Einfluss eines Wat
Dorfklöster sind nicht nur religiöse
Zentren, sondern auch kostenlose Herberge für die Alten,
Waisen und Reisenden. Zudem stellen sie noch immer eine Alternative
zum öffentlichen Schulsystem dar. Viele Bauernsöhne
bleiben Mönch, um nach der 4 - 6 jährigen Grundschulzeit
eine weiterführende Bildung zu erhalten. Auch wissen die
Klöster am besten, welche sozialen Probleme in der landwirtschaftlichen
Entwicklung auftauchen können. Die Klöster haben heute
noch großen Einfluss auf das Dorfleben, sei es, schlechten
Dorfklatsch aus der Welt zu räumen, oder nur Dorfangelegenheiten
mitzuregeln.
Die Ordination
Gemäß der Tradition soll jeder männliche
Thai etwa mit Vollendung des zwanzigsten Lebensjahres, möglichst
vor einer heirat, für einige Zeit in den Mönchsorden
eintreten. Im Volksglauben gewinnt man großen Verdienst,
wenn man für einige Zeit Novize oder Mönch wird. Aber
auch all diejenigen, die die Kosten der Ordination bestreiten
oder unterstützen, erlangen großen Verdienst.
Derjenige, der nicht Mönch geworden ist,
gilt insbesondere in den kleineren Dörfern immer noch als
unreif. Sein Ansehen ist nicht groß, da man ihn für
unvollkommen hält. Durch Einführung eines „westlichen“
Schulsystems und einer modernen Arbeitswelt ist die Dauer für
einen Aufenthalt im Kloster nicht mehr festgelegt, und kann
einige Wochen, Monate oder ein ganzes Leben betragen. In den
Großstädten soll schon jeder dritte Mann den Brauch
nicht mehr folgen. Auch das Mindestalter von 20 Jahren hat keinen
Bestand mehr. In vielen Klöstern sieht man zehn- bis zwölfjährige
Jungen, die zunächst die schulische Ausbildung im Buddhismus
im Wat beginnen, und im Alter von 15 Jahren als Novizen aufgenommen
werden.
Die Ordination eines Mönches wird von
einem sogenannten Mönchrat, den ältesten Mönchen
eines wat, vorgenommen. Der Zeitraum der Ordination ist meistens
zwischen den Monaten Juli und Oktober. Dies ist auch die zeit,
wo sich die Mönche zu religiösen Schulungen zurückziehen.
Für die Ordination muss eine bestimmte Zeremonie abgehalten
werden, die vorher eingeübt wird und wie folgt abläuft:
Der junge Mann bereitet eine Schale vor, auf
der Räucherstäbchen, Wachskerzen und Blumen liegen.
Diese übergibt er seinen Eltern oder älteren Verwandten.
Dabei kniet er sich vor ihnen hin und verbeugt sich in der Haltung
der Verehrung mit gefalteten Händen vor ihnen. Dadurch
erweist er ihnen Respekt und unterrichtet sie von seiner Bereitschaft,
in die Ordination zu gehen. Anschließend erfolgt ein zeremonieller
Abschiedsgruß mit folgendem Inhalt: „Ich bitte darum,
das alle Taten, die ich in Gedanken, Handlungen oder Worten
gegen sie gewendet habe, gnädig zu vergeben“. Nachfolgend
verabschieden sich die Eltern oder Ältere und der junge
Mann verbeugt sich nochmals mit gefalteten Händen bis zum
Boden.
Einen Tag vor dem Eintritt ins Kloster findet
große Aufregung statt. Nachbarn und Verwandte bringen
Geschenke und Spenden, meistens Geld, vorbei, um zu unterstützen
und Verdienste zu erwerben. Die Vorbereitungen dauern meistens
bis spät in die Nacht. In den ländlichen Dorfgemeinschaften
ist die Hilfe untereinander immer noch vorbildlich, auch wenn
zwischenzeitlich Unstimmigkeiten vorkamen.
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