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Die Maeng-Mau wurden gewaschen,
dann kamen sie in einen Wok mit heißem Fett. Sie hatten
ausreichend zu essen. Auch die Bediensteten des kleinen Hotels
waren damit beschäftigt, die Maeng-Mau zu sammeln. An diesem
Tag wurden sie alle richtig satt. Zwar hatte Heinz anfangs ein
etwas eigentümliches Gefühl, diese Tiere zu essen. Doch
er hatte Hunger und er mußte zugestehen, die Tiere schmeckten.
Am anderen Morgen standen sie früh auf. Zum Frühstück
aßen sie die letz-ten Maeng-Mau. Dann gingen sie zur Straße
hinauf, um einen vorbeifahrenden LKW anzuhalten. Für Bus
oder Songthaeo fehlte das Geld. Ein LKW hielt an. Ein älterer
Chinese fuhr das klapprige Gefährt. "Wohin wollt ihr?"
"In den Issaan, nach Kumphawapi." "Das ist weit,
aber ich kann euch fast bis Khon-Khaen mitnehmen." "Wo
wollt ihr sitzen?", fragte er, "Hier vorn bei mir, oder
hinten auf der Ladefläche?" "Auf der Ladefläche."
Sie stiegen auf. Zwischen verschiedenen Kisten und Säcken
machten sie es sich bequem. Es wurde eine lange Reise. Der Fahrer
fuhr nicht direkt hinauf in den Norden. Immer wieder fuhr er kleinere
Dörfer an, entlud einen oder zwei Säcke oder empfing
neue Ladung. Mittags teilte er sein weniges Essen mit ihnen. Ihm
selbst blieb nur wenig. Es war etwa 19:00 Uhr und bereits dunkel,
als er an einem einzelnen Haus an der Landstraße hielt.
"Dies ist meine letzte Station. Jetzt müßt ihr
allein weiterkommen", sagte er.
"Wo sind wir?" "Diese Straße führt weiter
nach Khon-Khaen. Es sind etwa 30 KM bis dahin. Zum Laufen zu weit.
Morgen müßt ihr einen anderen LKW nehmen, der euch
weiterbringt." "Hab recht herzlichen Dank dafür,
daß Du uns so weit mitgenommen hast." "Ist schon
gut so. Wenn Ihr die Straße etwa 30 Minuten entlang geht,
seht Ihr auf der rechten Seite, ein wenig abseits gelegen, ein
kleines Rasthaus. Es ist nicht teuer." "Danke, leb wohl."
"Lebt wohl."
Gemeinsam, wie schon so oft, trotteten sie die
Straße entlang. Heinz überlegte: Ein Rasthaus, auch
wenn es nicht teuer war, konnten sie sich nicht mehr leisten.
Sie mußten irgendwo kostenlos unterkommen. Vor einer Übernachtung
in der freien Natur hatte er jedoch ein wenig Sorge. Während
des Gehens sprachen sie kaum. Heinz beobachtete die Umwelt. Fledermäuse
flatterten vorbei. Gegen den noch etwas hellen Himmel konnte man
sie gut sehen. Frösche quakten laut. In der Ferne heulte
ein Hund, oder war es gar ein Wolf? Die Grillen zirpten. Es war
eine schöne Nacht.
Er sah etwas helles auf der Straße. Es leuchtete,
es phosphorizierte ein wenig. Es bewegte sich. Ein kleines Tier.
Ein Tier, welches leuchtet, so etwas hatte Heinz noch nie gesehen.
Ein schneller Griff und er hatte es gepackt. Sie schrieen gleichzeitig:
"Jaa sampat! - Nicht anfassen!" Pön schrie in Panik.
Heinz schrie vor Schmerzen. Das Tier hatte gebissen. Ein schrecklicher
Schmerz durchfuhr seine rechte Hand. Der brennende Schmerz breitete
sich in Windeseile im ganzen Körper aus. Das Gift des Tieres
wurde mit dem Blut durch den gesamten Körper gepumpt. Es
gab keine Stelle an seinem Leib, die nicht schmerzte. Sein rechter
Arm hing taub herunter. Er glaubte, die Schmerzen nicht ertragen
zu können. "Was war das?", war sein einziger Gedanke.
