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AYUTTHAYA

die königliche Residenzstadt von 33 Königen, am Chao Phraya gelegen, mit Kloster- und Tempelanlagen wie Wat Si Sanphet, als Privattempel der königlichen Familie erbaut und größte Tempelanlage Ayutthayas, Wat Ratchaburana, Chedi Phu Khao Thong, Wat Phra Ram, Wat Na Phra Men und Wat Mahathat mit einem einst 46 m hohen Prang.

350-1767 Königreich Ayutthaya mit fünf Dynastien
1350 unter Rama (König) Thibodi Gründung als Haupt- und Residenzstadt
1350-1488 Blütezeit der Ayutthaya-Kunst
1492-1532 Bau der Chedis (Aufbewahrungsort von Reliquien) von Wat Si Sanphet
1511 Portugiesen entdecken Siam
1569 Errichtung des 80 m hohen Chedi Phu Kao Thong
1590-1605 König Naresuan
1656-88 König Narai
1767 Zerstörung durch die Burmesen
1956 erste Restaurierungsmaßnahmen
1958 Wiederentdeckung der Kunstschätze des Wat Ratchaburana
1971 Restaurierung des Wat Putthai Sawan

"Noch ein Tempel und noch einer", klagte der englische Schriftsteller Somerset Maugham, als er sich in den Zwanzigerjahren während eines Halts auf dem Bahnhof von Ayutthaya zu einem Besuch des einstigen Machtzentrums von Siam überreden ließ. Drei Königspaläste, 375 Tempelanlagen, 29 Forts und 94 Stadttore gab es einst auf der in ihrer Ausdehnung drei mal fünf Kilometer messenden Flussinsel, die den Kern der im 14. bis 16. Jahrhundert einflussreichsten Stadt Südostasiens bildete. Angesichts der Fülle der Baudenkmäler, die auch heute noch erhalten sind, kann man Maugham verstehen, der es zumeist vorzog, sich mit dem Blick aus dem Zugfenster zu begnügen, um sich ein Bild von einer ihm fremden Umgebung zu machen. Mit der sagenhaften Einwohnerzahl von einer Million, die Historiker immer wieder nennen, aber selbst mit doch wohl eher weniger Bewohnern ließ die bedeutendste Stadt Siams sämtliche europäischen Metropolen ihrer Zeit hinter sich.

Wat Ratchaburna
Wächterfiguren und mythische Wesen
am Prang des Wat Ratchaburana

Prunk und Pomp, den die hier residierenden Könige bis zur völligen Zerstörung ihrer machtvollen Hauptstadt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entfalteten, lässt den der Alten Welt rasch vergessen. In eigenen Stadtvierteln außerhalb der Mauern lebende Briten, Chinesen, Franzosen, Holländer, Japaner und Portugiesen buhlten um die Gunst von Königen, deren erster bereits, der Herrscher des Fürstentums U Thong, sich als Reinkarnation des Gottes Vishnu sah. Seine Residenzstadt sollte wie der legendäre Inselstaat Ayodhya im indischen Epos "Ramayana" sein, als dessen Held er sich fühlte. Während Ayutthayas Vorgängerin Sukhothai mehr und mehr in Vergessenheit geriet, festigten die Herrscher des neuen Reiches ihren Status. Ihre Soldaten schüttelten das Joch der Khmer ab und eroberten sogar das legendäre Angkor. Von dort übernahmen sie das Gottkönigtum, das inhaltlich nun auf den König als Bodhisattva, als Buddhagleicher, übertragen wurde.

Die Figur des treu sorgenden Vaters, dem das Wohl der Untertanen am Herzen lag - heute verkörpert sie wieder König Bhumibol -, hatte auf lange Zeit ausgedient. Tempel um Tempel wurde als Manifestation der eigenen Größe gebaut, im Gefühl und Bewusstsein, sowohl Erbe von Sukhothai als auch von Angkor zu sein. Die Chedi, ein an eine Glocke erinnernder und dabei nach oben spitz zulaufender Turm zur Aufbewahrung der Reliquien - in Sukhothai aus dem indischen Stupa, einem Sakral- und Begräbnisbau, entwickelt -, sowie der Prang, das Erbe plastisch reich gegliederter kambodschanischer Tempeltürme, offenbaren dies selbst jetzt noch in Hunderten von Ruinen. In Ayutthaya wurde ein Stil geboren, der sich durch Veränderung von Proportionen und Konturen dem Kunstempfinden der Thais anglich. Buddhistische Schlichtheit vereinte sich mit thailändischer Sinnesfreude. Monumentale Wucht wich spielerischer Anmut. Dieser neue Stil des Gottkönigs im Zenit der absoluten Macht wurde bis heute für die Kunst Siams bestimmend. Die Orgie der Gewalt der burmesischen Krieger ließ den Glanz Ayutthayas in Schutt und Asche versinken; doch selbst in verfallenen Fassaden aus Stein und Stuck scheint die machtvolle alte Residenz nicht nur nachts noch zu leben, wenn das Licht der Scheinwerfer sie aus der Dunkelheit erhebt. Gläubige zünden in den Trümmern Räucherstäbchen an und schmücken heilige Bäume mit bunten Bändern. Sie wenden sich an Buddha, dessen Ebenbilder hier tausendfach ihres Wertes beraubt wurden, indem man ihnen den Kopf abschlug. Ayutthaya ist für die Thais, die in der Schule ab der dritten Klasse die Geschichte der einstigen siamesischen Königsstadt kennen lernen und von denen die meisten den Wunsch haben, wenigstens einmal im Leben dorthin zu reisen, mehr als nur eine Stein gewordene Epoche. Es ist das Symbol eines Nationalstolzes, auf das man sich - anders als Somerset Maugham und die Vielzahl der kamerabehängten, durch einen dichten Besuchszeitplan gehetzt wirkenden Pauschaltouristen - geduldig einlassen muss, um mehr zu sehen als nur eine gewaltige Ansammlung von Tempel- und Palasttrümmern.

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