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Kapitel III -
Die Rückkehr, Hochzeit, fremde
Welt
Ich verliess am 29.03.79
Bangkok, da meine Dienstzeit zu Ende war. Leider alleine. Da jeder
BGS-Beamte der fuer die Lufthansa taetig war, ein Freiticket "around
the World" erhielt, kann man sich wohl vorstellen, wohin
der Flug wohl ging. Aehnlich wie bei Bruno, war ich also innerhalb
von 14 Tagen wieder in Thailand. Vorher musste ich aber meinen
Eltern beichten, dass sie wohl eine auslaendische Schwiegertochter
bekommen. Damals noch sehr suspekt, sagten meine Eltern nur: "Gott
sei Dank, endlich mal ein Gorgs, der aus der Art schlaegt".
Und als sie die Photos von "Ihr" und unserer thailaendischen
Hochzeitszeremonie sahen, konnten sie es kaum erwarten.
Also, ich kam in Bangkok
an und keiner war da. Was war los ?? Ich wartete bis zur Abendmaschine
nach Udon und versuchte in der Zwischenzeit irgendwie Kontakt
zu ihr nach Hause zu bekommen. Fehlanzeige ! Da dort ja keiner
Telefon hatte, ausser dem Buergermeister, war es sehr schwer,
auf diese Amtsleitung zuzugreifen. Doch ein netter Polizist vom
Airport hatte Mitleid mit dem Farang und meldete ein Dienstgespraech
nach Kambia an. Und es klappte ! Fazit: Mein Telegramm war zwar
angekommen, aber keiner konnte es lesen, da der Abt leider nicht
im Dorf weilte und es uebersetzen konnte. Man gab mir zu verstehen,
dass ich mit dem Bus nach Kambia kommen sollte. Toll, ich als
einziger Farang in einem Bus voll von schnatternden Thais und
kein Wort Englisch oder Thailändisch, und das fuer zehn Stunden
Fahrt. Abenteuer pur !! Doch bei meiner Ankunft am naechsten Tag
in Kambia hatte ich 50 neue Freunde, war satt und mit Mehkong
abgefuellt, dass ich lallenderweise aus dem Bus fiel. Was fuer
ein toller Einstand bei meinen Schwiegereltern und meiner Frau.
Die naechsten Wochen
verbrachten wir damit, einen Reisepass und die erforderlichen
Heiratspapiere zusammen zu bekommen. Leute, wenn ihr denkt, bei
uns gaebe es zuviel Buerokratie, dann kennt ihr Thailand in den
70igern nicht. Ich lernte Seiten an mir kennen, die mir vorher
garnicht bewusst waren. Ich war abwechselnd Zocker, Marktschreier,
niederster Bittsteller und Mafioso. Ich hatte noch nie so viele
Geldscheine in Antragsformularen versteckt, wie in dieser Zeit.
Trotzdem hatten wir in sechs Wochen nicht mal die Haelfte der
Papiere zusammen.
Leider musste ich wieder
nach Deutschland zurueck, um meinen neuen Job bei der Frankfurter
Flughafen AG, heute Fraport, anzutreten. Es folgte ein reger Briefwechsel,
in Verbindung mit ner Menge Geldueberweisungen, bis es endlich
soweit war: 29.November 1979, Ankunft meiner Tenny in FRA. Temperatursturz
fuer sie innerhalb von 13 Stunden: 30 Grad ! Ich hatte wohlweislich
warme Klamotten mitgenommen, aber sie schnatterte trotzdem vor
Kaelte. Einreise waere beinahe schief gegangen, doch Dank meiner
Verbindungen zum BGS, klappte es trotzdem. Die Autofahrt von FRA
nach Giessen wurde 5 x unterbrochen, da sie ploetzlich das Autofahren
nicht vertrug. Reiermann und Soehne....dann endlich zu Hause,
sie fiel ins Bett und schlief erstmal 8 Stunden durch.
Naechster Nachmittag,
Wohnungsbesichtigung. Alles war neu, die vielen elektrischen Geraete,
das Wasser aus der Leitung, Klossettspuelung und ueberall Licht.
Leute, lacht nicht, aber fuer sie so, als ob unsereins ploetzlich
im Jahre 2030 waere. Sie musste alles anfassen und ausprobieren.
Ich hatte mir extra 14 Tage Urlaub genommen, um die erste Zeit
ueber die ersten Huerden zu helfen. Wir hatten in den letzten
Monaten eine eigene Lautsprache in Deutsch / Thai-Kauderwelsch
entwickelt, denn vergesst nicht, sie sprach kein Wort Englisch,
nur Thailändisch.
Problem 1: Das Essen.
Damals gab es keinerlei Asienshops in unserer Gegend. Fazit: Das
erste Halbjahr ass sie zum Fruestueck nur Toast mit Ananasmarmelade.
Mittag- und Abendessen bestand aus Reis mit Eis und Schinken.
Problem 2: Das Klima.
Grauer November mit Naesse und Dunkelheit. Sie wurde total depressiv.
Heulte staendig und schloss sich im Schlafzimmer ein, um Thai-Cassetten
zu hoeren. Nach den ersten zwei Tagen, kam die Begenung mit meinen
Eltern. Sie war total aufgeregt. Wir kamen zu meinen Eltern und
sie fiel auf die Knie, um meiner Mutter und meinem Vater die Haende
zu kuessen. Das war Schock fuer meine Eltern, sie wussten nicht
, wie sie sich verhalten sollten. Dann das gute deutsche Essen,
dass meine Mutter gekocht hatte: Einerseits wollte Tenny meine
Eltern nicht beleidigen, andererseits drehte sich ihr der Magen
um, da sie das alles nicht kannte. Unser Kompromiss war, sie ass
die gekochten Kartoffeln mit Maggi.
Meine Mutter nahm sich
dann ihrer an, und obwohl totale Verstaendigungsprobleme, kamen
die zwei prima aus. Das hiess, die zwei gingen in den naechsten
Tagen erstmal kraeftig einkaufen. Klamotten, Kosmetik und was
eine Frau halt so braucht ... Typisch Frau halt. Dann kam der
erste Tag mit Schnee.
Sie zog den Rolladen
hoch, stiess einen Schrei aus (es hatte die ganze Nacht geschneit),
rannte barfuss auf den Balkon und war mit einem Riesensatz wieder
im Schlafzimmer. So lernte sie Schnee kennen und liebt ihn heute
noch.
Andere Geschichte: Sie
wollte mich ueberraschen und wollte kochen. Das endete mit einem
Telefonanruf an meine Mutter, wo sie nur heulte. Da meine Eltern
um die Ecke wohnten, rannte meine Mutter zu ihr und musste sich
das Lachen verkneifen. Tenny hatte alle Heizplatten angemacht
und bekam sie nicht mehr aus. Am 29.02.80 heirateten wir standesamtlich.
Beinahe waere der Termin geplatzt, da kein Dolmetscher aufzutreiben
war. Die thailändische Botschaft in Bonn half uns aus und
schickte einen Dolmetscher - kostenlos. Hochzeit gerettet!
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