Meine Arbeits-Gimmix

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Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 24. Juli 2010, 06:52

Provinzstrasse

Baum Nr. 13

Auch in der Provinzstrasse in Reinickendorf sind die Strassenbaeume durchnummeriert, wie ueberall in Berlin.

Die Provinzstrasse ist einer der Problembaeren in der Stadt. Aehnlich wie der Kiez um die bundesweit bekannt gewordene Ruetli-Schule in Neukoelln wohnen hier fast nur von der Gesellschaft Vernachlassigte und Fallengelassene. Hartz IV ist fuer die Allermeisten dort wie ein Sechser im Lotto plus Zusatzzahl. Und ihr Hobby sieht man ihnen sofort an, in den Gesichtern kann man treppensteigen. Gegen Feierabend des ersten Arbeitstages war mein nuechterner Kommentar zu meinen Kollegen: „Jetzt wisst ihr, wo sie in Berlin die Opfer zusammentreiben!“

In Neukoelln rund um die Sonnenallee arbeiten zu duerfen ist schon ganz grosses Kino, aber es gibt immer noch eine Steigerung. Und die heisst Provinzstrasse in Berlin-Reinickendorf.

Nur Freax, Zombies und Mutanten, und deren Kinder und Kindeskinder. Eine kleine eigene Welt fuer sich, die man nur langsam begreift. In sich geschlossen, eine eigene kaum verstaendliche Aussprache, aber alle sind zufrieden. Man koennte die Strasse auch umbenennen in Harzt-IV-Korso, aber Strassen werden hier in Berlin nur nach Verstorbenen benannt.

Vergangenen Mittwoch war es dann soweit, Baum Nr.13 stand als erster mit auf dem Tagessoll. Baum Nr. 13 ist eine grosse alte Akazie mit einem Stammdurchmesser in 80 cm Hoehe gemessen von 126 cm, und ist ca. 20 Meter hoch. Der Auftrag „KP“ bedeutet in diesem Fall, das ein Lichtraumprofil fuer Doppeldeckerbusse auf der Strassenseite, Fassadenfreischnitt, und Totholzenfernung durchzufuehren sind. Eine Arbeit fuer ca. 30 Minuten.

Der Baum mit dem schicken Namen Nr. 13 steht direkt vor dem „EAST GATE“ der Bandidos. Das Hauptquartier in Berlin, bzw. in Ostdeutschland.

Meine Fresse, die haben moerdergeile Mopeds, laut und schnell ohne Ende. Und die Jungs sind bei Leibe keine Warmduscher...

Wir zwei Baumpfleger kommen also an mit dem Hebebuehnen-LKW, halten an. Vor dem ca. nur 50 cm geoeffneten schweren roten Eisentor steht eine Wache, hat uns schon erwartet. Unsere Kollegen hatten Tage vorher ein Halte- und Parkverbot dort ausgeschildert mit dem Hinweis, das Baumarbeiten stattfinden werden.

Kaum ausgestiegen, kommt er auf uns zu. Ein freundlicher 2 Meter Glatzkopf, auch genauso breit, in Kluft. „Moin Jungs, ihr macht jetzt den Baum? Wollt ihr ein kaltes Bierchen?“ Um 07:35 Uhr wohlgemerkt.

Schweren Herzens haben wir das Rockerbierchen abgelehnt, aber er fragte weiter.

„Wir haben auch Wasser. Nomalerweise verkaufen wir die Flasche fuer einen Euro. Fuer Euch einen Euro fuer zwei Flaschen...“

Wir grinsen ihn an.

„Wir haben drei Kisten Wasser im LKW, lass mal gut sein“
„Ihr bekommt sie geschenkt. Aber baut uns keine Wanze ein! Hatten wir schon mal...“
Mit diesen Worten rollt der Panzer los und holt uns zwei Flaschen Wasser aus dem Kuehlschrank der Bandidos.

Chock dii, hello_farang

p.s: Von diesem Event gibt es verstaendlicherweise keine Bilder.

Aber ich werde die schoensten Erlebnisse als 'Bodenschlampe' beim Baumdienst mal notieren und von Zeit zu Zeit hier posten.
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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 24. Juli 2010, 06:53

Heute war es mal wieder soweit...:
Baustelle Nr. 1 ist der Ludolfinger Platz am S-Bahnhof Frohnau.
Dort waren noch drei Baeume offen nach 8 Tagen ackern.

In der Naehe befindet sich eine Schule fuer hoehere Toechter. Und die bekamen auch heute wieder mal Hitzefrei. 17- 18-jaehrige Maedels in viel zu kurzen Roeckchen und zu engen Tops, und dann auch noch gleich 20 auf einmal. Ein Maedchenpensonat...

Wir arbeiten direkt vor einem Edeka-Markt. Drei Grazien schweben auf uns zu ueber den Platz, wollen einkaufen, ich gucke sie an, blicke nach oben zu meinem Kollegen im Baum. Er hat die Arbeit unterbrochen, um auch grinsend von oben in die Dekoltees schauen zu koennen.

Die drei schwatzen und achten nicht auf ihre Umgebung, also gehe ich ein paar Schritte auf sie zu. Sie stoppen kurz, ich gucke nochmal zu meinem Kollegen, er nickt also lasse ich sie durch die Absperrung (in die sonst gelaufen waeren).

Aber sein Grinsen kenne ich schon, als die Drei direkt unter seinem Korb sind, laesst er mal eben die Kettensaege auf vollen Touren heulen. Die Hasen huepfen komplett schockiert schlagartig drei Meter vorwaerts, und lachen dabei als Uebersprungshandlung.

Ich grinse meinen Kollegen an, und er mich.

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 24. Juli 2010, 06:54

Vorgeschichte zum besseren Verstaendnis:

Neulich haben wir eine riesige Pappel gefaellt in Potsdam. Unten einen Stammdurchmesser von ca. 200 cm, in acht Metern Hoehe gabelte sie sich in drei Starkaeste. Jeder fuer sich ab da ein eigener Baum mit 100 cm Durchmesser.

Die Pappel stand in einem Innenhof einer groesseren Siedlung, die Anwohner wussten alle Bescheid und hatte ihre Fahrzeuge vom Parkplatz dort in Sicherheit gebracht. Nur einen mussten wir um 8:00 Uhr rausklingeln. Der arme Mann hatte sich gerade erst hingelegt, weil er Nachtschicht hatte. Mai mii panhaa, wir haben uns vorbereitet, und er hat seinen reudigen Colt weggefahren „...nach einem Morgenschiss....“ (O-Ton von ihm!).

Ich bin oft genug bei der Truppe, das ich einschaetzen kann was es bedeutet wenn der Chef bei der Morgenbesprechung im Buero sagt „Wir fahren da erstmal gemeinsam raus, das ist in einem Hinterhof. Das Teil ist ein ganz schoener Klopper und ich weiss nicht, ob der LKW (fuer die Abfuhr, A.d.V.) durch die Durchfahrt passt.“ Im Nachsatz dann noch der Hinweis, wir sollen eine Schubkarre und eine der Sackkarren mitnehmen.

Um 6:50 Uhr ist mir erstmal die Klappe runtergefallen, als bei der Besprechung diese zwei Worte fielen. Denn es bedeutet, das ich als Bodenschlampe den Baum in Einzelteilen nach draussen zur Strasse befoerdern muss, damit mein Kollege mit dem Schredder und LKW ihn laden kann. Und wenn Cheffe von einem 'ganz schoenen Klopper' spricht, dann bedeutet das mindestens 3 Tonnen Holz, die ich da an der Backe habe...

