Das seltsame
Volk der Mrabi
Die kleinste bekannte Volksgruppe, die in Thailand
existiert, ist das seltsame Volk der Mrabi. Es handelt sich
um Waldmenschen, die an der laotischen Grenze „wie Geister
umherziehen“. Erst im Jahre 1912 sind sie zufällig
entdeckt worden. Nach einer Schätzung soll die Population
nicht größer als 150 sein. Sie lebten in den Provinzen
Nan und Phrae sowie im laotischen Grenzland. Aufgrund der zahlreichen
Waldrodungen leben sie derzeit in der Umgebung von Rong Kwang,
einem Ort. Der etwa 30 Kilometer nördlich von Phrae liegt.
Diese Urwaldnomaden waren vor ihrer Entdeckung Bestandteil jahrhundertalter
sagen, und sie wurden von den Thais ehrfürchtig als „Phi
Tong Luang“, die „Geister der gelben Blätter“,
bezeichnet.
Immer wieder fanden Einwohner der umliegenden Orte, die den
fast undurchdringlichen Regenwald durchstreiften, Holzfäller
die ertragreichen Baumstämme suchten oder Bergbewohner
bei der Jagd, primitive verlassene Behausungen aus verwelkten
(daher gelben) Bananenblättern. Niemand konnte sich erklären,
woher diese einfachen Unterkünfte stammten und wer sie
anfertigte. Da jede Erklärung fehlte, munkelte man bald
von unbekannten Waldgeistern, die schließlich die Bezeichnung
„Phi Tong Luang“, „die Geister der gelben
Blätter“, erhielten.
Diese patriarchalisch organisierten Jäger und Sammler
sind in kleinen Familienclans geordnet und geben Rätsel
hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zu einer größeren
Volksgruppe auf. So wird lediglich vermutet, dass sie der sogenannten
austro-asiatischen Menschnerasse angehören und vielleicht
mit den Mon oder Khmer verwandt sind. Ihre Kleidung bestand
ursprünglich nur aus einem Durchziehschurz, ähnlich
wie es von den südamerikanischen Indianern bekannt ist.
Da sie lange isoliert lebten und jeden Kontakt außerhalb
ihrer Gemeinschaft vermieden, sind ihre alten Bräuche und
Verhaltensweisen noch charakteristisch.
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