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Gelangweilt streifte er durch den kleinen Ort. Er war allein. Es wurde dunkel. Heinz wanderte die Straßen entlang und war bald außerhalb des Ortes. Wohin er ging, wußte er nicht. Es war auch egal. Er hatte den kleinen Ort schon weit hinter sich gelassen. Die Straße war nicht beleuchtet. Vorbeifahrenden Autos erhellten kurzfristig die Gegend, dann war es wieder völlig dunkel. Es gab kaum noch Häuser am Straßenrand. In der Ferne sah er ein Licht. Als er näherkam, erkannte er, es war ein bunt beleuchtetes Haus. Eine kleine Bar. Heinz wunderte sich, eine Bar, soweit hier draußen? Drei Bargirls saßen auf den Hockern vor der Bar und betrachteten Heinz neugierig. Sie hatten nichts zu tun. Sie hatten keinen einzigen Gast. Auf der Straße, vor der Bar, stand ein viertes Mädchen. Sie war etwa 25 Jahre alt. Sie trug eine Jeans-Hose mit abgeschnittenen Beinen. Die Hose saß so eng, das Heinz sich unwillkürlich fragte, wie sie die Hose wohl angezogen hatte. Bestimmt im Liegen. Ihr Bauch war nackt. Darüber trug sie ein kleines, schwarzes Oberteil, ebenfalls hauteng. Es verdeckte nur knapp ihren Busen. Das Mädchen war grell geschminkt. Sie hatte viel Rouge aufgelegt, einen auffallenden Liedschatten und einen leuchtend lilafarbenen Lippenstift verwendet. Im langen Haar trug sie eingeflochtene Perlen.

"Hallo, Fremder", sagte sie und hielt ihm die ausgestreckte Hand hin. Heinz ergriff ihre Hand und ging, ohne ihre Hand loszulassen, weiter. Sie trippelte in ihren hohen Schuhen neben ihm her. Sie fragte nicht, wohin er ging, sie ging einfach mit. Die drei anderen Mädchen schauten ihnen nach. Nach einigen hundert Metern blieb sie kurz stehen und zog ihre hohen Schuhe aus. Sie nahm die Schuhe in die rechte Hand, faßte mit der Linken seine Hand, dann gingen sie weiter. Beide schienen kein Ziel zu haben, sie gingen einfach.

Nach etwa einer halben Stunde zeigte sie auf ein etwas abseits stehendes Haus. Eine kleine Lampe brannte davor. Ein kleines Rasthaus. Die Tür war verschlossen. Sie klopfte. Ein mürrischer Mann öffnete ihnen. Er warf einen kurzen Blick auf das grell geschminkte Mädchen; dann zeigte er nach oben. "Hong song - Zimmer zwei", sagte er nur. Sie gingen ein paar Stufen hinauf. Hier gab es Zimmertüren mit aufgemalten Nummern. Heinz öffnete Zimmer zwei. Es war nicht verschlossen. Er fand den Lichtschalter. Eine einzelne Glühbirne, ohne Lampenschirm, brannte an der Decke. Es gab ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen winzig kleinen Schrank. Das Bettzeug war schmutzig. Eine eigene Toilette gab es nicht, sondern eine Gemeinschaftstoilette am Ende des kleinen Flurs. Das Mädchen begann sich zu entkleiden. Sie schien zu wissen, was ihre Aufgabe war. Dann begann sie auch Heinz das Hemd aufzuknöpfen. Sie zog ihn zum Bett und begann ihn wild und leidenschaftlich zu lieben. Das schon schmutzige Bettzeug bekam jetzt zusätzlich Flecken von Makeup und Lippenstift. Dann lagen sie nebeneinander auf dem Bett und versuchten sich zu unterhalten. Heinz sprach nur wenige Brocken Thai, sie nur etwas Englisch, aber es ging. "Wie heißt Du?" "Heinz und Du?" "Pön. Kommst Du aus England?" "Nein, aus Deutschland." "Wo ist Deutschland? Bei England?" "Ja, so etwa. Woher kommst Du? Aus dem Issaan?" "Ja, aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Kumphawapi." "Wo ist denn das?"