Am Objekt angekommen faellt mir als erstes ein „Ach Du ... ich war als Kind schon Schei***...“, denn die Pappel ist gigantisch. Das sind 5 Tonnen, wenn nicht noch mehr. Was bedeutet, das ich entweder einen richtig harten Tag haben werde, wenn der Kollege fuer die Abfuhr nicht durch die Durchfahrt passt mit seinem LKW. Oder das es ein gechillter Tag wird, wenn er auf den Parkplatz kommt und direkt an den Baum fahren kann. Der LKW an sich passt problemlos durch, das sehe ich gleich. Aber er hat einen Selbstlader-Kranarm montiert, und der koennte das Problem werden. Die Chancen sind 50-50, aber ich gehe wie immer erstmal vom Schlimmsten aus (denn dann kann es ja nur besser werden).

Wir arbeiten dort nicht mit einem Steiger (LKW), der passt nicht rein. Sondern mit einer Hebebuehne, die auf einem Anhaenger montiert ist, als Zugpferd dient ein Range Rover mit viel Power unter der Haube. Die Buehne wird in Position gebracht, die Baustelle weitraeumig abgesperrt mit Flatterband und Huetchen, dann warte ich gespannt auf den Kollegen fuer die Abfuhr. Der musste erst noch woanders hin, und kommt dann eine Stunde spaeter.

Dank wem auch immer, nachdem er den Greifarm runtergefahren hat, und dieser hinten ueber die Ladebordwand baumelt wie ein langer Ast, kommt er durch die Einfahrt. Der 5-Tonnen-Kelch ist an mir vorueber gegangen, was mir ein erleichtetes „YES!“ abringt. Und weils so schoen ist, hat der Kollege seinen Hacker nicht dabei, denn der ist in der Werkstatt. Was bedeutet, er wird das gesammte Astwerk und die Stammstuecken mit seinem Greifer aufladen. Ich werde heute nur schick rumstehen, hoechstens mal einige Aeste abseilen muessen damit sie nicht unkontrolliert fallen.

Wie immer: Kaum heult die Kettensaege und die ersten Starkaeste krachen auf den Parkplatz, gehen die Fenster auf und interessierte AnwohnerInnen betrachten uns und machen Fotos. Einige kommen auch runter und fragen nach, da bin ich als Bodenschlampe der Ansprechpartner. Oft erzaehlen mir Leute ihre ganze Lebensgeschichte dabei, gerade Rentner sind froh, jemanden zutexten zu koennen. Ist immer interessant, und soweit es die Arbeitssituation zulaesst unterhalte ich mich sehr gerne mit fremden Menschen.

Heute faellt mir gleich eine schicke Mutti auf, die uns aus einem Fenster im dritten Stock betrachtet. Geschaetzte 35, kurze blonde Haare, suesses Gesicht. Sie ruft mir etwas zu, als ich hochschaue. Aber es ist zu laut, als das ich es verstehen koennte, also winke ich sie runter.

Zwei Minuten spaeter kommt sie runter, mit einem Einkaufskorb in der Hand. Darin drei Flaschen Wasser fuer uns, natuerlich auch drei Glaeser und eine Dose Kekse. Nachtigal ick hoer dir trapsen..., die will was von uns...

Sie ist verheiratet, ihr Mann ist auf Montage in Bochum, der Sohn ist 13 jahre alt und gerade in der Schule, sie arbeitet heute in der Spaetschicht beim Lidl. Ihre himmelblauen Augen strahlen, als sie bewundernd bemerkt, das dies doch sehr harte Arbeit sein muss und gefaehrlich sei?! Viel unverbluemter konnte sie die Einladung auf einen Quicki nicht formulieren, mein Kollege und ich grinsen uns an, dann sie.

Wir koennten auch rauf kommen auf einen Kaffee, schiebt sie locker und laechelnd nach?!! Da wir beide aber grinsend standhaft bleiben, huepft sie wieder von dannen, um wenig spaeter mit Kaffee, drei Tassen plus Untertassen, Loeffeln, Milch und Zucker und Suessstoff wiederzukommen.

Damit nicht genug, sie fragt uns wie wirs gerne haetten, und macht die drei Tassen individuell voll, ruehrt um, reicht uns den Kaffee. Ich muss meine Kollegen angrinsen: „Ditt is ja wie in Thailand!“

Dann rueckt sie endlich raus mit ihrer Frage. Sie haette gerne fuer ihren Schrebergarten zwei Baumscheiben, von ganz unten am Stamm als Tischplatten. Und drei oder vier starke Aeste, um daran Kletterpflanzen ranken zu lassen. Ob das ginge?!
Natuerlich geht das, kein Problem. Sie schnattert weiter fleissig ueber ihr Leben, um dann zu Dahlbeck zu gehen, fuer uns drei riesen Bockwuerste kaufen, mit Broetchen und Senf.

Yo, so sehen meine Arbeitstage manchmal aus. :aetsche:

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 24. Juli 2010, 06:59

OHV – Ohne Hirn und Verstand

OHV- ist das Kennzeichenkuerzel fuer den Landkreis Oberhavel, in Berlin wird es aber nur „Ohne Hirn und Verstand“ gelesen. Entdeckt man in Strassenverkehr ein Fahrzeug mit diesen drei Anfangsbuchstaben auf dem Nummernschild, dann ist aeusserste Wachsamkeit angesagt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird man sehr bald Zeuge eines kuriosen und spontanen Manoevers. Komplett ueberfordert mit dem Verkehr in der Hauptstadt und damit, das es hier ein paar mehr Fahrzeuge gibt als auf ihrem Dorf.

Mein Kollege und ich fahren eine groessere Strasse entlang, wollen von einer zu der naechsten Baustelle wechseln. Letzte Nacht ist eine Schlechtwetterfront durchgezogen, sodass es vielenortes Astbruch gibt. Einen dieser abgebrochenen Starkaeste erwischen wir mit der Beifahrerseite des LKW, halten an. In 15 Metern Hoehe ist der Ast ausgebrochen, und haengt nun drohend ueber der Fahrbahn. Kurzer Anruf beim Bezirksamt Reinickendorf und wir bocken den LKW auf, um mit der Buehne arbeiten zu koennen.

Dazu werden die vier Stuetzen des LKW ausgefahren, was ihn doppelt so breit macht. Zwei Stuetzen stehen hierbei auf dem Buergersteig, die beiden anderen auf der Fahrbahn. Was natuerlich zur Folge hat, das alle auf unserer Seite in den Gegenverkehr ausweichen muessen. Das klappt eigentlich immer ganz gut. Klar staut es sich, aber es reguliert sich.

Um die Wartenden durchzulassen, haelt ein uns entgegenkommender 40-Tonner so, das die Fahrzeuge zwischen uns und ihm durchkommen. Die ersten 10 meistern das Umrunden unserer Hebebuehne auch ganz problemlos, bis dann die schwarze A-Klasse an der Reihe ist, mit dem Kennzeichen OHV...

Drin sitzt eine blonde Mutti um die 30. Sie hat auf Hoehe unseres Fuehrerhauses angehalten, direkt vor dem LKW auf der Gegenfahrbahn. Sie muesste jetzt bloss noch nach rechts einlenken, und durch die ca. 4 Meter breite Luecke zwischen den zwei LKWs fahren, wie die anderen vor ihr auch. Das macht sie aber nicht, sondern bleibt einfach stehen. Nach zwei Minuten gehe ich hin, vielleicht ist sie ja ohnmaechtig geworden? Nein, sie sitzt da und starrt stur geradeaus auf die LKW-Stossstange. Wie ein Kanienchen vor der Schlange, vollkommen paralysiert.

