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VIETNAM - Chronologie eines Krieges

vergesst es nie !!!!!!!!

Am 16. März 1968 zerstörten amerikanische Soldaten das südvietnamesische Dorf My Lai und brachten nahezu alle 500 Bewohner um.

Frauen und Kinder werden zusammengetrieben und sehen in Todesangst, wie die Gewehre auf sie angelegt werden.

1859 - 1883
Französische Truppen erobern Annam. Beginn der Kolonialherrschaft.
1940
Japanische Truppen besetzen Vietnam im Einvernehmen mit Vichy
1941
Gründung der von Kommunisten (Ho Chi Minh) geführten Widerstandsbewegung, die von der US-Regierung unterstützt wird.
1945, März
Staatsstreich der japanischen Truppen gegen die französische Kolonialverwaltung.
1945, September
Ho Chi Minh proklamiert die "Demokratische Republik Vietnam"
1945, November
Französische Truppen beschiessen Haipong; 6000 Tote. Beginn des Indochina-Krieges
1949, März
Frankreich gründet den "Staat Vietnam" unter Bao Dai
1950, Mai
Beginn der Miltärhilfe für die französischen Vietnam-Truppen (Kosten 1953: über eine Milliarde Dollar)
1954, 8.5.
Kapitulation von Dien Bien Phu
1954, 26.4. - 21.7.
Genfer Konferenz, Festlegung des 17. Breitengrades als Demarkationslinie bis zum 20. Juli 1956, dem letzten Datum für Wahlen unter internationaler Kontrolle in ganz Vietnam. Bis dahin regiert Ho Chi Minh in Nordvietnam, Bao Dai in Südvietnam
1954, 7.7.
US-Truppenstärke in Südvietnam: 684
1954, 24.10.
Eisenhower sagt Diem US-Hilfe zu und "erwartet, dass diese Hilfe durch die nötigen Reformen ergänzt wird". "Wären zur Zeit der Kämpfe Wahlen abgehalten worden, hätten wahrscheinlich 80 % der Bevölkerung eher für den Kommunisten Ho Chi Minh als für Staatschef Bao Dai gestimmt." (D. Eisenhower, Mandate for Change)
1955, 20.7.
Diem lehnt die von Nordvietnam vorgeschlagene Konferenz zur Vorbereitung gesamtvietnamesischer Wahlen ab.
1955, 10.8.
"Die südvietnamesische Regierung betrachtet sich als in keiner Weise an das Genfer Abkommen gebunden". (Ngo Dinh Diem)
1955, 23.10.
Nationalreferendum setzt Bao Dai ab und erklärt mit 98,8 % Diem zum Staatsoberhaupt.
1956, Mai
Gesetz 10/59. Militärgerichte können jeden "Saboteur" zum Tode oder zur lebenslänglichen Zwangsarbeit verurteilen.
1956, 20.7.
Die im Genfer Abkommen vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen finden nicht statt.
1959, 30.8.
Nationalwahlen, Oppositionskandidaten sind nicht zugelassen.
1960 26.4.
Achtzehn südvietnamesische Minister, Professoren und Priester richten - "ohne Rücksicht auf Konsequenzen, die das für uns hat" - einen öffentlichen Aufruf an den südvietnamesischen Premierminister Diem, "das System zu liberalisieren, die Demokratie zu fördern, ein Mimimum an Bürgerrechten zu garantieren, Opposition zuzulassen´, den Familien- und Partei-Nepotismus zu beenden und das Vertrauen in eine ehrenhafte und gerechte Regierung zu erneuern."
1960, 20.12.
Gründung der Nationalen Befreiungsfront (FNL); Vorsitzender wird der Saigoner Rechtsanwalt Nguyen Hu Tho. "Die FNL wurde nicht auf Anregung Hanois gegründet und wird auch nicht von dort geleitet." (Le Monde, 21.4.1965)
1961, 18.10.
Dem Ermächtigungsgesetz für Diem folgt eine Notstandserklärung
US-Truppenstärke in Vietnam: 3500
1962, April
Erste "Strategische Dörfer", in den US-Soldaten südvietnamesische Zivilbevölkerung zusammenpferchen, um den "Vietcong" die Basis zu entziehen.
1963, 2.1.
Erste offene Schlacht (bei Apbac) zwischen FNL und südvietnamesischen Truppen, die unterliegen. "Es ist höchst beunruhigend festzustellen, dass die Republik Südvietnam nach sieben Jahren nicht mehr, sondern weniger gefestigt ist und dem Ziel einer populären, veranwortungsvollen und verständnisvollen Regierung heute entfernter statt näher. Das amerikanische Interesse rechtfertigt es nicht, den dortigen Krieg zu einem amerikanischen zu machen", heisst es im Bericht der Vietnam-Kommission des US-Senats vom 25.02.
1963, 11.6.
Erste Selbstverbrennung eines buddhistischen Mönches als Protestaktion gegen das Regime Diems, das im Mai des Jahres ein Blutbad in Hue angerichtet hatte.
