. Das ist doch kein Restaurant. Doch,
natürlich ist es ein Restaurant. Ein kleines Restaurant,
aber ich habe auch nie gesagt, daß es ein großes
Restaurant ist. Phuu standen die Tränen in den Augen.
Sie befürchtete das Schlimmste. Auch Jing schluckte. Kommt
jetzt, ich zeige Euch Euer Quartier. Ihr seid sicher sehr müde
und wollt bald schlafen. Morgen beginnt Ihr dann mit Eurer Arbeit.
Jai brachte sie zu einem kleinen Haus in der Nähe. Es hatte
nur einen einzigen Raum, ohne jede Einrichtung. Auf dem Boden
lagen einige Binsenmatten, offenbar Schlafstellen. Quer durch
den Raum war ein dickes Seil gespannt. An diesem Seil hingen
etliche Kleidungsstücke von Frauen. Ihr wohnt hier
mit fünf anderen Mädchen zusammen. Sie alle arbeiten
an derselben Bar, wie Ihr. Dort liegen Matten, nehmt Euch eine.
Versucht schnell zu schlafen. Morgen beginnt Eure Arbeit.
Jai ging. Sie sahen sie nie wieder.
Die beiden lagen auf ihren Matten. Sie waren
müde, schlafen konnten sie kaum. Sie unterhielten sich
leise. Was hatten sie nur gemacht. Beide befürchteten das
Schlimmste. Irgendwann schliefen sie dann aber doch ein Fast
im Schlaf hörten sie, wie die anderen Bewohner des Hauses
kamen. Die schwatzten noch etwas miteinander, doch dann wurde
es bald ruhig. Alle waren eingeschlafen. Am Morgen wurden sie
geweckt. Eine ihnen bisher unbekannte Frau war gekommen. Ich
bin die Schwester des Barbesitzers, ich heiße Noi,
stellte die Frau sich vor. Ich bin Deine Chefin.
Sie deutete auf Phuu. Der Barbesitzer hat also zwei Schwestern,
dachte Phuu. Du, sie zeigte auf Jing, wirst
uns gleich wieder verlassen. Du arbeitest an einer anderen Bar
und hast dann natürlich auch eine andere Schlafstelle.
Komm mit mir. Jing ging mit Noi. Phuu fühlte sich
ohne ihre Freundin ganz allein unter all den anderen Frauen.
Sie begann leise zu weinen. Eine der anderen Frauen setzte sich
neben sie. Ich heiße Don, sagte sie. Sei
nicht traurig, so haben wir alle angefangen. Don war nett,
sie streichelte Phuu. Don trug wunderschöne goldene Ketten.
Am späten Nachmittag begann Phuu mit der Arbeit in der
Bar.
Es war wirklich keine schwere Arbeit. Sie mußte
Gläser spülen und Cocktails mixen. Don zeigte es ihr.
Sie bediente die Gäste, alle waren Farangs. Die Farangs
waren eigentlich ganz nett. Einige von ihnen versuchten, sich
mit ihr zu unterhalten, aber das war schwer, Phuu verstand nur
sehr wenig englisch. Phuu sah, daß sich Don, außerhalb
der Bar, zu einem der Europäer gesetzt hatte. Beide lachten
viel. Phuu sah, wie Don eine Hand auf den Oberschenkel des Mannes
gelegt hatte. Ihre Goldketten glitzerten. Schämt sie sich
nicht, dachte Phuu. Dann stand Don auf. Gib mir bitte
meine Handtasche rüber, sagte sie zu Phuu. Ich
bin bald zurück. Don ergriff die Hand des Fremden
und gemeinsam gingen sie zum Taxistand. Gemeinsam fuhren sie
davon. Phuu servierte weiter. Diese Arbeit war wirklich nicht
schwer. Tatsächlich, es war noch nicht einmal eine Stunde
vergangen, kam Don zurück, allein. Sie lächelte Phuu
zu. Wo warst Du? Phuu wagte kaum zu fragen. Hast
Du mit ihm etwa...? Sie vollendete den Satz nicht. Ja,
Short-Time. Das bringt 600 Baht (etwa € 15,00). Short-Time
ist gut. Das geht schnell vorbei und Du hast Dein Geld.
So etwas tue ich nicht!, sagte Phuu mit Nachdruck.
Doch, so etwas tust Du auch bald, sehr bald. Don
behielt recht. Phuu war etwa eine Woche an der Bar beschäftigt,
als Noi sie ansprach. Du bist bisher mit keinem Mann gegangen.
Das geht so nicht, sieh zu, daß Du Geld verdienst.
Ihr habt versprochen, daß ich nicht mit einem Mann
schlafen muß. Deine Schwester hat es gesagt. Sie
ist nicht meine Schwester. Sie wirbt nur die Mädchen an,
die an der Bar arbeiten sollen. Sie verdient sehr viel Geld
damit. Ich kenne Jai kaum. Sie hat gesagt, sie sei
die Schwester des Barbesitzers und damit natürlich auch
Deine Schwester. Ja, so etwas erzählt sie immer.
Die Mädchen haben dann mehr Vertrauen zu ihr. Phuu
nickte. Du mußt arbeiten, erklärte Noi.
Ich verstehe, daß es anfangs schwer ist. Aber es
hilft nicht, Du mußt mit den Männern gehen, Du hast
viele Schulden. Ich habe Schulden? Ja,
Du hast 5.000 Baht Vorschuß erhalten. Mehr als 3.000 Baht
haben wir für Deine neuen Kleider bezahlt. Auch die Busfahrt
nach Phuket war sehr teuer. Schließlich ißt und
trinkst Du hier und hast auch noch ein schönes Zuhause.
