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Liebevoll beschreibt der Autor in seinen Geschichten das Leben der Frauen, die von den europäischen Touristen allgemein als 'Bargirls' abgetan werden. In einfühlsamen Kurzgeschichten bereitet er die Lebensgeschichten dieser Frauen auf, die - wie sie selbst wissen - auf der sozialen Leiter ganz unten stehen. Nach der Lektüre dieser/s Geschichte/Buches werden viele Touristen ihre Urlaubsbekannschaft mit ganz anderen Augen sehen. -


Titanic
von Mang Gon Jai

 

 

"Geschichten um Bargirls in Thailand" - Mang-gon jai (ISBN 3-8311-3084-1)

Sie war ein Barmädchen. Sie hieß Nok (deutsch: Vogel). Sie war 31 Jahre alt und arbeitete an einer Bar auf der Insel Phuket, im Ort Karon. Ihr bisheriges Leben war, wie sie es später mit deutschen Worten beschrieb, ‚einfach Scheiße'.

In einem kleinen Dorf, im Nord-/Osten Thailands, im Issaan, war sie aufgewachsen. Schon in frühester Kindheit lernte sie hart zu arbeiten. Fische fangen, Hausarbeit erledigen, Essen kochen und Feldarbeit. Freizeit hatte sie keine. Zur Schule ging sie nur recht unregelmäßig. Die Arbeit ging vor. Sie lernte daher nur mäßig lesen und schreiben. Rechnen konnte sie gar nicht. Etwa mit vierzehn Jahren, das genaue Alter wußte sie nicht, da sie ihr Geburtsdatum nicht kannte, brachten sie Ihre Eltern in ein Kloster. Hier lebte sie etliche Jahre. Im Kloster wurde ihr der Kopf geschoren und die Körperbehaarung ausgezupft. Die Haare wuchsen nicht wieder.

Das Klosterleben gefiel ihr. Es war harte Arbeit, doch das war sie ja gewohnt. Es gab die übliche Hausarbeit, sie mußte Essen kochen, Wäsche waschen und endlose Fußböden schrubben. Dazwischen beten und meditieren. Täglich gab es nur eine Mahlzeit, am Morgen. Aber sie empfand das Klosterleben als schön und angenehm, wahrscheinlich gefiel es ihr deshalb, weil es ein geregeltes Leben war. Doch das geregelte Leben im Kloster hatte ein jähes Ende.

Eines Tages wurde sie zur Oberin gerufen. "Du wirst uns nächste Woche verlassen", sagte die Oberin. "Warum?" "Du wirst heiraten. Deine Eltern haben einen Ehemann für Dich gefunden." Nok nickte. Sie war traurig. Sie wußte, ihre Eltern hatten sie quasi verkauft. Später erfuhr sie: Ihr Ehemann hatte 30.000 Baht (etwa € 750,00) für sie bezahlt.

Sie kehrte in ihr Dorf zurück und heiratete den ihr völlig fremden Mann. Er war schon alt. Sie schätzte ihn auf etwa fünfzig Jahre. Es war eine große Hochzeit. Das ganze Dorf war zu Gast. Es hatte sicher sehr viel Geld gekostet. Aber ihr Mann hatte viel Geld. Er war ein wohlhabender Geschäftsmann. Die erste Nacht mit ihm war schrecklich. Sie wußte nicht, was er von ihr wollte. Niemand hatte es ihr erklärt, sie war nicht aufgeklärt worden. Als sie ins Kloster ging, war sie noch zu klein, als daß ihre Mutter mit ihr über so etwas gesprochen hätte. Im Kloster wurde über so etwas nie gesprochen. Es tat weh. Sie fühlte sich vergewaltigt. Sie fühlte sich von ihren Eltern verkauft. Warum nur hatten ihre geliebten Eltern das getan? Wegen Geld! Geld war ihnen wichtiger, als Nok´s Leben. Ihre Mutter hatte ihr eine Schachtel mit Pillen gegeben. Jeden Tag müsse Nok eine dieser Pillen schlucken, sonst bekäme sie sehr schnell ein Kind, das sei nicht gut.