Ich muss schon grinsen, taxiere nochmals die Durchfahrtsbreite und lotze sie, keine Reaktion, die guckt nichtmal her. Der LKW-Fahrer grinst sich auch einen, er hat Zeit. Ich gehe zu der Dame, klopfe an die Seitenscheibe, sage ihr das da genug Platz ist, und weder wir noch der LKW sich bewegen werden. Sie solle doch bitte einfach weiterfahren. Ihre Reaktion ist das Drehen des Zuendschluessels, sie macht den Motor aus?!! Ich kann nicht sagen, welche Augenfarbe sie hatte, denn sie schaut weiterhin auf die Stossstange vor ihr. Vielleicht hat sie ja einen Orgasmus dabei, mir egal.

Ich rudere fragend mit den Armen in Richtung des LKW-Fahrers, dann zu den Fahrzeugen hinter der Patientin. Kuemmere mich wieder um meine Arbeit unter dem Baum.

Einer anderen jungen Fahrerin weiter hinten im Stau platzt der Kragen. Sie steigt aus, und bruellt die Dame aus OHV zusammen, so richtig gepflegte Berliner Schnauze. Und es wirkt?! Denn ploetzlich startet sie den Motor, und faehrt elegant durch die Luecke, als wuerde sie den ganzen Tag lang nix anderes machen. Das sind dann die Momente, wo ich anfangen muss zu husten vor lachen.

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 24. Juli 2010, 07:01

OHV – Ohne Hirn und Verstand

Am Nordgraben ist eine lange gerade Strasse in Reinickendorf. Auf der noerdlichen Strassenseite befindet sich Wald und der Nordgraben, ein nicht schiffbarer schmaler Kanal. Dort wo wir die Baustelle haben auf der anderen Strassenseite ein Krankenhaus. Wie gesagt, schnur gerade und gut einsehbar.

Wieder steht der Steiger so, das zwei Stuerzen eine Fahrbahn blockieren. Deshalb stehen weitraeumig orange-weisse Gummihuetchen und ein grosses Dreibein mit der Aufschrift „Baumarbeiten“ auf der Fahrbahn, um uns abzusichern. Und um Platz zu haben, Holz auf die Fahrbahn fallen lassen zu koennen.

Seit einer halben Stunde sind wir am Baum, ich befinde mich gerade auf dem Gehweg, um dort einen grossen Haufen zu packen aus Aesten, die ein Kollege spaeter schreddern wird.

Auf einmal gibt es einen Schlag, dann einen zweiten, dann einen dritten, es folgt eine Vollbremsung mit quietschnden Reifen. Beim ersten Schlag habe ich mich umgedreht in Richtung des Geraeusches, und sehe einen blauen VW-Golf erst unsere Kegel aufsammeln, um dann 4 Meter vor der hinteren Stuetze unseres Steigers zum stehen zu kommen. Geruch von verbranntem Gummi liegt in der Luft, es qualm blau, der Golf ruckt etwas nach vorne und der Motor geht aus.

Bei sowas werde ich sofort sehr laut, lasse die Aeste Aeste sein. Ich setze an zu einem „Na sag maa, bist du voellich bescheuert oder watt?!“ , breche aber nach dem „Na sag maa...“ wieder ab.

Die Dame ist gefuehlte 100 Jahre alt, und hat zwei Flaschenboeden als Brillenglaeser. Ganz verschaemt laechelt sie verlegen „Oh, ich habe ihre Tueten gar nicht gesehen“. Sie meint die vier Huetchen, die ich daraufhin erstmal unter ihrem Auto hervorzerren muss. Dabei sehe ich es dann: Kennzeichen beginnt mit OHV...

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 24. Juli 2010, 07:03

So sieht mein Arbeitsplatz aus 23 Metern Hoehe aus...:

Bild

Man kann recht gut erkennen, was ich vorhin mit den ausgefahrenen Stuetzen meinte.

Das Bild habe ich im Februar oder Maerz in Berlin-Blankenburg gemacht. Damals lag noch etwas Schnee.
...wie ich den jetzt vermisse! :iii:

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 24. Juli 2010, 07:05

Provinzstrasse

Die Baustelle und der Steiger sind weitraeumig abgesperrt durch Huetchen und das Warn-Dreibein. Der Gehweg blockiert durch rot-weisses Flatterband.

Ich bin gerade auf dem abgesperrten Teil der Strasse unterwegs, gucke in alle Richtungen und sammele Holz und Aeste auf.

Ploetzlich startet ein schwarzer BMW mit rotem Kennzeichen, und eingeschalteter Warnblinkanlage durch. Mittig schnappt er sich eines unserer Huetchen mit der Schuerze, und gibt maechtig Gummi.

Nach ca. 80 Metern spuckt der BMW das geliebtes Huetchen Nr. 3 wieder aus, genau auf der Trennlinie zwischen den beiden Fahrbahnen bleibt es liegen.

Auch mein recht lautes „Ey du Penner...!“ wird ihn nicht gestoert haben. Entweder war das sein Neu-/Gebrauchtwagen, oder er ist Haendler, oder die Karre hat er kurz vorher geklaut. In der Provinzstrasse sind alle drei Antworten durchaus moeglich, auch alle drei gleichzeitig.

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 24. Juli 2010, 07:08

Provinzstrasse, Berlin-Reinickendorf

Heute war es erst etwas verregnet, und den ganzen Tag ueber komplett bewoelkt. Grauer Himmel, es wird nicht richtig hell. Regenjacke an, Regenjacke aus, so ging es bis gegen 11:00 Uhr.

Beim fuenften Fast-Frontalchrash habe ich aufgehoert mitzuzaehlen. Aber nicht, immer herzhaft zu lachen bei den Stunts. Bloss das einzige wirkliche Highlight waren heute zwei aeltere Damen in einem fast ebenso alten roten Opel Corsa...:

Unser Steiger und die Baustelle sind mit Kegeln abgesichert, unsere Fahrspur ist gesperrt.
Das erste Huetchen steht ca. 50 Meter vor der Baustelle, die zwei weiteren in einem Abstand von vier Metern leicht versetzt, alle weiteren auf dem Mittelstreifen.

Wie sie es geschafft hat, ist mir immer noch nicht ganz klar, und dabei auch noch so schwungvoll. Die Kegel nicht beruehrend und fast am Bordstein kratzend, um dann eine Vollbremmsung kurz vor unserem ueberbreiten LKW zu zelibrieren.

Diesmal stand ich in dem abgesperrten Bereich auf der Strasse. Und bin spontan mal zwei Meter zur Seite gegangen, um nicht ueberfahren zu werden. Die naechste Reaktion ist immer gleich...:

„Sag maa, bist du voellig bescheuert oder was?“ in Megaphone-Lautstaerke. Dabei gehe ich natuerlich sofort zum Wagen auf die Fahrerseite, um meinem Unmut weiteren verbalen Ausdruck zu verleihen. Da sehe ich sie, die Golden Girls. Am Steuer die aeltere, sah aus wie Leni Riefenstahl, ihre nur unbedeutend juengere Beifahrerin faengt sich an zu beschweren, das ich ihnen eine „Bescheuert-oder-was?“- Handbewegung entgegen gebracht habe. :roll:

Einen Moment ueberlege ich, noch waehrend sie spricht. Soll ich den aelteren Damen nun erklaeren, das es unlogisch ist, in eine Absperrung zu fahren anstatt sie ganz entspannt zu umrunden. Und ob ich ihnen noch dafuer danken soll, das sie unseren ueberbreiten LKW mitten auf der Strasse noch rechtzeitig entdeckt haben...?! Die Gedenken werden keine Worte, sondern nur zu einem breiten Grinsen- plus ein Huetchen aus dem Weg raeumen, damit sie aus der Falle wieder entkommen koennen.

