Auf der Khao
San Road machen abenteuerliche Geschichten die Runde. Etwa,
dass der Besitzer des Sidewalk Cafe zwei Rolls Royce besitzt.
Bestimmt wahr ist, dass hier das Geld fliesst, selbst in den
kleinen Garküchen, in denen eine Portion Pad Thai -gebratene
Nudeln mit Gemüse- für umgerechnet 25 Cent zu haben
ist. Die Masse macht's. Das weiss auch Frau Oy, die Tag für
Tag Nudeln brät und Abend für Abend angeblich mit
2000 Baht Gewinn nach Haue geht - immerhin 50 Euro.
Dennoch muss Frau Oy Joe Cummings
nicht ins Nachtgebet einschliessen - denn das was in der Khao
San Road geschieht, ist mehr das Ergebnis einer touristischen
Revolution als das Resultat eines noch so einflussreichen Reiseführers.
Thailand ist lange nicht mehr so fern wie früher: Flüge
sind billig geworden, mit Englisch kommt man gut durch. Wer
nur ein kleines bisschen Initiative an den Tag legt, kann es
weit bringen - und auf seiner Fahrt wird er irgendwann auch
in der Khao San Road landen. Und wer dieser Tage durch das Traveller-Ghetto
streift, sieht sie alle: Die mit den Rastalocken, solche mit
Batiktüchern, viele mit Tätowierungen, aber auch Besitzer
von Rollerköfferchen und Markenklamotten. Was die Besucher
eint, ist nicht mehr die alternative Einstellung - sondern der
Wunsch, mit dem knappen Budget immer noch ein Stückchen
weiter zu kommen.
Den Besitzer der Volk Bar wird
es nicht stören, im Gegenteil. Die Bar ist ein rot-weisser
VW-Bus aus der guten alten Hippe-Ära mit rot-silberner
Blumentapete im Innern. Jeden Abend klappten hübsche junge
Bedienungen nahe der Khao San Road das Camingdach hoch, die
Seitenfenster auf, stellen Flaschen mit teurem Hochprozentigen
auf den improvisierten Tresen, drehen die Musik auf, starten
die Dico-Kugel. Wenn die neuen Farang Banglamphu es wünschen,
mixen sie die ganze Nacht hindurch "Cocktails und Träume".
Das verspricht zumindest der Aufkleber auf der Tür des
Busses.
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