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Eigentlich ist diese Geschichte ein Foren-beitrag von "Kali".

Ich selbst finde sie aber so treffend geschieben, dass ich der Meinung bin, dass sie unbedingt hier stehen muss. Es wäre zu schade, wenn sie irgendwann einmal in den Tiefen des Forums verschwinden würde.

Aber lesen Sie selbst !

 
 

....oder: Wie man sich gerne mißversteht !
Original verzapft von Kali – Dipl. Desillusionist

Hermann ist ein strammer Mittfünfziger, seit zwei Jahren frühpensioniert, und genießt sein Leben. Nach drei Scheidungen war nun auch die letzte kurze Beziehung vor zwei Wochen den Bach runter gegangen, und das auch nur, weil er abends immer drei - vier Stunden in diesem Internet-Thailand-Forum rumsurfte. ´Na ja, man wird sehen, andere Mütter haben auch schöne Töchter, was stellte sich Marion auch so zickig an.´ pflegt er so bei sich zu denken, wenn er alleine ist.

So sitzt er also, wie häufig in letzter Zeit, in diesem kleinen Café am Ku-Damm und sinniert über sein Dasein. ´Eigentlich geht´s mir doch gut´, dachte er, ´keine Probleme. Man wird sehen, und vielleicht fahre ich doch mal nach Thailand. Soll schön sein, dieses Land, Pattaya oder so, vielleicht aber auch auf ´ne Insel. Werde die nächsten Tage mal ins Reisebüro gehen...

Ist das nicht Paul ? Tja, der Paul. Ein richtiger Lebenskünstler, habe lange nichts mehr von ihm gehört. War schon öfter in Thailand, und überhaupt, er soll nicht mehr alleine sein.´ "Hey Paul, wie geht´s ?!" "Jou, Hermann, allens kloar ?" Paul ist Ostfriese, wie und warum er nach Berlin gekommen ist, weiß keiner so genau. Gearbeitet hat er auch noch nicht hier, Hermann weiß auch nicht, wie er über die Runden kommt.

"Trink´s ´n Kaffee mit, Alter ?" "Jou..." Nun, eine ausgesprochene Labertasche ist er nicht gerade, aber ein verläßlicher und angenehmer Zeitgenosse. Gerade 61 geworden, hatte sich während des letzten Thailandaufenthaltes noch eine Tätowierung machen lassen, so´n Drachenkopf auf dem re. Schulterblatt, na ja, wem´s gefällt.

"Was ich sagen wollte," begann Hermann schelmisch die Offensive, um seine Neugierde zu stillen, "ich habe gehört, Du bist nicht mehr alleine." "Jou...", meinte Paul nur und sah´ Hermann verschmitzt an. "Na und, erzähl´ mal." "Wat soll ick vertellen, hatte keinen Bock mehr auf Alleinsein.", erwiderte Paul, von diesem verbalen Ausbruch selbst nicht nur überrascht, sondern auch sichtlich erschöpft. "Nun spann´ mich nicht auf die Folter, wie is´ se denn so." "Wat soll´ ick seggen, hockt auf´m Boden, Mittagessen..." ´Auf´m Boden ?´, dachte Hermann, ´Hat sich wohl einen Hund zugelegt !?´ "Und, wie heißt er ?", wollte Hermann wissen. "Er ?? On heißt se..", war Paul´s rundherum erschöpfende Antwort. "On ? Was für´n Name..." "Jou, is´ thailändisch, heißt soviel wie weich..." ´Na gut, ein weicher Hund also, oder vielleicht eine Katze, so´ne Siamkatze...´, dachte Hermann etwas irritiert.

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