Da saßen sie nun im
Flieger gen Thailand. Hektisch war die Zeit noch bis zum Abflugtag
– die Tickets für Hermann und Paul war erst für
eine ganz andere Linie ausgestellt, und was sollten sie auch
in Anchorage. On war zwischenzeitlich für eine Woche verschwunden
– ein kranke Freundin in Berlin pflegen -, Hermann war
sich auf einmal nicht mehr sicher, ob er auch mitfliegen wollte
– kurz: alles war gut geworden, hatte sich geklärt,
und man schwebte gemeinsam mit einer Reihe von Geschäftsleuten,
Hobbyalkoholikern, mit prallen Portemonnaies ausgestatteten
nach Hermanns Geschmack, etwas zu stark geschminkten Schönheiten,
einigen verhärmt aussehen Thaifrauen, bei denen die 'Beschaffung
eines Farang-Phua' wohl in die Hose, in die thailändische,
gegangen war, und ein paar recht normal aussehenden Reisenden
auf den Don-Muang in Bangkok ein. "Don Muang ?", meinte
Hermann, "ist das spanisch ?" "Nööö,
der heißt man sou," meinte Paul, selbstsicher lächelnd
über soviel Unwissenheit, und sah' sich die Bilder in einem
englischen Prospekt an. On wurde immer schweigsamer, je näher
sie Bangkok kamen. 'Hoffentlich treffe ich keine Bekannte...',
dachte sie so mehr als einmal.
Während sich Paul souverän mit den etwas beengten
Verhältnissen im Flieger auseinander setzte, hatte Hermann
so seine Probleme, gerade beim Essen war er ein wenig mehr Bewegungsfreiheit
gewohnt: Die Ketchupflecken bekam er mit dem kalten Wasser auf
jeden Fall nicht so schnell raus.
Mit dem Nichtrauchen hatten sie übrigens alle drei keine
Schwierigkeiten. Hermann ist seit je her Nichtraucher, On kann
schon mal für ein paar Stunden auf die Lulle verzichten.
Eigentlich hatte sie ja früher nur während der 'Arbeit'
geraucht, ab und an mal eine in Gesellschaft, nach Feierabend.
Tja, und Paul hatte sich das Rauchen dann doch nach seinem ersten
Flug 1998 abgewöhnt, nachdem er sich im Flieger eine Zigarette
anzündete und verzweifelt versucht hatte, daß 'Bullauge'
zum Lüften zu öffnen. Lediglich der Intervention einiger
ostfriesischen Mitflieger war es zu verdanken, daß das
'Sicherheitspersonal' ihn nicht einfach vor die Tür setzte.
Na, und um die Blutzirkulation anzuregen, lustwandelte man zwischendurch
zwischen den Sitzreihen, wobei es lediglich ein paar kleinere
Zwischenfälle gab, wenn Hermann oder Paul die ein oder
andere halb gefüllte Bierdose eines Teilnehmers der pattayanischen
Kulturgruppe umstieß.
In Bangkok angekommen, war Hermann nicht nur von der Treibhausatmosphäre
irritiert, auch das Gewühl und die Größe des
Flugplatzes ließen ihn den staunenden Mund nicht schließen.
"Einfach mir noach." Paul war in seinem Element, nun
konnte er sich beweisen, konnte es weitergeben, das, was er
auf seinen Reisen nach Thailand bisher gelernt hatte.
Treppauf, treppab, das zog sich ganz schön, bis man überhaupt
an der Paßkontrolle war. "Aahh, Thailand, das Land
des Lächelns," dieses Feeling, dieses unbekannte,
entlockte es Hermann. Der Paßbeamte schien allerdings
von diesem Lächeln nichts gehört zu haben, er sah
Hermann mit finsterer Miene an, als hätte dieser kiloweise
Drogen am Mann. Doch auch das ging vorüber, und man näherte
sich diesem marktähnlichen Raum, an dem auf Laufbändern
– wie von Geisterhand – das Gepäck durchgeschoben
wurde.
On hatte zwei Gepäckwagen besorgt – sie sind schon
ein eingespieltes Team, und so sahen die beiden Männer
gebannt auf das Laufband, jeder bückte sich ab und an und
schob ein weiteres Gepäckstück auf einen der Wagen.
On hatte sich im Vollbesitz ihres Eigentums – sie hatte
einen vollen und einen leeren Koffer mit – bereits etwas
nach hinten verzogen, um die beiden Strategen agieren zu lassen.
Nach 20 Minuten zogen sie ab, wobei Hermann nach einem kurzen
Blick auf den Gepäckwagen zu Paul gewandt meinte: "Schöne
Koffer, wo sind denn deine ?"
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