Nur gut, daß er Hermann
dabei hatte, der nach diesen Strapazen einigermaßen ernüchtert
schien, er vermißte On ja schon, aber so hatte er wenigstens
einen, der dieselbe Sprache spricht. Wieder beim Wagen, holte
Ham – Ons Bruder – erst einmal eine Kühltasche
aus der Fahrerkabine und bot mit einem breiten Grinsen eine
Flasche Chaang an -also eine für jeden, nicht eine für
alle -, so ließ es sich doch ein wenig lockerer über
die Notwendigkeit eines Handys für Ham plaudern, schließlich
will man ja auch auf'm Feld tagsüber erreichbar sein. Paul
verstand nicht viel von dem, was Ham sagte, doch soviel kam
erstaunlicherweise rüber.
Ein gelungener Ausflug, gegen 15:00 h Ortszeit war man wieder
in Ban Thep, wie es von den Einwohnern unter schlichtem Weglassen
des –Chili:'s neckisch genannt wurde. On war auch wieder
da, saß schwatzend mit Pen auf dem human-port, auf welchem
beide som-thamend die Zeiten zwischen den Mahlzeiten überbrückten.
"Tham gradat set...," meinte On, weiter auf ihren
Kok, also diesen thailändischen Mörser zur Zerkleinerung
der optisch gewöhnungsbedürftigen Nahrungsmittel,
blickend. 'Aah, die Papiere sind also fettich.' Paul war's zufrieden,
einen sorgenvollen Blick zu Hermann werfend, der es teilnahmslos
gerade noch geschafft hatte, sich eine weitere Flasche Chaang
– die vierte ? – zu öffnen. 'Der wird doch
nicht schlapp machen!?', überlegte er, 'sollte vielleicht
nicht so viel trinken...' "Hermann, allens kloar?"
"Aach, mir ist nicht so gut. Die Anstrengung, und die Hitze....",
kaum hatte er's ausgesprochen, öffneten sich die thailändischen
Schleusen des Himmels, alle packten alles, was es zu packen
gab und verlagerten die ganze Szenerie unter den überdachten
Teil des Hauses.
So verliefen die nächsten vier Tage im Hause der Eltern,
von denen Paul annahm, daß sie bereits nicht mehr unter
den Lebenden weilten. Paul war noch mal mit On auf'm Ampö:,
es galt die Bearbeitung der Ledigkeitsbescheinigung, die man
wegen der Fristen neu beschaffen wollte, zu beschleunigen. Nun,
500 THB erwiesen sich als probater Katalysator, der bei einem
thailändischen Gemeindesachbearbeiter ungeheure Energien
freisetzen kann. Hermann ging's bereits am nächsten Tag
wieder besser, war wieder ein wenig aufnahmefähig. War
wohl alles ein wenig viel für's erste. Hatte Paul seinen
Anteil an den Unkosten gegeben – da läppert sich
was zusammen -, beide erkundeten ein wenig die nähere Umgebung,
während On die meiste Zeit mit Pen 'wichtige Familienangelegenheiten'
besprach: "Was macht die Nop noch hier," On zerkaute
herzhaft eine kleine schwarze bebeinte Leckerei, "geht
sie wenigstens arbeiten ? Liegt Euch doch nur auf der Tasche.
Wir werden bald mal sehen, oder, sie soll sich mal ein wenig
um Hermann kümmern, dann haben wir nachher nicht so viel
Arbeit." Die so bereits gedanklich Verkuppelte hatte gerade
die Grundreinigung des ho:ng na:ms abgeschlossen und kümmerte
sich nun um das Geschirr, das ja ständig benötigt
wurde. Außerdem war da noch ein Berg Wäsche zu erledigen.
Inzwischen waren auch Tickets für den Flieger nach Bangkok
besorgt. Man wollte – Paul hatte die Verpflichtungserklärung
für das Heiratsvisum bereits mitgebracht – zunächst
nach Bangkok zum Zentralregisteramt und zur Deutschen Botschaft,
um den ganzen Papierkram zu erledigen. Darin, daß Paul
ein paar Tage allein nach Pattaya fahren wollte, sah' On keinen
Sinn, also war geplant, daß sie zu dritt hinfahren. Hermann
bestand allerdings darauf, die Brücke am Kwai kennen zu
lernen. 'Wenn ich schon mal in der Nähe bin...'.
Die Party am Vorabend der Abreise war noch ein voller Erfolg,
zumal Ham ausgiebig sein neues Handy testen konnte. Hermann
schaffte es, bis zur 10. Flasche mit zu zählen, wobei seine
Versuche, Nop abzuwehren, immer schwächer wurden. Daß
er ihr beim Aufwachen am nächsten Tag – die Morgenandacht
des Mönches hatte er gar nicht wahrgenommen – direkt
ins Gesicht sah, irritierte ihn, führte er allerdings auf
mangelnde andere Schlafgelegenheit für Nop zurück.
Trotz seines 'Black Outs' fühlte er sich erstaunlich frisch
und energiegeladen...
On verabschiedete sich von Pen: "Red' der Nop noch gut
zu, daß sie am Ball bleibt, sonst kann sie sehen, wo sie
unterkommt. Sie soll auch noch gründlich saubermachen hier.
Und sag' den Eltern, daß sie nochmal zur Tante fahren
müssen – ich rufe aber vorher noch an, werden wahrscheinlich
noch ein, zwei Tage vorbeikommen, bevor wir zurückfliegen.",
gab ihr noch ein wenig Geld für die Kinder, Paul hatte
vorher noch gehait ( von: hai ngoen (Baht), 'geben Geld', vulgärsprachlich
auch: 'Kohle abdrücken' ), nachdem er seine EC-Karte an
der Bank in Nong Bua Lamphu getestet hatte.
Ham fuhr sie zum Flugplatz nach Udon, fröhlich in sein
neues Handy schwatzend, nebenbei On fragend, ob er Paul die
Kto.-Nr. der Telefongesellschaft bereits jetzt geben solle,
nachdem er die 'Unkostenpauschale' für den Taxi-Dienst
verklärt lächelnd eingestrichen hatte...
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