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Kapitel II
Gastfreundschaft, Brautwerbung, Probleme

Irgendwann am fruehen Morgen kam ich langsam zu mir. Und da war Sie wieder, und Sie laechelte. Und ich grinste zurueck. Dabei musste sie so laut lachen, dass mein Freund herauskam. (Spaeter sagte sie mir, das Grinsen haette so doof ausgesehen, da musste sie einfach lachen). Sein Blick sprach Baende. Er sagte irgendetwas, und das klang nicht nett und sie verschwand. Nach ein paar Tagen klang das Zooverhalten der Dorfbewohner langsam ab, aber ich verbrachte jeden Tag in einer anderen Familie. Ich wurde so zu sagen herumgereicht. Und dann endlich kam ich auch in ihre Familie.

Ihr Vater war sehr streng und hatte seine 12 Kinder voll im Griff. Sie war die zweitaelteste und war extra fuer mich abgestellt, das es mir an nichts fehle. Man muss wissen, im Isan ist das Gastrecht heilig. Und selbst wenn man kaum was hat, es wird aufgetischt was nur moeglich ist. Und wehe man isst nichts, das ist Beleidigung hoch 3. Sompan, mein Freund, merkte langsam, dass sich da etwas anbahnte, was wohl nicht zu verhindern war.

Dann kam die Uebernachtung. Irgendwann in der Nacht hoerte ich den Vorhang und ich konnte im Dunkeln erkennen, dass ihr Vater den Raum mit Blicken durchsuchte. Anscheinend war er mit dem Ergebnis zufrieden, denn er lachte leise. Am naechsten Morgen erfuhr ich, dass er vermutete, ich haette das Gastrecht verletzt, ihr wisst was ich meine ! Er war aber sehr zufrieden und bat Sompan mich ueber mich auszufragen. Ich gab wahrheitsgemaess alles korrekt an. Dann erfuhr ich, dass seine Tochter TONGBAI ihm gesagt habe, dass sie die "Langnase" mag. Gemeint war ich. Aber er sagte, das sowas unmoeglich sei, denn ich sei ein Christ und komme aus dem kalten Europa. Er habe gehoert, dass dort alle Menschen kalt, egoistisch und unglaeubig seien.

Da meine freien Tage zu Ende waren und wir wieder nach BKK mussten, fuehrte ich auf dem Rueckweg sehr lange Gespraeche mit Sompan. Ich offenbarte ihm meine Gefuehle fuer Tongbai und versicherte ihm, dass ich mehr wollte, als nur das typische Abenteuer, wie ich es aus Bangkok kannte. Er glaubte mir und gab mir in den folgenden Tagen Unterricht in thailändischer Lebensweise. Ich sammelte fleissig freie Tage und fuhr drei Wochen spaeter alleine nach Kambia. Ich glaube der Taxifahrer denkt heute noch an mich. Das war die Fahrt seines Lebens (kostenmaessig gesehen) und er musste den Rest des Monats nicht mehr fahren. Ich stuerzte mich also in das Abenteuer. Ich kein Thai, dort niemand Englisch...

Ich war da, alles freute sich und das war's. Grosse Verstaenigungsprobleme. Da kam jemand auf die Idee: Unser Abt spricht doch Englisch !! Also wurde er geholt und ich lernte einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben kennen. Der Abt war 73 und hatte in Oxford studiert, da seine Eltern reich waren. Dann wurde er Moench und widmete sein Leben dem Glauben. Wir verstanden uns praechtig und ich lernte viel ueber Buddha kennen. Er war ein toller Mann und ich als ehemaliger Christ (ichwar mit 15 aus der Kirche ausgetreten) war ploetzlich fasziniert von der buddhistischen Lehre. Ich lernte und begriff, anscheinend war Hochwuerden VICHIAN auch sehr zufrieden mit mir und ich trat zum Buddhismus ueber, weil ich einfach ueberzeugt war. Hochwuerden Vichian sprach anschliessend sehr lange mit Tongbais Vater. Und es wirkte.

Ich wurde in der Familie aufgenommen. Das hatte natuerlich eine riesige Party zur Folge, von der man noch Monate spaeter auf den Doerfern erzaehlte. Und mein zukuenftiger Schwiegervater wuchs im Ansehen der Dorfgemeinschaft. Das war auch sehr wichtig fuer ihn, da seine Familie zu den aermeren Bauern gehoerte und ihn nun wichtig im Dorf machte. Wir durften dann endlich das erstemal alleine spazieren gehen. Doch so alleine waren wir natuerlich nicht. Man hoerte es aus allen Ecken kichern und fluestern. Also volle Beobachtung und deshalb absolutes anstaendiges Benehmen, denn ich wollte ja nicht mein Gesicht verlieren und meiner zukuenftigen Familie Schande machen... Man sprach dann die Hochzeit durch. Ja, so schnell ging es. Aber wer frisch verliebt ist, der versteht das.

Ich entschloss mich, tradtionell, also im Isan-Stil zu heiraten. Nachdem der Termin von Hochwuerden bekannt gegeben wurde, verwandelte sich das Dorf und drei Nachbardoerfer in Bienenschwaerme. Tongbai, genannt Tenny, und ich waren nur noch Statisten. Ich wurde x-Mal vermessen, wegen der Kleidung, und ansonsten wurde ich mit Bier ruhig gestellt. D.h. ich war im Dauer-Delirium. Ich erkundigte mich vorsichtig nach den Kosten, doch ich wurde beruhigt. Das sei der Part der Familie der Braut. Ich sollte nur den Brautpreis bezahlen ! Ups !! Hochwuerden half mir aber aus der Klemme. Als Farang sei die Summe von umgerechnet 2000.-DM und ein bischen Gold (nochmal 2000.-DM) durchaus eine gute Verhandlungsvoraussetzung. Nochmal UPS ! Naja, ich wurde mit meinem Schwiegervater handlungseinig und nach der wirklich phantastischen Zeremonie war ich verheiratet. Und das Dorf und alle Freunde und Bekannte der Familie feierten 7 Tage lang. Ich hatte meine freien Tage bereits ueberzogen und musste dringend nach Bangkok, um meinen Job zu machen. Kurze Rede, langer Sinn, es dauerte 10 Monate bis alle Papiere zusammen und alle Beamte geschmiert (Ist in Thailand nicht verwerflich) und meine Tenny endlich in Deutschland war. Mittlerweile sind wir 22 Jahre verheiratet und haben einen 17 jaehrigen Sohn. Die ersten 10 Jahre waren verdammt hart fuer uns Beide.