Du hast viele Schulden, bestimmt über 10.000 Baht (etwa
€ 250,00). So viele Schulden hatte Phuu noch nie
gehabt. Wie sollte sie das je zurückzahlen? Du mußt
mit den Männern schlafen und Deine Schulden bezahlen. Wenn
mein Bruder zurückkommt, wird er sehr böse sein, wenn
hier ein Mädchen ist, welches ihre Schulden noch nicht
beglichen hat. Er ist nicht so freundlich wie ich. Phuu
hatte verstanden. Sie mußte mit den Männern schlafen.
Was muß ich tun? Wenn ein Mann mit Dir
gehen will, so gehst Du mit. Der Mann muß an die Bar,
an mich, 200 Baht (etwa € 5,00) bezahlen. Weiteres Geld
gibt er Dir. Für Short-Time, etwa eine Stunde, das
wirst Du am häufigsten machen, nimmst Du 600 Baht (etwa
€ 15,00). Eine ganze Nacht kostet 1.000 Baht (etwa €
25,00). Wohin gehe ich mit dem Mann? Ihr
geht in sein Hotel. Laß Dir dort erst Dein Geld geben.
Dann gehst Du in das Badezimmer und duscht ausgiebig. Du kannst
die Zeit ruhig lange herauszögern, wenn die Stunde nicht
ausreicht, muß er nachbezahlen und Du bekommst mehr Geld.
Nach dem Duschen wickelst Du Dich in ein großes Handtuch
und kehrst in seinen Raum zurück. Meist wartet er dort
bereits sehnsüchtig auf Dich. Du legst Dich zu ihm ins
Bett. Mehr muß ich Dir wohl nicht erklären, Du warst
ja schließlich einmal verheiratet. Wenn der Mann fertig
ist, gehst Du. Wenn Du es richtig anstellst, geht alles ganz
schnell vorbei. Schon nach wenigen Minuten kannst Du oft wieder
gehen. Laß Dir von Don alles ausführlich erklären,
sie weiß es genau, Don arbeitet schon sehr lange hier.
Ja, Don erklärte Phuu alles. Don kannte Tricks, wie man
es anstellt, daß die Männer, wenn man bei Ihnen im
Zimmer ist, doch nicht mit ihnen schlafen muß. Don wußte
auch, wie man erreichte, daß die Männer viel mehr
bezahlen, als ursprünglich abgemacht war. Versuch
immer Short-Time, eine Stunde, mit den Männern zu gehen.
Eine Stunde vergeht schnell und Du bekommst viel Geld.
Nach einigen Tagen war es dann soweit. Phuu
bemerkte, daß ein Fremder sie ausgiebig musterte. Ungeniert
betrachtete er ihren Busen. Phuu war es unbehaglich. Dann sprach
der Fremde mit Noi. Dieser Mann hat Dich gemietet,
sagte Noi. Du hast Glück, gleich zwei Tage will er
Dich. Du bekommst 2.000 Baht (etwa € 50,00). Die 400 Baht
an die Bar hat er schon bezahlt. Geh jetzt mit ihm. Muß
ich?, Phuu schluckte. Natürlich, wir brauchen
alle Geld, Du besonders, denk an Deine Schulden. Phuu
ging mit dem Mann. Der Mann erzählte ihr sehr viel. Phuu
verstand nur wenig. Ihr Englisch war noch zu schlecht. Er kam
aus Schweden, das war das einzige, was sie verstand. Im Hotel
angekommen, machte sie es so, wie Noi und Don es sie gelehrt
hatten. Der Mann schlief mit ihr, mit Kondom.
Don lag auf dem Rücken und blickte anteillos
zur Decke. Sein Schweißgeruch und seine Bierfahne drangen
ihr in die Nase. Sie ekelte sich. Dann endlich drehte er sich
auf die Seite und schlief ein. Lange lag Phuu noch wach und
dachte nach. Sie blickte zu dem schlafenden Mann. Sie empfand
nichts für ihn. Es war allerdings auch nicht so schlimm
gewesen, wie sie befürchtet hatte. Es war, wie Noi und
Don gesagt hatten. Es geht ganz schnell vorbei. Der Mann neben
ihr schnarchte. Er hatte viel Bier getrunken. Ob Jing es auch
schon gemacht hatte? Wahrscheinlich! Wie waren sie beide dumm
gewesen. Jetzt waren sie beide Pujin ha gin - Frauen,
die Essen suchen - Prostituierte. Es würde wohl keinen
Mann auf der Welt mehr geben, der sie jemals heiraten würde.
Phuu schämte sich. Was wäre, wenn ihr Kind je davon
erfuhr? Es wäre schrecklich: Dann, das wußte Phuu
bestimmt, würde sie nicht mehr leben wollen. Erneut blickte
sie zu dem schlafenden Mann. Ob er wohl ahnte, daß sie
es zum ersten Mal gemacht hatte? Wahrscheinlich nicht. Leise,
um ihn nicht zu wecken, stand sie auf. Sie ging ins Badezimmer
und duschte ausgiebig. Dann legte sie sich wieder neben den
Mann. Irgendwann schlief sie schließlich ein. Phuu erwachte
von der Berührung des Mannes. Er griff nach ihrem Körper.
Es war schon Morgen, es war schon lange hell. Der Mann wollte
sie erneut haben. Phuu ließ es geschehen. Was hätte
sie auch machen sollen. Ohne Kondom wollte er es jetzt. Phuu
war dumm, sie tat es. Es war ihr alles egal. Phuu frühstückte
mit dem Mann. Dann gingen sie spazieren. Es war das erste Mal,
daß sie den Ort, an dem sie arbeitete, etwas näher
kennenlernte. Es war schön hier unten am Meer. Phuu hatte
noch nie ein Meer gesehen.
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