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon Airport » Samstag 24. Juli 2010, 17:25

Toll gemacht !! :Danker:
เพื้อที้ดีเหมือนเพชร !!
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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 24. Juli 2010, 20:10

Provinzstrasse 39 in 13409 Berlin

Kuehne

In der Provinzstrasse gibt es auf unserer Liste 92 Baeume, die wir abarbeiten muessen. Nicht faellen, sondern Lichraumprofil schneiden fuer die LKWs und Busse, Totholz rausholen, Haeuserfassaden freischneiden auf 1,5 Meter. Die Liste ausgewaehlter Baeume hat sich mittlerweile etwas geaendert, naemlich in „Macht einfach alle Baeume, und schreibt die neuen mit auf die Liste“. Anordnung vom Amt, also haben wir jetzt 127 Baeume an der Backe. 70 sind schon abgearbeitet, aber das werden noch lustige Tage dort...

Der Zufall will es so, das wir direkt vor der Kuehne-Fabrik anhalten um dort zu arbeiten, als ein Mitarbeiter zwei groisse Schilder auf der Wiese vor dem Haupttor aufstellt. Darauf der Hinweis „Fabrikverkauf geoeffnet“. Dieser findet jeden Mittwoch von 13:00-18:00 Uhr statt.

Als erster geht mein Kollege rein, ich bewache waerenddessen das Fahrzeug und die Kettensaegen. Als er wieder raus kommt, hat er ein breites Grinsen im Gesicht, und zwei gut gefuellte Einkauftstueten in den Haenden. Ich betrachte interessiert die Markenprodukte, welche er eingekauft hat. Lauter leckere Sachen, und alles spottbillig.

Also gehe ich auch mal gucken, und entscheide mich fuer einige Grillsaucen, ein Joghurt Kraeuter Dressing, und ein Glas Rotkohl „Fix und Fertig“. Letzterer schmeckt wirklich wie bei Muttern.

Die Rechnung sieht dann so aus:
Joghurt Kraeuter Dressing 0,5 Liter = 80 Cent
2 x Wuerzsauce „Red Hot Chili Pepper“ 250ml = 1,20 Euro
Wuerzsauce „Indian Curry“ 250ml = 60 Cent
Wuerzsauce „Stweet Asian Fire“ 250ml = 60 Cent
Rotkohl „Fix und Fertig“ 720 ml Glas = 44 Cent

Zusammen also 3,44 Euro. Das mit dem Rotkohlpreis lasse ich mir von der Verkaeuferin erklaeren. Sie hat mich darauf hingewiesen, das es den Rotkohl auch als zweite Wahl fuer 44 Cent gibt, anstatt der eh schon preiswerten 1,14 Euro. Ich hatte das teuerere Produkt gewaehlt in Unwissenheit ob der billigeren Variante. Waerend ich das teure Glas zurueck ins Regal des Mini-Verkaufsraumes stelle frage ich sie: „Was bedeutet denn zweite Wahl? Ist die Marge versalzen oder watt?“ Sie muss lachen „Nein, aber ist nur noch bis Dezember haltbar“ Ich verbluefft „Ja und?! Wo liegt das Problem?“ Sie klaert mich auf, das der Grosshandel nur Produkte abnimmt, die mindestens sechs Monate haltbar sind. „Dann sind die 44 Cent reine Herstellungskosten?“ frage ich nach. Sie muss grinsen „Nicht ganz, Kuehne verdient daran noch 4 Cent, deshalb der komische Preis. Und unser Lager leert sich, wir brauchen ja den Platz.“ „Ihr verdient an mir 4 Cent, wenn ich ein Glas Rotkohl kaufe bei Euch?! Das ist ja Wucher, echt ne Frechheit! Ich ueberlege mir gut, ob ich naechste Woche wiederkomme!“

Draussen verstaue ich den Einkauf im LKW, und setze mich zu meinem Kollegen auf ein Steinmaeuerchen. Dauert nicht lange, da kommt die suesse Postbotin der Provinzstrasse auf ihrem Fahrrad an, stelllt es neben uns ab und laechelt, geht dann auch zum Fabrikverkauf. Kommt mit zwei Tueten wieder raus, auch am grinsen. Wir betrachten sie, wie sie das Zeug in den Satteltaschen des Postfahrrads verstaut. Dabei zeigt sie uns alle Produkte, meint das es das erste Mal sei, Kollegen haetten sie auf den Fabrikverkauf aufmerksam gemacht. Dann stellt sie sich zu uns, eine rauchen und etwas flirten. Wir sind uns ja schon die Tage vorher mehrfach begegnet in der Provinzstrasse, haben uns zugenickt oder gelaechelt, zweimal habe ich schnell das Flatterband entfernt bzw. die Huetchen vom Gehweg genommen, damit sie durchfahren kann. Nicht aelter als 23-25, schulterlange glatte dunkelblonde Haare, echt ein suesses Gesicht, sexy Augen, schlank. Mit einem Schlafzimmerblick beichtet sie uns, das sie alleine sei und am Wochenende auf dem Balkon grillen wird und die Saucen durchprobieren will. Ich muss grinsen, erinnere mich an die Mutti in Potsdam neulich. Maenne uff Montage in Westdeutschland, die Joere in der Schule, sturmfreie Bude also.

Naja, sie sieht echt niedlich aus, so wie da vor uns steht bei 35°C im Schatten einer Linde. Aber: Sie steht, ich sitze! Die suesse Maus ist hoechstens 145 cm gross, ich bin 193 cm, und wir koennen uns auf Augenhoehe unterhalten... Nach der Zigarette steigt sie aufs Rad, ich oeffne ihr mal wieder das Flatterband, was sie mit einem „Du bist immer so gut zu mir“ und einem Laecheln quittiert, dann strampelt sie ihre weitere Tour ab.

Wir machen uns auch wieder an die Arbeit, und schon lerne ich die negative Seite des Fabrikverkaufs kennen: Aus allen Richtungen kommen die Menschen zusammen, haben eine leere Sporttasche oder einen leeren Rucksack dabei, oder beides. Und alle wollen genau da durch, wo wir gerade stehen und arbeiten. Ueber den IQ der Anwohner habe ich mich im Eingangsposting schonmal geaeussert. Wenn es so irre heiß ist, dann bleibt der Hartzler natuerlich lieber zuhause, geht nicht auf die Strasse. Zwei Tage lang hatten wir unheimliche Ruhe in der Strasse, aber der Fabrikverkauf mobilisiert sie alle. Ganz grosses Kino, wie die Barrieren ueberwunden oder einfach missachtet werden. Wie Elefanten, die auf uralten Wegen der Urahnen immer die selben Wege gehen, so stroehmen sie alle auf die Fabrik Kuehne zu, Nachschub einkaufen fuer echt schmale Kasse.

