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"Der Thakarp"

Diese Geschichte stammt von

Mang-gon Jai

(ISBN 3-8311-3084-1)

Liebevoll beschreibt der Autor in seinen Geschichten das Leben der Frauen, die von den europäischen Touristen allgemein als 'Bargirls' abgetan werden. In einfühlsamen Kurzgeschichten bereitet er die Lebensgeschichten dieser Frauen auf, die - wie sie selbst wissen - auf der sozialen Leiter ganz unten stehen. Nach der Lektüre dieser/s Geschichte / Buches werden viele Touristen ihre Urlaubsbekannschaft mit ganz anderen Augen sehen.

Thakarp

Rak khun, rak khun, rak khun, rak khun. Der Deckenventilator erzeugte ein eigentümliches Geräusch. Er eierte. Alles mögliche konnte man aus dem Geräusch des Ventilators heraushören. Rak khun, rak khun, rak khun. Er spricht: "rak khun - ich liebe Dich", hatte seine Freundin ihm vor zwei Wochen lachend erklärt. Seitdem hörte Heinz es auch: Rak khun, rak khun. Heinz lag auf den Fußbodendielen. Unter sich hatte er lediglich eine dünne Binsenmatte. Die Dielen des Fußbodens waren nicht dicht gefugt. Heinz lag auf dem Bauch. Durch die Ritzen konnte er nach unten sehen. Oft hatte er in den letzten Wochen so gelegen und nach unten geschaut, unter seine Hütte. Die Hütte stand auf Pfählen. Unter der Hütte befand sich dadurch ein Freiraum mit einer Höhe von etwa einem Meter. In diesem Freiraum gab es einiges zu beobachten, was Heinz interessierte.

Nein, das waren keine großen Dinge, eher Kleinigkeiten, Begebenheiten aus dem Leben der Kleintiere: Große Käfer turnten auf kleinen Zweigen. Eine Gottesanbeterin fing ein Insekt, welches größer als sie selbst war. Einmal hatte Heinz sogar beobachtet, wie eine Schlange eine Maus erlegte. Heinz war schon immer von Schlangen fasziniert. Er lag gerne auf dem Bauch auf seiner Binsenmatte. Er hatte allerdings auch kaum eine andere Möglichkeit. Die Binsenmatte war, abgesehen vom Deckenventilator, der einzige Einrichtungsgegenstand in der Hütte. Seine wenigen Kleidungsstücke lagen auf dem Boden, in einer Ecke der Hütte. Daneben sein Rucksack. Mehr besaß er nicht. Geld hatte er nicht. Die erwartete Zahlung von zu Hause war ausgeblieben. Er spürte die Bewegung neben sich. Seine kleine thailändische Freundin, sie hieß Pön, war wach geworden. Sie schmiegte sich an ihn und küßte ihn in den Nacken. Heinz empfand ihren Körper als angenehm kühl. Hieraus schloß er, daß er immer noch Fieber hatte. Hörte diese Krankheit denn nie auf? Immerhin, er fühlte sich täglich etwas besser. Ihm grauste, wenn er an die ersten Tage seiner Krankheit dachte.

In Krämpfen hatte er sich gewunden, vor Schmerzen geschrieen. Das war jetzt wohl zwei Wochen her. Immer noch hatte er diese Schmerzen, doch sie waren erträglicher geworden. Lediglich die rechte Hand tat noch beträchtlich weh. Sie war auch immer noch geschwollen und rot verfärbt.Heinz drehte sich auf den Rücken. Pön legte ihren Kopf auf seine Brust und schlang ihre Arme um ihn. Sie war ein hübsches Mädchen. Er schätzte ihr Alter auf etwa 25 Jahre. Sie hatte lange, bis zum Po reichende, schwarze Haare. Sie war klein, etwa 155 cm groß, hatte ein rundes Gesicht mit braunen Mandelaugen. Sie war immer guter Laune. Immer war sie am lächeln oder lachte. Sie war stets vergnügt. Rak khun, rak khun, rak khun. Heinz beobachtete den Deckenventilator. Seit zwei Wochen lag er schon in dieser schäbigen Hütte. Die stickige Luft und die Hitze waren oft unerträglich gewesen. Er war gestrandet in Thailand. Dabei hatte alles so schön angefangen:

Als Tourist war er nach Phuket geflogen. Lange wollte er in Thailand bleiben. Viel länger als die üblichen Touristen. Heinz wollte Land und Leute kennen lernen. In einfachen Rasthäusern würde er schlafen. Den Kontakt mit den Einheimischen wollte er suchen. Er hatte alles recht gut geplant. Er hatte ausreichend Geld. Trotzdem trug er nie viel Bares mit sich herum. Jeden Monat ließ er sich aus Deutschland einen Betrag auf sein Konto bei der Bangkok-Bank überweisen. Diese Bank verfügt über Filialen im ganzen Land. Überall konnte er Geld abheben, immer nur soviel, wie er gerade benötigte.

