„Ich werde nichts
erzählen“, antwortete ich ihr. Irgendwie fühlte
ich mich unwohl. „Du hältst mich für schlecht,
nicht wahr?“ „Nein!“
„Doch! Du kannst nicht verstehen, warum ich das hier mache.
Es macht mir keine Freude, ich muss es tun.“ „Du
musst es tun???“ „Ja, was verstehst du schon davon.
Mein Leben war bisher eine einzige Qual. Ja, ich muss es tun!“
„Du bist hier, um Geld zu verdienen. Das verstehe ich
recht gut.“ „Nichts verstehst du! Ich möchte
es dir erzählen. Du sollst mein Leben kennen. Vielleicht
wirst du mich verstehen. Vielleicht wirst du in unserem Dorf
nicht erzählen, dass du mich hier getroffen hast. Wenn
du es in unserem Dorf erzählst, werde ich mich umbringen!
Ganz bestimmt!“ „Erzähl mir.“ Erneut
nahm sie einen großen Schluck von ihrem Wasser, ich bestellte
mir ein neues Bier. Dann begann sie:
„Ich bin in einem kleinen Dorf im Issaan, du kennst es
ja, aufgewachsen. Meine Eltern sind sehr arm. Wir haben kein
eigenes Feld, mein Vater ist Tagelöhner. Für 100 Baht
am Tag arbeitet er für andere Leute. Aber er hat oft keine
Arbeit und dann müssen wir alle hungern. Wir waren sieben
Kinder, drei Mädchen und vier Jungen. Ich war das zweitälteste
Kind. Ein Bruder ist älter als ich. Niemand mochte mich.
Meine Eltern liebten mich nicht. Ich hatte stets zu arbeiten.
Ich wäre gern zur Schule gegangen, doch sie erlaubten es
nicht. Ich hatte stets zu arbeiten - schwere Arbeit. Ich bekam
nur wenig zu essen und sehr viel Schläge.
Eines Tages, ich war etwa 7 Jahre alt, kam der Dorflehrer in
unsere Hütte und fragte, warum ich nicht zur Schule komme.
Darauf wußte ich keine rechte Antwort und sagte, ich ginge
sehr gern zur Schule, wenn ich dürfte. Als der Lehrer gegangen
war, schlug mich mein Vater unbarmherzig. Ich schlug mit dem
Kopf gegen einen Pfosten unserer Hütte und verlor das Bewußtsein.
Ich kann mich nicht daran erinnern, aber ich bin wohl sehr krank
gewesen. Meine jüngere Schwester sagte mir, dass ich aus
dem Ohr geblutet hätte und dass alle glaubten, ich würde
sterben. Aber ich starb nicht, ich wurde wieder gesund. Ich
musste weiterhin arbeiten und wurde weiterhin geschlagen. Zur
Schule durfte ich nicht gehen. Ich konnte nicht lesen, nicht
schreiben oder gar rechnen.
Dann starb meine jüngere Schwester. Sie war schon lange
krank gewesen. Ich kümmerte mich oft um sie. Eines Tages
bat sie mich, ihr ein Eis zu kaufen. Ich hatte kein Geld und
sagte es ihr. Sie nickte traurig, sagte aber nichts. Am Abend
war sie tot. Ich machte mir schreckliche Vorwürfe, dass
ich nicht Geld gestohlen hatte und ihr ein Eis gekauft hatte.
Auch heute noch, wenn ich ein Eis esse, muss ich daran denken.
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