Nachbarn treffen sich, kommen schwatzend auf das Flatterband zu, laufen dagegen. Ein Einzelkaempfer kommt auch bis zum Flatterband gelaufen, ich sage ihm das er einfach auf der Strasse am LKW vorbei laufen soll, ist ja weitraeumig abgesperrt. Das ueberfordert ihn aber komplett, er dreht wortlos wieder um und geht zurueck nach Hause. Habe ihn an dem Tag auch nicht mehr gesehen... Ein laechelnder Herr um die 60, der seiner verschleierten Frau mit Kinderwagen das Flatterband hochhaelt, damit sie mit den zwei weiteren Kleinkinden am Rockzipfel unter den Baum laufen kann, aus dem es Holz regnet. Sein guetiges Laecheln behaelt den selben Ausdruck als ich ihm und seiner Familie freudlich laechelnd den Weg auf die andere Strassenseite zeige, sie nicht durch lasse. Ich kenne jetzt auch wirklich fast jeden Hardcore-Alki in der Provinzstrasse. Zumindest alle, die den billigen Mittwoch Nachmittag noch auf dem Schirm haben. Von den ganzen anderen normalen Verrueckten mal gar nicht reden...

Erst hatte ich Respect vor den Bandidos aufgrund ihres Rufs, und der geilen unglaublich lauten Mopeds. Aber je laenger ich in der Provinzstrasse arbeite muss ich sagen: Die Gang und ihre Supporter sind gut drauf. Aufmerksam, zielorientiert, gerne schnell mal bei der Sache (dazu spaeter mehr).

Zum Kuehne Fabrikverkauf kamen zwar keine Rocker eingeflogen, aber es war ein Tag der Konfrontationen. Ich als Berliner habe in Berlin einen Kulturschock erlitten! Ein staendiger Arbeitsabbruch, ich habe mich fast heiser gebruellt nach oben, damit der Kollege aufhoert zu schmeissen. Nach einigen Minuten habe ich die noralgischen Punkte ausgemacht, aber alle kann ich dennoch nicht abhalten davon, unter den Baum zu laufen. Das „HALT!“ ist immer sehr laut von mir, damit es sowohl die I-Pod-Hoerenden und/oder die komplett Schmerzbefreiten, …und meinen Kollegen in 20 Meter Hoehe gleichzeitig erreicht.

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Mittwoch 28. Juli 2010, 19:34

Provinzstrasse

Zwei Tage Provinzstrasse

In der Provinzstrasse gibt es das „Gangxsters World“ (wird wirklich so geschrieben), einen Klamottenshop fuer Biker von den Bandidos betrieben. Neulich frueh bei der morgendlichen Bureorbesprechung gibt mein Kollege den Hinweis zu Besten, das dort an der Tuere unter anderem ein Aufkleber prangt „Wer hier klaut, stirbt“ Rechteckig, rote Schrift auf gelbem Hintergrund (die Bandidos-Farben).

Unser Chef strahlt „So einen muesst ihr mir unbedingt besorgen, bezahle ich auch gut. Mir klauen sie doch staendig die Autos...!“ In der Tat, zwei BMW X5 von ihm sind schon gestohlen worden.
Meinen Hinweis, das auf der rechten Tuerseite des Ladens auch ein Aufkleber fixiert ist mit dem Hinweis „Supported by Bandidos“ lehnt er grinsend ab, das gaebe Aerger in den Hells Angels-Bezirken! Aber den „Wer hier klaut, stirbt“ will es unbedingt haben, ob wir die Rocker nicht mal vorsichtig fragen koennten?!

Klar, kein Problem. Die haben fuer uns schon mal den Verkehr geregelt, Falschparker wegfahren lassen, und gruessen freundlich wenn sie an uns vorbeidonnert auf ihren Moerder-Harleys.

Also fahren wir um 15:20 Uhr zurueck zu dem Laden, parken auf der gegenueberliegenden Seite im Bushaltestellen-Halteverbot, machen die gelben Rundumlicher an, und gehen rueber in den Laden. Vier Rocker erwarten uns, nebendran zwei Frauen und zwei Kinder.

Man begruesst sich, wir haben uns ja schon ein paarmal gesehen. Dann fragt mein Kollege nach dem besagten „Wer hier klaut, stirbt“-Aufkleber. „Kein Problem, in klein oder gross?“ lauet die Antwort. Wir ueberlegen kurz, der Cheffe will einen fuer seine BMW - vermutlich einen kleinen. Fuer die ganzen LKWs und die zwei Schredder und die eine Hebebuehne auf Anhaenger montiert braeuche man nochmal locker noch einige mehr – mindestens 20, bunt gemischt.

Der Rocker zeigt uns die grossen und kleinen Aufkleber „Die kleinen 1 Euro, die grossen 2 Euro.“ Habe es nicht anders erwartet, und wir entscheiden und fuer je einen kleinen und einen grossen, um sie morgen frueh im Buero zur Aussprache und Bestellung vorzeigen zu koennen.
„Nehmt mit, Geschenk des Hauses“ ist die Antwort des fast-zwei-Meter-Rockers.

Ich erkundige mich danach noch nach einem schwarzen Sweat-Shirt, was im Schaufenster haengt. Ein schwarzes Shirt, mit einer duennen weissen Linie darauf, komplett ueber die gesammte Vorderseite. Diese weisse Linie zeigt die Umrisse einer riesigen automatischen Handfeuerwaffe auf(sorry, Fotos muss ich erst machen lassen morgen). Als ich das Teil in die Hand nehme, muss ich staunen. Wiegt bestimmt 5 Kilo, naja wir befinden uns eben in einem Biker/Rockerladen. Der Pulli ist fuer den Herbst gedacht, zum cruisen durch den Indian Summer. Soll 79,90 € kosten, ein fairer Preis wie ich finde. Habe die Kohle zwar nicht dabei, aber ich drohe unsere Wiederkehr fuer morgen an.

Wir praesentieren also die Aufkleber vor beim Cheffe heute frueh. Der freut sich wie Bolle, lacht und beginnt sofort damit, den groesseren von aussen an der Buerotuer zu befestigen. Mittig, in Augenhoehe und unter den „Schuhe abtreten“-DIN-A-4-Zettel aus dem Kopierer.

„Zehn kleine, und zehn grosse! Geht das bis morgen?!" „Klar Chef, kein Problem.“
Um 15:35 Uhr waren wir um 30 Euro aermer fuer die Aufkleber, und ich um abgerundete 75,- Euro fuer das geniale Sweat-Shirt. Perfekt fuer die kuehlen Naechte auf dem Hobel in Loei naechsten Januar und Februar...

Chock dii, hello_farang

p.s: Einen grossen Aufkleber gab es fuer umme auch noch dazu, darauf steht:

FUCK YOU
I HAVE ENOUGH FRIENDS

Natuerlich auch in den Bandidos-Farben gehalten. :iii:
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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 31. Juli 2010, 12:07

Provinzstrasse

FalschparkerInnen, Rocker, und ein Taxifahrer

Wir sind eine Wanderbaustelle in der Provinzstrasse. Erst die eine Seite rauf, dann die andere wieder runter. Pro Tag sind 9-15 Baeume an der Reihe. Einige Baeume lassen wir aus, weil ein Fahrzeug darunter steht. Die werden neu ausgeschildert in der Hoffnung, das der Falschparker zwischenzeitlich wegfaehrt.

Eine dieser ausgeschilderten Halteverbotszonen endet kurz vor dem „Gangxsters World“. Heute scheint dort ein kleines Treffen stattzufinden, denn es stehen sechs schwere schwarze Harley-Chopper vor dem Laden, auf dem Buergersteig sind Baenke, Stuehle und Tische aufgebaut. 10 Rocker sind anwesend, zudem mehrere ihrer Freundinnen und Kinder.