"Ein Thakarp!", schluchzte Pön, "Du hast einen
Thakarp angefaßt. Wie kannst Du nur so dumm sein!"
Heinz' s Körper wurde von Krämpfen geschüttelt.
Er glaubte, nicht mehr stehen zu können. Kalter Schweiß
stand auf seiner Stirn. "Komm!", sagte Pön. "Wir
müssen zum Rasthaus." Sie zog ihn. Er trottete neben
ihr her. Sie stützte ihn, sie zog ihn vorwärts. Und
sie erreichten das Rasthaus.
Pön verhandelte mit den Betreiber. Der schüttelte mehrfach
den Kopf. Nein, ohne Geld - nicht möglich. Pön flehte,
machte ihm Vorschläge. Dann nickte der Betreiber. Hinter
dem Rasthaus hatte er eine leerstehende Hütte. Sie hatte
keine Einrichtung, aber sie hatten ein Dach über dem Kopf.
Gemeinsam schafften Pön und der Betreiber Heinz in die Hütte.
Heinz ließ sich auf den Boden fallen. Ihm war alles egal.
Er wollte hier liegen und möglichst schnell sterben. Pön
ging mit dem Betreiber, kam aber schon nach wenigen Minuten zurück.
Sie hatte eine Binsenmatte bei sich. Pön rollte die Matte
aus und schob Heinz darauf. Dann begann sie ihn zu entkleiden.
Besorgt betrachtete sie seinen Körper. Er war leuchtend rot.
Sie ging erneut und kam bald mit einer Schale Wasser zurück.
Sie begann, seinen Körper mit dem kühlen Wasser zu waschen.
Es war angenehm, doch die schrecklichen Schmerzen blieben.
"Du brauchst Medikamente", sagte sie, "doch Medikamente
sind teuer." Heinz nickte. Es war ihm egal. Trotz der Schmerzen
schlief Heinz ein, oder war er ohnmächtig geworden? In der
Nacht jedoch wachte er auf. Pön war nicht mehr da, er war
allein. Sie hatte ihn verlassen. Irgendwie war Heinz auch das
egal. Er schien Fieber zu haben. Alles drehte sich vor seinen
Augen. Dann schlief er erneut ein.
Heinz erwachte erst spät. Er spürte es
jetzt deutlich, er hatte Fieber. Sein ganzer Körper brannte.
Neben ihm, vollständig unbekleidet, lag Pön, sie schlief,
sie war zurückgekommen. Ihr Gesicht war grell geschminkt,
die Schminke war inzwischen verschmiert. Auf dem Fußboden
stand eine Schale mit Früchten. Auf einem Teller lag gebratenes
Hühnerfleisch. In einer kleinen Tüte sah er Medikamente.
Pön erwachte. "Geht es Dir besser, Geliebter?"
Das erste Mal sagte sie Geliebter' zu ihm. "Ja, ich
glaube, es geht besser." "Ich liebe Dich", sagte
sie. "Horch, der Deckenventilator bestätigt es Dir.
Horch, was er sagt: Rak khun, rak khun, rak khun, rak khun'".
Der Deckenventilator erzeugte ein eigentümliches Geräusch.
Er eierte. Alles Mögliche konnte man aus dem Geräusch
des Ventilators heraushören. Rak khun, rak khun, rak khun.
"Er spricht "rak khun - ich liebe Dich." "Ich
liebe Dich auch."
"Der erste Tag ist der Schlimmste", sagte sie, "von
jetzt an wird es jeden Tag etwas besser werden. Bald bist Du wieder
ganz gesund. Aber Du mußt Deine Medizin nehmen. Ich habe
sie heute Morgen extra für Dich gekauft." Sie gab ihm
zwei Pillen. "Hattest Du denn Geld?", fragte er ungläubig.
