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Widererwarten verlief ihre Ehe in der ersten Zeit recht gut. Bald mochte sie diesen alten Mann. Liebe - nein, Liebe empfand sie nicht für ihn. Sie wußte auch gar nicht, was Liebe ist. Nok und ihr Ehemann lebten zusammen in einem kleinen Haus in der Nähe des Hauses ihrer Eltern. Einige Jahre ging es gut. Nok führte den Haushalt und ihr Mann ging seinen Handelsgeschäften nach. Sie hatten ausreichend Geld und mußten keinesfalls Not leiden. Doch dann kam ihr Mann immer häufiger abends nicht nach Hause. Oder, wenn er doch erschien, war er betrunken und schlug sie. Er gab ihr nicht ein paar Ohrfeigen, nein, er schlug sie, bis sie am Boden lag. Ihre Eltern sagten nichts dazu. Ihr Mann hatte sie ja schließlich gekauft und konnte mit ihr machen, was er wollte. Bald erfuhr Nok, ihr Mann hatte eine Freundin, eine wesentlich jüngere. Sie sagte nichts dazu, was hätte sie auch sagen sollen. Irgendwann vergaß Nok die Pille. Sie wurde schwanger. Jetzt schlug sie ihr Mann täglich. Er brach ihr einen Kieferknochen und zwei Finger. Das Leben war für sie die Hölle.

Und dann... plötzlich war er weg. Er kam nie wieder. Er lebte mit der anderen zusammen. Mit ihrem Ehemann waren alles Geld, ihr Schmuck und alles andere verschwunden. Was ihr blieb, war ein kleines kupfernes Buddha-Amulett. Es stammte noch aus der Zeit ihres Klosterlebens. Sie trug es, da sie jetzt nicht einmal eine Kette mehr besaß, an einer Schnur um den Hals. Bald bekam Nok ihr erstes Kind, eine Tochter. Der Vater hatte sein Kind nie gesehen. Jetzt wurde das Leben schwer. Ohne eigenes Geld lebte sie mit der Tochter im Hause ihrer Eltern. Das Kind und sie brauchten Kleidung. Sie hatten kaum etwas zu essen. Ihre Eltern waren arm. Geld mußte her! Sie verließ ihre kleine Tochter und ihre Eltern. Sie fuhr in die große Stadt, nach Bangkok. Hier hatte sie eine Anstellung als Köchin in einem Straßenrestaurant gefunden. Zu fünft schliefen die Angestellten in einem winzigen Raum, ohne jede Einrichtung, ohne Lüftung. Bei Sonnenaufgang war Nok bereits auf dem nahe gelegenen Markt zum Einkaufen. Dann bereitete sie das Essen zu. Gegen zehn Uhr vormittags öffnete das Restaurant. Bis ein Uhr nachts mußte Nok kochen. Es war eine anstrengende Arbeit. Trotzdem machte es ihr Spaß. Das wenige Geld, das sie verdiente, schickte sie nach Hause, zu ihrer Mutter.

Einmal, ein einziges Mal, war sie mit ihrer Freundin ins Kino gegangen. So etwas Schönes hatte sie noch nie gesehen. Sie sah den Film 'Titanic'. Sie war überwältigt, sie weinte, als das große Schiff unterging und der Hauptdarsteller in den Fluten ertrank. Die Titelmelodie dieses Films war seitdem ihre Lieblingsmelodie. Einer der Gäste kam recht häufig in das Straßenrestaurant. Ein junger, gutaussehender Mann, ein Einheimischer. Sie verliebte sich in ihn. Viel zu spät erkannte Nok, daß er nichts taugte. Er war drogensüchtig.