Unter anderem auch ein etwas aelterer Rocker, lange weisse Haare und einen langen weissen Bart. Ihm wird grosser Repekt entgegengebracht, das ist ueber die zwei Stunden vor Ort zu beobachten. Jeder Neuankoemmling begruesst ihn als ersten, und auch das vorbei kommene Fussvolk der Bandidos -genannt Supporter, und gut zu erkennen an den eindeutigen T-Shirts- erweisen ihm sofort Ehre.

Er sitzt so, das er uns bei der Arbeit im Blick hat. Aber auch fast alle anderen schauen uns zu, mal nach oben, mal unten auf die Fahrbahn. Unten ist interessanter, denn wir haben wieder eine Spur dicht gemacht, ueberlassen die VerkehrsteilnehmerInnen ihrem Schicksal. Immer wieder Hupen, mit quietschenden Reifen durchstarten um schnell noch durchzukommen, bevor der Gegenverkehr kommt, scharfes Bremsen wenn es dann doch nicht mehr langt. Dazu dann noch die Fussgaenger, welche trotz umherliegender und herabfallender Aeste und Zweige die Absperrungen ueberwinden, um von mir dann lautstark oder hoeflich dazu aufgefordert werden, sofort stehenzubleiben, die Strassenseite zu wechseln, oder zurueck hinter das Flatterband bzw. die Luebecker Huetchen geschickt werden.

Die erste ist eine Studentin in einem roten VW Polo. Sie befaehrt die nicht gesperrte Fahrbahnseite, hat also Vorfahrt. Trotz des Gegenverkehrs pocht sie auf ihr Recht, fahren zu duerfen. Logische Konsequenz, das sie sofort einem PKW Stossstange an Stossstange gegenueber steht, mitten in der Verengung. Wieder mal der Geruch von Gummi, welches auf Asphalt abgerieben wird, begleitet von zweifachem lauten Quietschen. Ich betrachte mir kurz die Situation, es stehen sich 20 Fahrzeuge eng an eng gegenueber, keine Chance rueckwaerts zu fahren. Also brueelle ich nach oben in den Baum, damit der Kollege aufhoert, denn ich oeffne die Baustelle, lotse die Studentin und ihren Hintermann in den abgesperrten Bereich. Ihrem Gegenverkehr signalisiere ich, er soll so stehenbleiben. Danach schicke ich einen weiteren Fahrer auf der Seite der Studentin rueckwaerts schraeg in eine Nebenstrasse, denn nur so kommt der Gegenverkehr vorbei. Dann winke ich die uns umrundenen Fahrzeuge durch, gehe dabei auf den Beginn der Baustelle zu. Als ich dort angekommen bin, stoppe ich die Schlange, und stelle mich auf die offene Fahrbahn, drehe mich um und winke die Studentin und alle aus ihrer Richtung durch. Gehe dabei natuerlich wieder in die Baustelle, denn es wird natuerlich mit quietschenden Reifen und hochtourig durchgestartet. Dabei reicht die Palette der mir zugerufenden Kommentare von Beleidigungen ueber „Danke“ bis hin zu einem Kompliment ueber meine Warnweste. Einmal Vogel zeigen und die Handbewegung fuer „Du bist bescheuert“ sind auch dabei.

Was natuerlich das Salz in der Suppe ist: Die Studentin, welche das ganze ausgeloest hat, steht in unserer Baustelle und wartet verzweifelt darauf, endlich fahren zu koennen. Sie blinkt, hat schon eingelenkt zurueck auf die nicht gesperrte Fahrbahn, aber niemand laesst sie rein. Mittlerweile bin ich vom Anfang der Baustelle wieder zurueck zum Steiger gelaufen, nachdem ich dem Pole position Fahrer dort erklaert habe er soll bitte so lange stehenbleiben, bis der Stau gegenueber sich aufgeloest hat. Das dauert nicht lange, denn ca. 200 Meter die Strasse runter ist der S-Bahnhof Schoenholz, und dort gibt es eine Ampel. Ein Ende ist also in Sicht, aber erstmal muessen die 200 Meter PKWs und LKWs und der Bus durch. Dann tut sich ein Zeitfenster auf, und alles ist wieder schick.

Mit der Studentin wechsele ich noch ein paar Worte, frage sie ob ihr Fuehrerschein auf Probe ist?! Dieses bestaetigt sie, was meinerseits ein grinsende „Das merkt man!“ zur Reaktion hat. „Ey man, ich habs verdammt eilig...“ „Ja, ist mir klar. Aber das haste jetzt davon! Kannste Dich janz hinten anstellen, so! Einmal nach vorne kieken, und Du haettest gesehen, das Dir auf Deiner Spur zwanzig Autos entgegenkommen mit 50 km/h??! Naja, das mit dem Frontalcrash hat ja immerhin fast geklappt...“ Bei dem andern Autofahrer, den ich in die Baustelle gebeten habe, entschuldige ich mich, er nimmt es locker und wundert sich so wie alle anderen auch nur ueber den roten Polo vor ihm, bzw. die Fahrerin.

Die ganze Sache dauert ungefaehr fuenf Minuten. Die Rocker schauen zunehmend interessiert und grinsend zu, ist Situationskomik direkt vor ihren Augen. Als die Baustelle wieder geschlossen ist, der Verkehr wieder rollt, kommen zwei Kommentare von ihnen. Der eine sinngemaess „Na Du hast ja die Ruhe weg“, der andere „Die bekloppte Schlampe!“ (gemeint damit bin nicht ich, sondern die Polo-Fahrerin). Ich grinse rueber, hebe erst fragend die Arme, um danach sofort veraechtlich in Richtung des Strassenverkehrs abzuwinken. „Jungs, sowas ist ganz normal. Interessant wird’s doch erst, wenns wirklich knallt.“

Allzulange dauert es nicht, und sie Situation wiederholt sich. Diesmal ist es ein Taxifahrer, der wie vorher die Studentin auf dem Vorfahrtsrecht beharrt. Man haette Kreidestriche auf die Fahrbahn malen sollen, die wuerden in beiden Faellen hoechstens 10 cm nebeneinander sein.

Diesmal hat der Fahrer hinter dem Taxi aber aufgepasst, und ist ca. 5 Meter hinter ihm zum stehen gekommen. Der Taxifahrer kann also problemlos rueckwaerts setzen, den Gegenverkehr durchlassen, um nach 30 Sekunden dann selbst fahren zu koennen. Er sieht das anders, ich gehe zu ihm und fordere ihn auf: „Fahren sie bitte ein paar Meter rueckwaerts“ Er oeffnet seine Seitenscheibe, blickt mich an und sagt „Nein, wieso denn?!“, dann geht das Fenster wieder hoch und er betrachtet das Fahrzeug direkt vor sich. „Hallo?! Fahr zwei verdammte Meter zurueck, dann kommen alle durch und es geht weiter“ Sein Kommentar ist ein abgelehnendes Kopfschuetteln.

Da platzt einem Rocker der Kragen, ein ziemlicher Brocken. Er steht auf und geht zu dem Taxifahrer, klopft deutlich hoerbar mit der Faust an die geschlossene Scheibe und fordert ihn ebenfalls auf, rueckwaerts zu fahren. Der Taxifahrer ist geschaetzte 60 Jahre alt, und anscheinend zum ersten Mal in der Provinzstrasse unterwegs. Nach der Aufforderung durch den Rocker, welcher sich bereits wieder vom Taxi abgewand hat, betaetigt der Taxifahrer den elektronischen Fensterheber, und erwidert etwas in Richtung Rocker. Leider verstehe ich nicht, was er sagt.