"Ich habe es anschreiben lassen. Wir können später
bezahlen. Oder wir laufen einfach weg ohne zu bezahlen",
lachte sie. Dann bestrich sie die Bißstelle an seiner Hand
mit einer braunen Paste. Mit einer öligen Flüssigkeit
rieb sie seinen Körper ein. Dann kniete sie auf ihm und massierte
die Flüssigkeit in sein Gewebe. Sie hatte an alles gedacht.
"Du mußt essen, Geliebter. Ich habe Dir Hühnerfleisch
gekauft. Du mußt ganz viel essen. Das ist wichtig."
Sie aßen gemeinsam. Es ging ihm besser. Wenn nur nicht diese
Schmerzen wären. "Ich gehe einkaufen, Geliebter. Wir
haben für heute Abend nichts zu essen. Ich bin bald wieder
hier. Was möchtest Du essen, Fisch?" "Ja, Fisch
wäre gut. Aber Du hast doch kein Geld." "Ich lasse
anschreiben."
Sie ging. Heinz drehte sich auf den Bauch. Zwischen den Fußbodenbrettern
waren große Ritzen. Er schaute nach unten und beobachtete
die kleinen Tiere unter der schäbigen Hütte. Langsam
schlief er wieder ein. Pön war zurückgekehrt. Sie hatte
viel eingekauft. Sie konnte es fast gar nicht schleppen. Fisch,
Gemüse, Holzkohle und zwei Töpfe. "Ich werde hier
für uns kochen. Direkt vor der Hütte ist eine Feuerstelle.
Wenn ich selbst koche, ist es viel billiger. Jeden Morgen gehe
ich zum Markt und kaufe ein." Sie lächelte, als sie
sein ungläubiges Gesicht sah. "Ich lasse anschreiben."
Heinz schlief viel und oft. Wenn er wach war, beobachtete
er Pön, die offensichtlich ganztägig am Arbeiten war.
Sie wusch die Wäsche, hängte sie zum Trocknen vor die
Hütte. Durch die geöffnete Tür sah er sie vor der
Feuerstelle hocken und Essen kochen. Dann kam sie, um ihn erneut
zu waschen und zu massieren. Dreimal täglich gab sie ihm
seine Medizin. Am Abend servierte sie ihm sein Abendessen. Gebratener
Fisch, dazu Klebereis und Gemüse. "Ich muß gehen"
sagte sie. "Wohin?" "Ich muß noch ein paar
Einkäufe machen. Ich muß auch noch zum Arzt. Du brauchst
weitere Medikamente. Schlaf, Geliebter. Das ist das Beste für
Dich." Sie ging. Sie trug das viel zu kleine Höschen
und das enge Oberteil. Ihr Gesicht hatte sie grell geschminkt.
In den frühen Morgenstunden spürte er, wie sie sich
neben ihn legte. Sie schlang ihre Arme um ihn und schlief sofort
ein. Sie roch nach Alkohol. Erst gegen Mittag erwachte sie. Sofort
bereitete sie ihm sein Essen. Sie gab ihm die Medikamente, wusch
und massierte ihn. Dann begann sie mit ihrer Hausarbeit. Sie sah
müde aus. Jeden Abend ging sie. Morgens kam sie zurück.
Heinz hatte begriffen, was sie tat: Khai tua' - Körper
verkaufen' - Prostitution. Von dem Geld, das sie einnahm, kaufte
sie seine teuren Medikamente und die Lebensmittel. Heinz hatte
ein schlechtes Gewissen, er schämte sich. Aber er wußte
keinen Ausweg. Er war zu schwach, um irgend etwas zu unternehmen.
Sie wohnten nicht kostenlos in der kleinen Hütte. Pön
bezahlte für alles.
Heinz lag auf den Fußbodendielen.
