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"Die Strasse der Langnasen"
(© erschienen in der "Sonntag Aktuell"
v. 19.05.2002, Autor: Andreas
Härtel )
Eine Strasse in Bangkok ist berühmt
wie keine andere: die Khao San Road. Seit zwanzig Jahren trifft
sich dort die Traveller-Gemeinschaft der Rucksack- und Sandalenszene.
Mehr Luft ! Schulter an Schulterdrücken
sich die Fussgänger auf dem Bürgersteig an Wechselschalter,
Schmuckstand und Freiluft-Frisör vorbei, röhrend, knatternd
schlängeln sich einen Meter entfernt Taxen und Tuck-Tucks
durch die enge Passage aus Asphalt, die ihnen noch verblieben
ist. Über den Köpfen schreien Leuchtreklamen ihre Botschaften
über die Khao San Road: Reisebüro ! Gästehaus !
Kneipe ! Internet Café !
Man kann nun wirklich nicht behaupten,
dass diese Strasse eine Oase der Erholung wäre. Die feuchte
Tropenluft drückt auf die Lunge, die Abgase tun ihr Übriges,
und die Atmosphäre ist alles andere als gelassen. Dennoch
ist die Khao San Road die wohl berühmteste Strasse Bangkoks:
Sie ist die Globetrottermeile ! Einst vor allem Heimstatt von
Hippies in der Fremd, ist sie längst so wichtig, dass jeder,
der mit dem Rucksack in diese Ecke der Welt reist, hierher kommt.
Am Anfang des Trips oder am Ende oder vor und nach Kambodscha,
Laos, Vietnam. Sie ist der verlängerte Arm des heimischen
Reisebüros, hier gibt es Visa und preiswerte Tickets.
Geliebt werden diese 300 Meter
Asien aber nicht. Ebenso wie der Besuch der Khao San Road ist
es für die Traveller, wie sich die Rucksackreisenden nach
dem englischen Wort für "reisen" nennen, auch ein
Muss, über dieses Fleckchen Erde zu schimpfen. Dass das nun
echt nichts mehr mit Thailand zu tun hat, wird gerummelt. dass
der Kommerz die Strasse im Griff hat. Und in den Cafés
sieht jeder im Nachbarn schon den, den er nie hier sehen wollte:
die Vorhut des Massentourismus.
Dabei haben die Massen längst
Einzug gehalten. Und auch die Grosskonzerne sind schon da, die
dieses Klientel ja angeblich gar nicht haben will. Die amerikanische
Supermarktkette Seven Eleven hat hier zwei Filialen. Und McDonald's
betreibt in dem Viertel auch schon das, was ein er ein Restaurant
nennt - wenn auch verschämt geparkt in einer Nebenstrasse.
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