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Alles begann 1982. Damals feierte Bangkok sein 200-jähriges Bestehen, die Regierung forcierte den Tourismus. Im gleichen Jahr erschien erstmals ein Thailand-Reiseführer für Touristen mit kleinem Budget, ein Buch, das Rucksackreisende bald nur noch "die Bibel" nannten: Der "Lonley Planet", auf Deutsch: "Einsamer Planet". Dessen Autor, der Amerikaner Joe Cummings, erzählte immer wieder gern, wie er in der Khao San Road zwei billige, saubere Hotels fand - ganz in der Nähe der wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie dem Königspalast.

Was folgte war eine wahre Invasion auf Sandalen. Heut stehen allein in dieser Strasse nach Angaben des aktuellen "Lonley Planet" um die hundert Unterkünfte und gleich Hunderte in der näheren Umgebung im Viertel Banglamphu. Jedes Haus, jedes Zimmer ist vergeben, an Restaurants, Internet-Cafes, Massage-Salons, die indischen Schneider. Und den Bürgersteig versperren Händler, die auf die Strasse ausweichen mussten. Hier gibt es praktisch alles. CD-Raubkopien für dreieinhalb Euro in fünf bis zehn Minuten. Gefälschte Presse- und Studentenausweise für zweieinhalb Euro.

Die Einheimischen ermahnen ihre Kinder schon lange, die Khao San Road zu meiden. Sie haben auch einen eigenen Begriff für die Touristen, die sich dort herumtreiben: "Farang Banglamphou", Langnasen aus Banglamphou, dem Stadtteil, in der die Khao San Road liegt. Gleichwohl gilt das Viertel heute als trendy, junge Thais in schicken Klamotten mischt sich abends unter die Westler und flanieren über das, was ihnen womöglich ebenso fremd ist wie den Touristen: der Rummelplatz des globalen Dorfs.

Alles wegen eines Reiseführers ? Dazu muss man wissen, dass ein "Lonley Planet" alles weiss. Die neunte Auflage von 2001 lieferte auf 18 eng bedruckten Seiten Informationen zu Unterkünften in Bangkok. Da erfährt der Rucksackreisende zum Beispiel, dass das Gästehaus "Barn Thai" Zimmer für 350 - 400 Baht (um die zehn Euro) anbietet und damit "etwas teurer als normal für diese Gegend ist", dass aber nachts auch das Tor abgeschlossen wird. Die Ausgehtipps erstrecken sich über elf Seiten. Da ist dann zu erfahren, dass das Restaurant "Royal India" für den "okay ist, den die ununterbrochenen Videovorführungen nicht stören".

Ein gutes Konzept: Wer wie ein Rucksackreisender ständig auf der Suche ist, ist schliesslich dankbar zu erfahren, wo er fündig werden kann. Und da das englischsprachige Buch fast in jedem Rucksack steckt, wird das, was drin steht, schnell zum Gesetz. Mit Folgen für die Einheimischen: Wessen Haus gut wegkommt, so heisst es hier, der kann gleich den Architekten für einen Anbau suchen. Die Traveller-Bibel von Cummings hat sich mittlerweile 500 000 mal verkauft, obwohl viele Exemplare weiterverkauft werden. Und das Unternehmen "Lonley Planet" ist im Laufe der Jahre zu einem Grossverlag gewachsen.