1963, 21.8.
Diem erklärt Standrecht für ganz Südvietnam. "Diem ist ohne Verbindung zum Volk." (J.F. Kennedy, 2.9.)
1963, 1.11.
Diem wird ermordet. Sturz der Regierung. Bis Juni 1965 häufiger Regierungswechsel und mehrfache Staatsstreiche.
1963, 4.11.
US-Aussenminister Dean Rusk lehnt de Gaulles Vorschlag zur Neutralisierung Vietnams ab.
1963, 15.11.
Der US-Militärsprecher in Saigon kündigt für den 3.12. den Abzug von 1000 US-Soldaten an.
1963, 22.11.
Ermordung Kennedys
1963, 24.11.
Präsident Johnson erklärt, er werde den Krieg "fortsetzen". beginn der "escalation".
1964, 30.1.
Staatsstreich, General Khanh wird Premierminister Südvietnams.
1964, April
Khanh erklärt, dass sieben Millonen Einwohner (= 57 % der Landbevölkerung) unter der Kontrolle der FNL leben.
1964, 23.6.
"Die USA sind bereit, die Ausweitung des Krieges in Südvietnam zu riskieren." (Verteidigungsminister Robert McNamara)
1964, Juli
Aufruf von 5000 amerikanischen Professoren und Dozenten zur Beendigung des Krieges in Vietnam. - US-Truppenstärke: 23 500
1964, 24.7.
Johnson lehnt den Vorschlag des Gaulles ab, eine internationale Konferenz einzuberufen.
1964, 4.8.
Zwischenfall im Golf von Tongking. der US-Zerstörer "Maddox" berichtet von einem Torpedoangriff nordvietnamesischer Wachboote, um einen Vorwand zum Beginn der Luftangriffe auf Nordvietnam zu haben.
1964, September
Ablehnung des ersten, von UN-Generalsekretär U Thant vermittelten nordvietnamesischen Verhandlungsangebots durch Dean Rusk.
1965, Januar
Ablehnung des zweiten, durch U Thant vermittelten nordvietnamesischen Verhandlungsangebots durch Dean Rusk.
1965, Februar
Das Pentagon bestätigt, dass von 7500 erbeuteten FNL-Waffen 179 kommunistischer (= 2,5 %), der Rest westlicher Herkunft (überwiegend amerikanischer) sind. 19550 festgenommene "Infiltratoren" sind fast sämtlich Südvietnamesen, nur sechs stammen nachweislich aus Nordvietnam.
1965, 7.2.
Regelmässige Luftangriffe auf Nordvietnam beginnen.
1965, 19.3.
Bombardierung des Dorfes Man Quang.
1965, 24.3.
US-Truppen setzen zum erstenmal Gas ein."Die Unvollkommenheiten des Menschen sind nun einmal derart, dass die Gewalt oft der Vernuft vorausgehen muss und die Vergeudung des Krieges den Werken des Friedens" (erklärt Lyndon B. Johnson am 8.4.).
1965, 11.6.
Staatsstreich: General Cao Ky wird Premierminister. US-Truppenstärke: 54000
1965, 6.7.
"Ich habe ein Vorbild: Hitler" (General Ky)
1965, 7.8.
"Durch zehn Jahre hindurch haben die Vereinigten Staaten das Genfer Abkommen von 1954 verletzt und versuchen, einem politischen und wirtschaftlichen Problem eine militärische Lösung aufzuzwingen." (Wayne Morse, demokratischer Senator).
1965, September
US-Truppenstärke: 129 000
1965, Dezember
Aufruf von 200 westdeutschen Schriftstellern und Professoren zur Beendigung des Krieges in Vietnam. Tote (1965): etwa 108000 (davon 72000 Zivilisten).
1966, Mai
Senator J.W. Fulbright warnt die amerikanische Regierung und Nation vor der "Arroganz der Macht". - Kämpfe und Meutereien in Da Nang und Hue.
1966, Juli
Grossbritannien, der Vatikan, Frankreich, Indien und andere Länder protestieren gegen die Ausweitung des Bombenkriegs auf nordvietnamesische Städte.
1966, August
Seit Beginn der Luftangriffe wurden von US Flugzeugen über Nordvietnam mehr Bomben abgeworfen als im gesamten Zweiten Weltkrieg.
1966, November
US-Truppenstärke: 385000. - US-Militärbudget für Vietnam seit Beginn des Krieges: 28 Milliarden Dollar.
1967, August
US-Truppenstärke: 400000.- Tote: 13600 US-Soldaten, 55000 südvietnamesische Soldaten, 228000 FNL-Soldaten.- Das US-Militärbudget für Vietnam (für 1968) beträgt 24 Milliarden Dollar.
1968
Beginn der Tet-Offensive der FNL im Februar, die zu einem grossen militärischen Erfolg wird. Die Stadt Hue und grosse Teile des Landes werden unter Kontrolle der FNL gebracht, was dazu führt, dass der Oberbefehlshaber der US-Truppen in Vietnam, General Westmoreland ("Wir werden sie mit unseren ausgeklügelten Waffen, die sie sich nicht leisten können, so lange bearbeiten, bis sie nach Gnade winseln.") am 31. März abgelöst wird.