Unter sich hatte er lediglich eine dünne Binsenmatte. Heinz
lag auf dem Bauch. Durch die Ritzen konnte er nach unten sehen.
Er spürte die Bewegung neben sich. Pön war wach geworden.
Sie schmiegte sich an ihn und küßte ihn in den Nacken.
Heinz fühlte sich gut heute. Seit Tagen machte seine Genesung
große Fortschritte. Das Gift des Thakarp schien besiegt
zu sein. Ja, er war wieder gesund. Pön hockte sich auf ihn
und begann ihn zu massieren.
"Wann bist Du nach Hause gekommen, Pön?" "Ich
bin schon lange zurück, Heinz. Du hast geschlafen, ich wollte
Dich nicht wecken." "Wo warst Du?" "Ich war
vorne im Rasthaus und habe mit der Frau des Betreibers geplaudert.
Wir haben Orangensaft getrunken. Darüber habe ich ein wenig
die Zeit vergessen." "Khun khai tua mai - Hast Du Deinen
Körper verkauft? - Warst Du anschaffen?" Pön gab
keine Antwort. Sie begann zu weinen. Sie nickte.
Heinz nahm sie in die Arme und küßte sie. "Pön,
warum hast Du das getan?" "Ich mußte", schluchzte
sie. "Ich wollte damit aufhören. Ganz bestimmt! Aber
Du warst so krank. Ohne Medizin würdest Du heute nicht mehr
leben. Ich mußte es tun, ich liebe Dich doch." Heinz
küßte sie erneut. "Ich bin eine schlechte Frau.
Schon oft habe ich mit Männern für Geld geschlafen.
Ich wußte, daß es falsch ist, so etwas zu tun. Trotzdem
habe ich es oft gemacht. Als ich Dich getroffen habe, als Du mir
gesagt hast, Du würdest mit mir nach Hause fahren, habe ich
mir fest vorgenommen, es nie wieder zu tun. Ich wollte ein neues
Leben beginnen. Hast Du Dich nie gefragt, warum ich von Dir kein
Geld genommen habe?" "Ich habe nicht darüber nachgedacht."
Am folgenden Abend ging sie nicht fort. Sie lag neben ihm, streichelte
ihn und küßte ihn. "Hast Du das in den letzten
Nächten mit den anderen genauso gemacht?" "Nein,
Geliebter. Das war ganz anders. Mich hat niemand gestreichelt.
Auch ich habe niemanden gestreichelt. Ich habe niemanden geküßt.
Innerhalb einer halben Stunde war alles vorbei und ich habe mein
Geld bekommen. Dann habe ich auf den nächsten gewartet."
"Wo war es?" "Vorne, im Rasthaus. Bei unserer Ankunft
hat der Betreiber gesagt, wenn ich für ihn arbeite, können
wir hier leben. Hätte ich nein gesagt, hätte er uns
nicht aufgenommen. Er selbst war der erste."
Am nächsten Morgen verließen sie das Rasthaus. Sie
hielten ein Songthaeo an, Pön hatte Geld dafür. Im nächsten
Ort ging Heinz zur Bankfiliale. Sein Geld war da, das vom letzten
Monat und das vom neuen Monat ebenfalls. Das Elend der letzten
Wochen war zu Ende. Seine Pön tat ihm unendlich leid. Sie
fuhren nach Kumphawapi. Heinz sah die frei lebenden Affen. Dann
fuhren sie in das Dorf von Pön. Vor einem kleinen Häuschen
blieb sie stehen. "Hier können wir zusammen leben, wenn
Du mich willst, mich - ein Bargirl, eine Prostituierte."
"Ich will Dich. Was werden Deine Nachbarn sagen? Was sagst
Du denen, wer ich bin?" "Du bist mein Ehemann, werde
ich sagen. Du bist der Vater meiner beiden Kinder. " Eine
kleine grüne Schlange bewegte sich schnell über die
angrenzende Straße.
Pön hatte recht behalten. Heinz würde Schlangen sehen
im Issaan.

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