Wo genau Kumphawapi war, konnte Pön nicht beschreiben. Heinz holte eine Karte Thailands aus dem Rucksack und gemeinsam knieten sie im Bett und suchten Kumphawapi. Sie fanden es. Es liegt süd-/östlich von Udon-Thani und nord-/östlich von Khon-Khaen. Das war ja fast die Richtung, in die er reisen wollte. Von hier aus war es nicht mehr weit bis zur laotischen Grenze. Heinz überlegte, sollte er Pön mitnehmen? In ihrer Heimat konnte sie bestimmt nützlich für ihn sein. "Wollen wir nach Kumphawapi reisen? Kommst Du mit?" Sie strahlte: "Ja, darf ich?" "Morgen früh reisen wir." Am anderen Morgen standen sie an der Straße und warteten auf ein vorbeifahrendes Songthaeo. Es kam eins. Heinz winkte, doch der Fahrer hielt nicht an. Das Gleiche wiederholte sich beim nächsten Songthaeo. Auch ein drittes fuhr vorbei. Man wollte sie nicht mitnehmen. Heinz warf einen Blick auf Pön. Sie sah einfach zu billig aus in ihrer Nuttentracht. Zwar hatte sie sich heute nicht geschminkt, doch diese Minihose und das viel zu kleine Oberteil sprachen für sich. "Du wartest hinter dem Baum. Ich halte ein Songthaeo an." Sie verstand. Sie stellte sich in den Schatten des Baumes. Er winkte einem Songthaeo zu. Es hielt. Heinz nannte das Fahrziel und handelte den Fahrpreis aus. Inzwischen war Pön auf die Ladefläche geklettert. Heinz folgte ihr. Der Fahrer warf ihnen einen mißbilligenden Blick zu. Auch die anderen Fahrgäste musterten die beiden. Ihre Abneigung war deutlich zu spüren.

Im nächsten Ort verließen sie das Songthaeo. Heinz betrat eine Bankfiliale. Nein, es war immer noch keine Überweisung eingegangen. Heinz hob etwas Geld ab. Viel hatte er nicht mehr. Als Erstes kaufte er eine Hose und eine Bluse für Pön, dazu noch etwas Unterwäsche und eine Umhängetasche, um die nicht benötigten Dinge unterzubringen. Jetzt sah sie wenigstens nicht mehr ganz so anstößig aus. "Und Zigaretten, bitte Heinz. Ich habe schon so lange nicht mehr geraucht. LM-Zigaretten. Grüne LM - mit Menthol." Das lies sich einrichten. Zigaretten sind in Thailand nicht teuer. Dann fragten sie sich durch nach der Bushaltestelle. Sie hatten Glück. Der nächste Bus nach Surat-Thani fuhr in einer halben Stunde.

Die Fahrt dauerte recht lange. Anfangs war die Gegend nicht sonderlich interessant. Das änderte sich jedoch. Es ging an Mangrovendickichten vorbei und durch die wunderschöne Gegend von Phang-Nga. Steile Kalksteinfelsen stehen im sonst flachen Land oder im angrenzenden Meer. Etliche hundert Meter ragen manche der Felsnadeln hinauf. Affen turnen in den Felsen und an den Bäumen, die auf den steilen Hängen wachsen. In Surat-Thani kauften sie Tickets nach Bangkok. Sie hatten Glück. Im Nachtzug waren in der zweiten Klasse noch zwei Schlafplätze frei. Sie warteten. Der Zug hatte Verspätung. Laufend kamen Züge. Nie wußten sie, ob es ihr Zug war. Heinz konnte die thailändische Beschriftung der Züge nicht lesen. Pön konnte weder lesen noch schreiben. Die Lautsprecherdurchsagen waren nicht zu verstehen. Eine Frau, die einen Obststand auf dem Bahnsteig betrieb, half ihnen und wies sie endlich, nach etwa zwei Stunden Verspätung, in den richtigen Zug. Sie fanden ihre Plätze schnell. Zwei übereinander liegende Kojen. Pön legte sich in die untere Koje, Heinz lag oben.

Die Kojen waren für thailändische Maße angefertigt. Heinz wußte nicht, wo er seine langen Beine lassen sollte. Ruhelos wälzte er sich von einer Seite auf die andere. Dann stand er auf, kletterte die schmale Leiter hinunter und kroch in die untere Koje, zu Pön. Sie schlang ihre Arme um ihn und sie küßten sich. Mehr war in dem Zug, zwischen all den anderen Fahrgästen, nicht möglich. Obendrein war diese Koje genauso klein, wie seine eigene und sie lagen sogar noch zu zweit darin. Aber es machte wenigstens etwas Spaß. Bei Sonnenaufgang mußten alle Fahrgäste ihre Kojen verlassen. Das Zugpersonal wandelte die geschlossenen Kojen mit ein paar Handgriffen zu Sitzen um. An der nächsten Station stiegen Händler in den Zug und begannen Speisen zu verkaufen. Gebratene Hühner, gekochte Eier, heiße Nudelsuppe. Dazu Bier, Kaffee, Cola und verschiedene Säfte. Die Händler fuhren eine Station im Zug mit. Dann verließen Sie ihn und fuhren mit dem nächsten Zug in Gegenrichtung wieder zurück. Neue Händler stiegen ein und so konnten sich die Fahrgäste während der gesamten Fahrt ausreichend mit Verpflegung versorgen.

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