Aber der Bandido macht kehrt, und wird laut „Du faerhrst jetzt sofort rueckwaerts, ist das klar?!! Du verursachst hier einen Stau, da haben wir keinen Bock drauf! Verpiss dich endlich“ Ein zweiter springt auf, kommt auf die Strasse gelaufen in Richtung Taxi. Das Fenster geht augenblicklich wieder hoch, und der Taxifahrer setzt wie mehrfach gefordert ein paar Meter rueckwaerts.

Der letzte Baum vor dem „Gangxsters World“ ist eine ziemlich grosse Linde, darunter stehen zwei Fahrzeuge im Halteverbot. Das eine kenne ich bereits, es gehoert der Freundin des Betreibers des Ladens, und sie faehrt auch brav weg, als ich sie darum bitte. Der silberne Golf 5 hat ein auslaendisches Kennzeichen. Wir machen erstmal Mittagspause, lassen die Buehne aufgebockt direkt hinter dem Golf stehen.

Der Rocker mit den grauen Haaren, der wohl der Chef ist, bekommt nach zwanig Minuten Besuch von einer drallen Dame um die 35. Die beiden essen was, unterhalten sich, und sitzen nach wie vor mit Blickrichtung zu uns. Nach einer halben Stunde sagt der Rocker etwas zu ihr, beide schauen auf den Wagen mit auslaendischem Kennzeichen direkt vor uns. Ich meine zu meiem Kollegen, das jetzt bestimmt gleich der Golf weggefahren wird. Versteht er nicht, hat die Situation verpasst. Die Freundin des Rockers geht los, guckt nochmal. Zwei Minuten spaeter faehrt sie den Wagen weg, laechelt uns entschuldigend an. Der Chef hat den Wagen wegfahren lassen, also muessen wir den verdammten Baum nun auch machen. Eine Stunde Arbeit, aber wir wollten doch gar nicht mehr?!

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 31. Juli 2010, 19:53

Bernauer Strasse

Berlin Tegel, Tegeler Forst, Bernauer Strasse.

Der Planet brennt, im Schatten hat es ab 12:00 Uhr 37°C, und wir drei Faellungen an der Backe. Riesen Dinger, pro Tag schafft man einen und trinkt dabei 4 Liter Wasser. Wir werden dort nicht pro Baum bezahlt, sondern es gibt eine Tagespauschale. Also werden die Baeume eine Hau-Ruck-Aktion, und sind jeweils gegen 13:00 Uhr gefaellt, ohne Pause durcharbeiten. Und es ist verdammt viel Holz, was da zusammen kommt. Das Stammholz der einen Ulme verkaufen wir sogar noch fuer 60 Euro an einen Interessenten, pro Mann 20 Euro Taschengeld. Incl. Anlieferung, aber seine Gartenlaube befindet sich direkt neben unserem bevorzugten Imbiss dort, also faehrt ihm unser Kollege das Holz bis vor die Tuer. Wo er es abkippt ist egal, hier bekommen wir sogar Geld dafuer.

Wie gesagt, jeweils gegen 13:00-14:00 Uhr waren wir mit den Baeumen fertig, stehen mitten im Wald, muessen aber bis 15:30 Uhr Praesenz zeigen – die Tagespauschale vom Amt...

80 Meter durch den Wald gelaufen, und wir sind an einem kleinen Badestrand am Tegeler See. Wassertemperatur 26°C, jede Menge suesse Bunnies in Bikinis am Start, denn die haben ja Sommerferien. Aber das ist nur die nette Begleiterscheinung, viel geiler ist die Abkuehlung im See. Ausser wenn wir baden sind, haben wir die Mobiltelefone in Reichweite, kann ja sein das ein Havarieeinsatz kommt und wir los muessen. Keine Anrufe, also bummeln wir so unsere Zeit ab mit Schwimmen und Sonnenbad.

Solche Tage muss man geniessen. Eigentlich sollte man sowieso jeden neuen Tag geniessen, aber diese sind besonders selten und viel wert. Die Moeglichkeit, seinen Kollegen mal ganz entspannt zu erleben, mit ihm quatschen zu koennen, als waere es ein Samstag Nachmittag und man waere als Freunde am Strand, das hat was. Nur das gekuehlte Bierchen dazu hat gefehlt... :hau wech:

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon Airport » Samstag 31. Juli 2010, 22:36

Bitte weiter so !!!!! :trulla: :wai: :wai:
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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Sonntag 1. August 2010, 00:37

Das wird wohl kaum zu vermeiden sein, Peter.
Bin bis Ende Dezember beim Baumdienst gebucht... :iii:

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Montag 2. August 2010, 19:10

Biedenkopfer Strasse in Reinickendorf

Bevor Fragen kommen: Die Strasse ist nicht nach dem Politiker Biedenkopf benannt, sondern nach einer Kleinstadt, in Hessen glaube ich.

Eine recht ruhige Strasse, der Problembaer ist ein Ahorn, ca. 60 Jahre alt, 30 Meter hoch. Diagnose Wurzelfaeule, der kippt bald lang hin ueber die Strasse. Also wird vorher kontrolliert gefaellt von uns.

Die Strasse hat einen Mittelstreifen, der begruent ist und auf dem Baeume stehen. Beide Fahrstreifen laufen also nur in ein Richtung. Fuer mich so, als wuerde ich in einer Einbahnstrasse arbeiten, es wird garantiert kein Gegenverkehr kommen.

Interessant nur, das sich hinter uns in einer Seitenstrasse ein Polizeirevier befindet...

Mein Kollege mit dem LKW fuer die Abfuhr und angehaengtem grossen Hacker ist bereits vor Ort und bei der Arbeit. Ich habe also die am Helm montierten Ohrenschuetzer auf, saemmtliche Toene erreichen mich nur noch in Moll.

Der Kollege im Baum hat die Fahrbahn zugeschmissen mit langen schweren Aesten, oder Kloetzen. Dann hoert er ploetzlich auf damit, und zeigt hinter mich. Ich drehe mich um, und vor mir steht ein roter T5, mit blauem Flashlight auf dem Dach, aus dem Kuehlergrill bellen mich zwei weitere blaue Augen an, die Kripo moechte gerne durch?!!

Die Polizisten muessen warten, bis ich das Holz aus dem Weg geraeumt habe. Sie haben keine Moeglichkeit, links oder rechts vorbeizufahren. Nach dem zweiten Starkast, den ich aus dem Weg zerre, deute ich mit meinen Zeigefingern auf meine geschuetzen Ohren, schuettele dabei verstaendnislos mit dem Kopf. Der Polizist hat zwar angehalten drei Meter vor mir, aber die Sirene nicht abgeschaltet.

„Mach das aus!!!“, auch dann kann ich schnell sehr laut werden. Wir koernnen beide froh sein darueber, das ich ihn nicht noch als Attrappe und Bullen beschimpfe, und wir beide wissen das.

Er muss an uns vorbei, nicht umgekehrt. Also wird es solange dauern wie ich dafuer brauche, die Fahrbahn wieder befahrbar zu machen. Wir kommunizieren durch seine Windschutzscheibe, auch nachdem er den Alarm abgeschaltet hat. Ich habe mir Muehe gegeben, nach 45 Sekunden konnten sie weiterfahren.