Die erste Zeit lebte Heinz in Patong, auf der Insel Phuket. Der Ort Patong bot alles, was sich Touristen nur wünschen können. Hotels aller Preisklassen. Geschäfte und Verkaufsstände, die bis spät in die Nacht geöffnet haben. Es gab große gepflegte Restaurants und Garküchen auf den Straßen sowie auf dem Essensmarkt. Es gab Veranstaltungen im Thai-Tanz und im Muai thai, dem Thaiboxen. Es gab Diskotheken, Nachtklubs mit Gogo-Girls und Bierbars mit vielen hübschen Bargirls. Die Aufgabe dieser Bargirls besteht darin, dem Gast Getränke zu servieren und ihn zu unterhalten. Diese Mädchen scheinen immer guter Laune zu sein. Stets lachen sie. Sie spielen mit den Gästen Karten, sie würfeln und sie haben etliche Geschicklichkeitsspiele, die sie meist meisterhaft beherrschen. Die Mädchen flirten mit den Gästen und solch ein Mädchen geht auch mit dem Gast in sein Hotel, wenn er sie darum bittet. In diesem Fall zahlt der Gast eine Ablösesumme in Höhe von 200 Baht (etwa € 5,00) an den Barbesitzer. Den Preis für das Mädchen handelt er in der Regel mit ihr selbst aus.

Unzählige dieser Bierbars reihen sich in Patong aneinander. Tausende von willigen Bargirls arbeiten dort. Heinz saß oft und gern an diesen Bierbars. Es machte ihm Spaß, die Nacht hindurch mit den Glutäugigen zu würfeln. Dabei ging es um nichts. Es gab keinen Einsatz, es war nur zum Spaß. Hin und wieder nahm er sich eins der Mädchen mit in sein Zimmer. 600 bis 800 Baht (etwa € 15,00 - € 20,00) mußte er dann dafür bezahlen. Die Mädchen waren lieb. Es gab keinen Streit mit ihnen und morgens fragten sie oft: "Darf ich heute Abend wieder bei Dir sein?" "Mal sehen, ich weiß noch nicht." Das Leben an den Bierbars, das Leben in den Luxushotels langweilte Heinz jedoch auf die Dauer. Er zog um, in den kleineren Ort Karon. Hier, in Karon, mietete er sich ein kleines Haus. Das war auf die Dauer billiger als ein Hotel. Es zog ihn auch nicht mehr so sehr in die Bierbars. Er hielt sich jetzt lieber in einer kleinen Karaoke-Bar in der Nähe seines Hauses auf. Hier war es auch preiswerter als in den Bierbars.

Im Haus von Heinz sah es allerdings wüst aus. Er schaffte es einfach nicht, Ordnung zu halten. Auch die Vorsätze, sich selbst Essen zu kochen, blieben auf der Strecke. Er ging regelmäßig essen. So gesehen war das eigene Haus nun doch nicht ganz so billig. An einem Abend saß er wieder in der Karaoke-Bar. Eines der Mädchen gefiel ihm. Er fragte sie, ob sie mit ihm nach Hause gehe. Sie willigte ein und sie einigten sich über den Preis. Sie war ein liebes Mädchen, zärtlich und anschmiegsam.

Am Morgen fragte er sie: "Bleibst Du auch heute noch bei mir?" "Gerne, wenn Du willst, auch länger, viele Tage." Heinz überlegte "Kannst Du kochen?" "Sehr gut sogar." "Wie wär´s, wenn Du bei mir wohnst und arbeitest. Du hältst meine Wohnung rein, kochst Essen und wäscht meine Wäsche. Ich bezahle Dir ein Gehalt." "Wieviel?" Heinz überlegte. Die Kosten für das ewige Essengehen entfielen. Die Wäscherei benötigte er ebenfalls nicht. Auch das Geld für die Bargirls würde er sparen, wenn dieses Mädchen bei ihm wohnte. Selbstverständlich würde sie dann mit ihm schlafen. "10.000 Baht (etwa € 250,00) im Monat". Das war sehr viel Geld, sie würde annehmen. Heinz wollte nicht knauserig erscheinen. Sie nahm den Job an und kündigte ihre Stellung an der Karaoke-Bar. Sie zog in sein Haus.

Alles verlief, wie er es sich vorgestellt hatte. Sie arbeitete fleißig. Das von ihr gekochte Essen war gut und schmackhaft, wenn auch ein wenig scharf. Früh morgens kaufte sie auf dem Markt ein. Es war nicht teuer. Nachts lag sie neben ihm im Bett, schmiegte sich an ihn und streichelte ihn. So gefiel Heinz das Leben auf Phuket. Aber eines Tages kam sie nicht vom Markt zurück. Er suchte nach ihr. Alle Bekannten fragte er. Niemand hatte sie gesehen. Abends ging er in die Karaoke-Bar, in der er sie kennengelernt hatte. Ja, hier wußte man Bescheid. Vor wenigen Stunden war sie noch hier gewesen. Sie wollte sich von Ihren Freundinnen verabschieden. Sie hatte einen neuen Freund. Mit diesem werde sie verreisen. In der folgenden Nacht lag Heinz allein im Bett. Zwar hätte er sich schnell ein anderes Mädchen holen können, doch er wollte nicht. Er hatte sich an sie gewöhnt.

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