der Polizeichef in "Aktion"

1968, 16.3.
Massaker von My Lai - alle 500 Bewohner des Dorfes werden umgebracht.
1968, 3.4.
Einverständnis der USA zu Gesprächen über die Beendigung des Krieges.
1968, 10.5.
Beginn der Verhandlungen in Paris. Unverminderte Luftangriffe der USA.
1968, 31.10.
Erstes Ergebnis der Pariser Verhandlungen: Die USA müssen ihre Kriegshandlungen gegen Nordvietnam einstellen. Die Luftangriffe und Entwaldungsaktionen in Südvietnam gehen unvermindert weiter.
1969, 18.1.
Erstmalige Teilnahme der Nationalen Befreiungsfront Südvietnams (FNL) an den Verhandlungen in Paris. Richard Nixon ist Präsident der USA. Auch unter seiner Regierung werden die Kampfhandlungen gegen die Bevölkerung in Südvietnam fortgesetzt.
1969, 8.6.
Proklamierung der Republik Südvietnam und Bildung einer Provisorischen Revolutionären Regierung. Offizielles Staatsoberhaupt Südvietnams ist immer noch der von der USA ausgehaltenen Van Thieu.

 Napalm und Kinder

Was ist aus den Mördern von My Lai geworden ?

Der Hauptverantwortliche Calley erfuhr nach seiner Verurteilung vor allem aus den Südstaaten der USA große Unterstützung. Diese Sympathiewelle erreichte während des langen Prozesses in Fort Bennington, Georgia, ihren Höhepunkt, als Calleys Sekretärin über 10.000 Fanbriefe für den »Helden« zu bearbeiten hatte. Aber auch Gouverneure wie z.B.George Wallace aus Alabama, bekannt für seine rassistischen Äußerungen, ergriffen öffentlich Partei für den verurteilten Lieutenant. Man sah in Calley nur den Sündenbock für die Fehler der Militärs und der Regierung. Präsident Nixon, der die Sympathiewelle für Calley zu seinen Gunsten ummünzen wollte, begnadigte ihn schließlich nach nur drei Jahren Haft. Heute ist der Ex-Lieutenant ein angesehener Bürger und gutbezahlter Geschäftsführer eines Juweliergeschäfts in Colombus.

Aber auch all die anderen, die erst gemordet, dann geschwiegen und vertuscht haben, gehen nach wie vor ihren Berufen als Militärs oder Politiker nach. Keiner der ranghohen Militärs - z.B. General Koster, Augenzeuge des Blutbades oder auch General Westmoreland, damals Oberbefehlshaber der US-Truppen in Vietnam - wurde zur Verantwortung gezogen. Ein amerikanischer Reporter drückte das Problem so aus: »Unsere kollektive Schuld liegt darin, daß wir angesichts des Massakers von My Lai Gerechtigkeit suchen müssen, unsere Vertreter aber ständig den Rest der Welt moralisieren wollen und unter Führung der Vereinigten Staaten zum Kampf gegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit auffordern. Unterdessen leben die amerikanischen Kriegsverbrecher in komfortabler Anonymität unter uns.

My Lai war nicht nur der Ort einer schrecklichen Tragödie, vielmehr wurde es zum Symbol für die Schrecken des Vietnamkrieges, dem etwa 58.000 Amerikaner und zwei Millionen Vietnamesen zum Opfer fielen. Angesichts der Opfer kann man nur hoffen, daß Lawrence Colburns Wunsch in Erfüllung geht:

»Ich bete dafür, daß wir eines Tages fähig sind, unsere Kriegsmentalität abzulegen, denn Krieg ist Wahnsinn!