Als der Ahorn fast runter ist, kommt eine Anwohnerin mit ihrem Koeter an der Leine zu uns. Erst dachte ich noch, sie will den Fiffi nur auf dem Mittelstreifen Gassi fuehren. Oder die Kacke ihrer Nachbarhunde aufsammeln, denn sie hat in der anderen Hand einen uebergrossen blauen Eimer.

Nein, sie laeuft mir direkt unter den Baum, „...um mal was zu fragen?!...“ Ich schicke sie und den Koeter und den blauen Eimer sofort wieder auf den Mittelstreifen zurueck.

Und schon wird mir alles klar, die dicke Frau ist offen wie eine Flasche Selters. Die kann ihren Namen tanzen, sogar der alte graue Koeter schaut peinlich beruehrt beiseite. Ich bekomme dann noch das Mantra der Hopi vorgesungen, das man Geld nicht essen kann und so...

Immerhin hat sie es mit ihrer Aktion geschafft, das wir gut 20 Minuten nicht weiterarbeiten konnten.

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon Kali » Dienstag 3. August 2010, 12:02

Nette Schilderungen, versüßen mir die Zeit. Hatte mir für heute sowieso nix vorgenommen, bin geschlaucht von den vergangenen Tagen.

Ich kann's mir leisten, bin ja Rentner... ;;
Gruß, Kali ....
Wir sind so gerne in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Mittwoch 4. August 2010, 18:16

Flurweg, Berlin Rudow

10 Baeume heute, dreimal Lichraumprofil fuer Doppeldeckerbusse der Linie 172 schneiden, und sieben Mal Kronenpflege. Alle ausgeschilderten Baeume sind frei, nur unter einem – ausgerechnet dem groessten, eine alte Eiche – steht ein PKW. In der gesammten Strasse stehen Einfamilienhaeuser, also klingele ich an vier Tueren.

Schnell wird mir von einem Nachbarn berichtet, wem der Wagen gehoert. Und das der Besitzer nicht zuhause ist, und sich um Halteverbote nicht kuemmert, die interessieren ihn einfach nicht. Gut, wenn er will kann er es so haben. Wir heben uns den Baum fuer zum Schluss auf, vielleicht kommt er ja rechtzeitig nach Hause und parkt um.

Gegen 13:00 Uhr ruft mein Kollege dann doch das Ordnungsamt an. Halterfeststellung, und den Abschleppdienst kommen lassen. Dieser setzt den Wagen um genau drei Parkplaetze weiter nach hinten in der Strasse. Fuer 180 Euro, plus noch ein Knoellchen vom Amt. Manche lernen es wohl nur so, oder haben genug Spielgeld.

Und weils so schoen ist, drehen wir alle unsere Halteverbotsschilder in der Strasse um, denn wir sind ja fertig mit der Baustelle. Ausser die zwei vor seinem Haus, dort gilt noch weitere 48 Stunden ein Halteverbot. :aetsche:

Wir haben wirklich noch bis Punkt 15:30 Uhr dort gewartet in der Hoffnung, der Besitzer kommt und entdeckt, das sein Auto weg ist. Leider hat er uns diesen Gefallen nicht getan, wir waren alle schon so gespannt auf seinen Wutausbruch. :O:

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 7. August 2010, 21:24

Sie gibt sich Muehe, steigt von dem Fahrrad ab, hebt das Flatterband hoch, und zwaengt sich mitsammt des Fahrads drunter durch. Dann steigt sie wieder auf, radelt 10 Meter in meine Richtung. Meine abwehrenden Handbewegungen quittiert sie mit einem sonnigen Laecheln, bis direkt vor ihr ein Starkast aufschlaegt.

Sie ist verdammt jung, und im achten Monat schwanger.

Und sie bekommt von mir einen verbalen Einlauf, der sich gewaschen hat. „... Um Dich tut es mir nicht leid, aber um Dein ungeborenes Kind, wenn es einen 20-Kilo-Ast abbekommt"...“ Es scheint das erste mal zu sein, das sie sich damit auseinandersetzt, das sie schwanger ist. 18 Jahr, blondes Haar...

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Re: Meine Arbeits-Gimmix

Beitragvon hello_farang » Samstag 14. August 2010, 18:27

Reuterstrasse, Neukoelln

Die Reuterstrasse geht rechts und links ab von der Sonnenallee in Berlin Neukoelln. Ein crasser Kiez, dagegen war die Provinzstrasse noch entspannt...

Der Plan war, zehn Baeume dort abzuarbeiten, fuenf haben wir geschafft. Ungeachtet dessen, das dort 80% der Anwohner kein oder nur gebrochenes Deutsch sprechen, ist es einfach unglaublich. Das Ordnungsamt begruessen wir mittlerweile mit Handschlag, so oft muessen die kommen um Autos abschleppen zu lassen. Halteverbot ist ein Fremdwort in der Gegend, wird einfach missachtet.

Fuer die ersten zwei Baeume haben wir 30 Minuten gebraucht, aber fast zwei Stunden nur auf das Amt und den Abschleppdienst gewartet. Gezwungen zum Nichtstun.

Man kommt sich vor wie in einem islamischen Land, in der eigenen Stadt bin ich der Auslaender. Oder sie wollen unbedingt totgeschlagen werden von einem fallenden Ast, ich weiss es nicht?! Ist ja alles Allahs Wille was passiert, so selbstverstaendlich marschieren sie mit den Kindern in die Baustelle. Sich von mir –einem fremden Mann- etwas sagen zu lassen, klappt einfach nicht. Zweimal war es haarscharf, und erst dann haben sie kehrt gemacht. Habe es ja schonmal erwaehnt: Neukoelln rund um die Sonnenallee, die Hermannstrasse und die Karl-Marx-Strasse ist ganz grosses Kino. Kostet aber auch Nerven ohne Ende...

Um zwei Falschparker abzuschleppen kommt ein angeforderter LKW, haelt an, und faehrt sein Stuetzbein aus. In diesem Moment sieht mein Kollege, das es maechtig aus dem Kuehler des Abschleppfahrzeugs pinkelt. Muss wohl ein Schlauch oder eine Leitung gerissen sein. Der Abschlepper faehrt also seine Stuetze wieder ein, stellt den Motor ab. Es sprudelt munter weiter auf die Fahrbahn, bis sich der Motordruck abgebaut hat. Alle bleiben ganz entspannt, sowas kommt schon mal vor, auch die Jungs vom Ordnungsamt bleiben locker, machen Witzchen und geben gut gemeinte Ratschlaege.

Mit dem Abschleppwagen werden die zwei Falschparker also bestimmt nicht umgesetzt, der Fahrer ruft seine Kollegen an. Erstens, um einen anderen Kollegen fuer die zwei PKWs zu ordern, und dann einen 40-Tonner, um sich selber abschleppen zu lassen. Die Strasse ist also zu mit unseren zwei LKWs, dem havarierten Abschlepp-LKW, einem weiteren Abschleppwagen, und dem 40-Tonnen-Berge-LKW. Mit Ach und Krach kommt sogar der BVG-Bus durch, aber es gibt natuerlich ein heilloses Chaos und viel Gehupe. Und wir koennen nochmal eine gute Stunde warten, bis wir fuer 20 Minuten an den Baum koennen.

Natuerlich lasse ich die Gelegenheit nicht aus, von der kuriosen Abschleppaktion ein Bild zu machen:

Bild

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